25. Juni 2017

Blauweiße Blaupause

Den Confed Cup in Putinistan habe ich bisher locker ignoriert, das Turnier der U 21 in Polen aber finde ich großartig. Und das hat nicht nur damit zu tun, dass in der Mannschaft von Stefan Kuntz bisher immer drei Herthaner zur Startformation gehörten. Das Spiel am Samstagabend war ein Beispiel dafür, wie sich der Fußball allgemein in Zukunft entwickeln könnte, allerdings unter den klassischen Konditionen mit Viererketten und Sturmzentrale (statt Dreierkette und Siebenerschwarm). Es war auch eine Lehrstunde, bei der man gelegentlich an Hertha denken konnte.

So richtig eingestiegen bin ich erst beim souveränen Sieg über Dänemark. In diesem Spiel bildete sich allmählich fast so etwas wie eine vertikale Hertha-Achse heraus, begünstigt durch Spieleröffnungen von Niklas Stark, die keineswegs immer nach außen gingen, durch eine variable Rolle von Mitchell Weiser, der oft nach innen ging, und durch einen mit zunehmendem Spielverlauf besser integrierten Davie Selke.

Die Stimmung war optimistisch vor dem entscheidenden Spiel gegen Italien, und der Beginn war auch gut. Dann wurde die Sache aber immer schwieriger. Das hatte mit einem Umstand zu tun, für den es in der jüngeren Fußballersprache zahlreiche Namen gibt: Pressing, Jagdfußball, hohes Anlaufen. Beim einzigen Gegentor waren vier Italiener auf Höhe der letzten deutschen Linie, die in diesem Moment de facto aus dem Keeper Pollersbeck und Niklas Stark bestand. Der Torhüter ließ sich zu einem seitlichen Abschlag verleiten, Stark wusste sich in der Not nicht anders zu helfen als mit einem schwierigen Pass auf Dahoud, der versuchte es mit einem technischen Manöver und verlor den Ball.

Man spricht in so einem Fall auch von Überfallfußball: Ba-Ba-Ba-Ballüberfall. Für Hertha-Fans war es ein Gegentor mit einer Blaupause (oder einer Blauweißpause, wenn man so mag). Denn Rune Jarstein war im Vorjahr das eine oder andere Mal in einer vergleichbaren Situation, und wir haben Gegentore gesehen, die dem vom Samstag glichen. Niklas Stark hatte gegen Italien insgesamt ein schwieriges Spiel. Das sollte aber nicht vergessen lassen, dass er insgesamt bisher ein gutes Turnier spielt.

Und auch hier gibt es Aspekte für Fans mit Clubbrille. Denn Stark spielt in der U21 eine deutlich vertikalere Eröffnung als bei Hertha, wo er allerdings nicht so oft ganz hinten eingesetzt wurde. Den Pass ins Zentrum kann er auch deswegen riskieren, weil jemand wie Dahoud ihn ganz anders verarbeitet als ein Skjelbred oder ein Lustenberger. Beim Gegentor der Italiener war Stark wohl zu optimistisch, was die Lösungskompetenz von Dahoud anlangt, aber dessen Beweglichkeit bei der Ballannahme, seine Umschalteleganz sind schon enorm. Die tollen Italiener brachten ihn aber an seine Grenzen.

Der Blick auf Stark in Polen bringt mich zu einem Thema zurück, das in den Überlegungen bei Hertha anscheinend keine Rolle spielt: Ich finde, der Kader braucht einen neuen Sechser. Vermutlich ist Stark selbst für diese Rolle vorgesehen, das wäre auch eine akzeptable Lösung, keine Frage. In der U21 sind aber sowohl Arnold wie auch Dahoud, auch wenn beide gegen Italien richtig litten, ganz anders strategisch eingebunden, als das die meist sehr konservative Doppelsechs bei Hertha zumeist war.

Dass Mitchell Weiser gegen Italien auch eher wirkungslos blieb, und Davie Selke wieder die Einsamkeit des Vollstreckers inmitten humorloser italienischer Amtsschimmel (Kasten heute geschlossen) erlebte, das waren auch Aspekte dieses hochinteressanten Spiels. Aber meine Augen waren auf den neuralgischen Punkt gerichtet, an dem dann auch das Tor entstand: auf die Zone, in der Spieleröffnung und Umschaltspiel ineinander übergehen, weil eben der Spieler, der den ersten Pass verarbeitet, im Grunde schon etwas tun muss, was einem Konter nicht unähnlich ist. Schließlich war Italien in diesen Momenten mit so vielen Leuten in der Nähe des Balls (in der Regel vier, manchmal fünf), dass ein öffendes Manöver schon Chancen ergeben konnte. Es gelang allerdings selten, was auch daran liegt, dass diese italienische Mannschaft keinen verausgabenden Jagdfußball spielt, Marke Kloppo, sondern einen leichtfüßigen, jugendlichen, einen mit Zukunft eben. Einen, den man überall genau studieren wird.


Eingestellt von marxelinho am 25. Juni 2017.
0 Kommentare

Kommentieren


11. Juni 2017

Sommerflause

In einem sozialen Netzwerk hatte am Samstagmorgen jemand erwähnt, dass die U15 von Hertha zu Mittag ein Heimspiel gegen Dynamo Dresden austragen würde, und dass danach eine Meisterfeier anstand. Denn die Nachwuchsmannschaft hat in einer Liga, in der immerhin auch Rülpsbrause Leipzig (copyright kung) spielt, eine exzellente Saison gezeigt.

Die Sonne schien, der Tag war helle, meine Vorhaben ließen sich alle hintanstellen, mit einem Wort, ich tat das, was ein Fußballfan zu Beginn der Sommerpause halt mal so macht, wenn die Entzugserscheinungen noch klein sind, aber doch schon spürbar (FIFA-Spiele tun für mich nichts). Ich fuhr hin, und gesellte mich zu den 140 Besuchern, unter denen ich zu meiner Überraschung auch einen unmittelbaren Nachbarn aus dem Kiez traf. Er hat einen Sohn in der U15.

Es war ein großartiger Sommernachmittag. Das begann schon mit dem Anblick von Andreas Neuendorf, der vor Beginn so gelassen über den Platz zu der Betreuerbank schritt, wie das einst Ronald Reagan für den Gang in den Sonnenuntergang des Lebens verheißen hatte. Das Spiel selbst war spannend und in vielerlei Hinsicht interessant: Die U15 spielte mit einer Dreierkette, woraus man sicher nicht allzuviel ableiten muss, allerdings ist abzusehen, dass diese Systemfrage (Dreier- bis Fünferkette) bei den Profis in der kommenden Saison wichtig werden wird - es könnte das Jahresthema werden, auch deswegen, weil daran die Frage nach einer Verbesserung der schwachen Offensivarbeit im zentralen Mittelfeld hängen kann.

Ich schaue mir so ein Nachwuchsspiel nicht an wie ein Scout, deswegen liegt mir auch nicht daran, hier schon Hertha-Stars der Zukunft zu entdecken - wenn, dann fiel mir übrigens von allem ein Knirps bei den Dresdnern auf, der deutlich kleiner war als die meisten, der aber ein paar schöne Aktionen hatte: Adam Cicovsky aus Tschechien, ein Legionär also, ein offensiver Mittelfeldspieler, für eine hängende Spitze ist er einfach körperlich nicht weit genug, zumal die Herthaner fast durchwegs physisch überlegen waren.

Am Ende stand es 5:3, und dann gab es sogar eine Dusche für den Coach (mit Fanta?), und das obligate "We are the Champions", das in diesem Fall natürlich auch Sinn macht. Denn abgesehen von der prinzipiellen Freude, an einem so traumhaften Tag auf einem guten Rasen guten Fußball spielen zu können, lebt so ein Match natürlich von dem latent immer vorhandenen Zusammenhang: Wer es einmal bis in die U15 von Hertha oder Dresden geschafft hat, könnte eines Tages vielleicht noch in einem viel bedeutenderen Moment die Hymne von Queen hören. Dieser epische Aspekt am Fußball hat mich immer schon besonders fasziniert, weil das eben auch bedeutet, Nebenschauplätze genauso wichtig zu nehmen.

Auf dem Weg nach Hause versuchte ich mir dann noch vorzustellen, wie das wäre, wenn in ein paar Jahren ein zweites Stadion in diesem großartigen Gelände des Olympiaparks stehen würde. Auch das wird ja noch eine epische Angelegenheit. Hoffentlich kommt da kein Blödsinn raus, aber ich würde es vorläufig einmal so sagen: Wenn auf den Platz vor die Gemäldegalerie und neben die Matthaikirche tatsächlich eine Kunsthalle mit den Ausmaßen des Entwurfs von Herzog und de Meuron passen soll, dann sollte ein Fußballstadion neben dem Olympiastadion sicher kein Problem sein. Im Gegenteil: der Entwurf ist so überzeugend, dass sich die anderen Überlegungen, das Oly umzubauen, doch im Grunde von selbst erübrigen müssten.



Eingestellt von marxelinho am 11. Juni 2017.
0 Kommentare

Kommentieren


06. Juni 2017

Funky Funky

In der Woche, in der Hertha BSC wegen des noch nicht gespielten Pokalfinales noch nicht genau wissen konnte, wie der Sommer aussehen würde, hatte ich das große Vergnügen, als Pundit zu einem großartigen Radioprojekt zugeschaltet zu werden: Rasenfunk ist ein Fußball-Podcast, den ich nur rundheraus empfehlen kann. Wenn man in dem Sprachbild bleiben möchte, dass ich meinen Senf zur Saison 2016/17 gegeben habe, dann wäre Hertha dementsprechend die (Curry-)Wurst. Beim Rasenfunk geht es aber eindeutig um mehr als um Senf. Ebenfalls mit mir in der Schalte: Arne Steinberg, Experte in Sachen Effzeh Köln.

Der Podcast ist hier



Eingestellt von marxelinho am 06. Juni 2017.
0 Kommentare

Kommentieren


03. Juni 2017

Zuraten und Abraten: Das Spieler-Rating 2016/17

Rune Jarstein
Es war sicher eine der wichtigsten Hertha-Personalien in der mir erinnerlichen Geschichte, dass Thomas Kraft durch den ruhigen Norweger abgelöst wurde, der seither zu einer absoluten Stütze geworden ist. Hatte eine Topsaison, mit der einzigen kleinen Einschränkung, dass er sich fast schon zu sehr als Libero anbot. Von ihm sollte die Mannschaft in der kommenden Saison auch Signale bekommen, wann das Hintenherumspielen nicht mehr der Sicherheit dient, sondern der Bequemlichkeit. Mit einem Wort: da sein, aber nicht als Ausrede. Perspektive: Führungsspieler.
 
Petr Pekarik
Eine solide Saison bekam mit seinem ersten Bundesligator einen schönen Akzent. Perspektive: Ergänzungsspieler (vor allem, wenn Hertha sich an einem 3-5-2 versuchen sollte).
 
Sebastian Langkamp
Beinahe schon ein Hertha-Urgestein inzwischen, immer noch ein passabler Innenverteidiger, der aber vor allem in der Spieleröffnung deutliche Defizite hat. Das hat vielleicht auch mit seinem Stil zu tun: immer ein wenig aufreizend aus der Hüfte. Favre hätte ihm sicher Extraschichten beim Zehenballentraining verordnet. Spezialtalent: zieht Stürmerfouls wie kein anderer. Perspektive: Wackelkandidat.
 
John-Anthony Brooks
Hat genau die Saison gespielt, die einem angeschobenen Verein wie Wolfsburg 20 Millionen wert sein mag. Alles Gute, wir sind stolz auf dich!
 
Marvin Plattenhardt
Für eine wirklich große Saison war die Mannschaftsleistung ingesamt nicht groß genug, und so richtig prägend war Plattenhardt dann auch nur ab und zu mit seinen Standards. Als linker Außendecker aber doch die beste Besetzung, die Hertha seit 1998 bisher hatte (bei allem Respekt für Michael Hartmann und Malik Fathi). Könnte vermutlich in einer mutigeren Mannschaft noch mehr zeigen. Perspektive: Stammspieler.
 
Jordan Torunarigha
Brauchte nur zwei Spiele, um den Weg für John Brooks in die große, weite Welt zu bereiten. Perspektive: Stammspieler.
 
Per-Ciljan Skjelbred
Verkörperte am deutlichsten die Probleme von Hertha im vergangenen Jahr: weder offensiv besonders wirksam noch defensiv wirklich verlässlich. Perspektive: Ergänzungsspieler.
 
Niklas Stark
Deutete an, dass er richtig wichtig werden könnte. Designierter Sechser, oder in der Mitte einer Dreierkette.
 
Allan Souza
Das letzte Spiel gegen Leverkusen hat ihn schwer beschädigt, insgesamt bekam er nicht hinreichend Gelegenheit, zu zeigen, warum er hinreichend Gelegenheiten hätte bekommen sollen. Circulus vitiosus fussballprofiensis.
 
Mitchell Weiser
Hatte eine halb gebrauchte Saison, der kleine Fitness-Dissens mit dem Coach in der Vorbereitung war irgendwie zeichenhaft. Wenn er körperlich auf Topniveau ist, ist er zweifellos der beste Fußballer bei Hertha. Perspektive: mal sehen, ob er zu halten ist.
 
Alexander Esswein
Ein Spieler zum Haareraufen. Ein paar supercoole Szenen, aber insgesamt vor allem konfus, und in einigen wichtigen Szenen (notabene vor dem Ausgleich der Bayern) auch einfach nicht spielintelligent. Wirkte nie richtig eingebunden. Perspektive: unklar.
 
Vladimir Darida
Fiel die halbe Hinrunde aus, und war den Großteil der restlichen Saison außer Form (seine Standards sind da wie ein Barometer). Kam allerdings zum Ende hin allmählich wieder in Schwung, und ließ erkennen, dass er für eine besser integrierte Hertha wichtig bleiben könnte. Umschaltspieler. Perspektive: Stammspieler (auf der Acht?)
 
Genki Haraguchi
Ein Jahr der Stagnation, wenn mas es freundlich ausdrücken will.
 
Salomon Kalou
Auf seine alten Tage und in einer Mannsschaft, die ihm nicht immer genügend Möglichkeiten zum Zusammenspiel gab, war das eine sehr anständige Saison. Perspektive: Ehrenrunde in Europa.
 
Vedad Ibisevic
Super interessante Saison, häufig grenzwertig, seine Emotionen sind ein Problem, denn sie springen ja nicht auf die Mannschaft über, sondern lassen oft das Spiel zerfleddern. Hatte zum Ende der Saison hin offensichtlich auch Probleme, das Tempo (wenn Hertha dann mal eines vorlegte) mitzugehen. Wurde dann auch manchmal eigensinnig. Seine Bilanz aber ist imposant: fehlte nur zweimal (wegen Sperre, klaro), 18 Torbeteiligungen. Perspektive: Führungsspieler in Altersteilzeit.

Valentin Stocker
Findet und findet nicht so ins Spiel, dass man das Gefühl hätte, ihm wäre das Spiel einmal auf längere Zeit anzuvertrauen. Könnte damit auch Hertha-Symptom sein, muss es aber persönlich ausbaden.

Fabian Lustenberger
Der Reserve-Skjelbred. Gute Besserung!

Maximilian Mittelstädt
Das Spiel gegen Hoffenheim sollte man ihm nicht nachtragen. Nächste Saison kann er zeigen, ob er einen anderen Weg gehen kann als Fabian Holland. Andeutungen gab es dafür.

Ondrej Duda

Wir sind sehr gespannt.

Personalbedarf: einer, der Ibisevic entlastet (schon da, guter Coup!); ein spielstarker Sechser; einer, der Langkamp herausfordert, aber auch von Torunarigha den Druck nimmt; kein weiterer mittelmäßiger Flügelspieler (vielleicht aber noch ein sehr guter, wenn Esswein jemand nimmt)



Eingestellt von marxelinho am 03. Juni 2017.
0 Kommentare

Kommentieren


28. Mai 2017

Trophäe kommt von Trostpreis

Arsène Wenger sah super aus gestern, in seinem weißen Hemd und mit der Arsenal-Krawatte, und er hatte am Ende auch Grund zum Feiern: Arsenal gewann das FA Cup-Finale gegen Chelsea mit 2:1, und das auch noch vollkommen verdient. In der anschließenden Pressekonferenz verriet er, dass er die Medaille behalten hatte (er zog sie kurz aus der Hosentasche), daraus mag man nun etwas ableiten oder auch nicht. Auch sonst gab es bei den Jubelszenen im Wembley Stadion so die eine oder andere Deutungsmöglichkeit. Arsenal hat nun den Rekord bei den FA Cup-Trophäen, das bedeutet in England eine ganze Menge. Aber auf kurze Sicht gibt es erst einmal eine Menge Fragen.

Das Finale war spannend, und hatte auch Qualität, wobei doch erkennbar war, dass Chelsea nicht mehr die allerletzte Intensität aufbrachte. Für Arsenal hingegen ging es darum, eine historisch schlechte Saison zu retten (Platz 5 in der Premier League ist tatsächlich "unheard of"). Anders als im Semifinale gegen Manchester City, das noch ganz im Zeichen der Frühjahrskrise begann, und in dem Arsenal sehr defensiv anfing, war die Spielanlage dieses Mal offensiv.

Die Dreierkette, die taktische Revolution, mit der Wenger in den letzten Wochen der Saison noch einmal deutlich seine Lernbereitschaft gezeigt hatte (nicht seine größte Stärke sonst), hatte in Per Mertesacker einen zentralen Anker, neben ihm spielten Holding und Monreal, an den Längslinien bewältigen Bellerin und (ausnahmsweise links) Oxlade-Chamberlain das beträchtliche Pensum, das diese Formation von den Außenspielern verlangt. Sie gehören ja zu allen Linien der Mannschaft gleichzeitig.

Im Zentrum hatte Arsenal mit Ramsey (wieder in Form) und Xhaka (zunehmend ein Faktor) endlich eine Konstellation gefunden, mit der die Mannschaft wieder ein homogener Zusammenhang ("box to box") ist. Vorne passte Welbeck besser in die flüssige Spielanlage als Giroud, der aber nach seiner Einwechslung den Siegestreffer durch Ramsey vorbereitete. Sanchez und Özil spielten gut, mussten aber nicht allein die ganze Kreativarbeit leisten, sondern - das war ja immer ein Markenzeichen von Wenger-Mannschaften - alle zeigten sich einfallsreich und technisch beschlagen, und es gab auch viele Passoptionen, weil alle gut liefen.

Man könnte auch ganz einfach sagen: Arsenal spielte nicht mehr depressiv, und so reichte es schließlich ziemlich souverän für den dritten FA-Cup in vier Jahren. Eine "trophy", wenn auch natürlich eine Trostpreis-Trophäe.

Damit hat sich Arsène Wenger wohl eine Verlängerung seines Vertrags verdient. Und wie er sich bei Pressekonferenz präsentierte, könnte er vielleicht sogar seine härtesten Verächter (zu denen ich zähle) noch einmal überzeigen. Er gab auch die korrekten Stichwörter: "to lead the club further" und "competence". Das "further" lässt ja zwei Übersetzungen zu, er meinte es sicher in dem Sinn, dass er Arsenal voranbringen möchte, "further" kann aber auch heißen, das es (fürderin) einfach so weitergeht wie bisher.

Das würde bedeuten, dass Arsenal sich vielleicht auf den FA Cup spezialisiert, weil das der kürzeste Weg zu einer Silberware ist, während die wichtigeren Bewerbe außer Reichweite bleiben, weil gegen wirklich gute Gegner dann doch oft etwas fehlt: das, was man Wenger am meisten vorwirft, dass er keinen Unterschied zwischen Spielen macht, dass er die Mannschaft nicht genügend vorbereitet auf Herausforderungen.

Die Saison war konfus genug, dass vielleicht auch ein nahezu 70 Jahre alter Veteran, der sich auch noch gern auf seine alten Verdienste beruft, ein paar Verbesserungen vornimmt. Diese Woche fallen vermutlich schon die wesentlichen Entscheidungen. Wenger wird wohl verlängern, zugleich werden die Vertragsangebote für Sanchez und Özil auf den Tisch kommen, vielleicht gibt es auch noch einen markanten Zugang, um die Stimmung für die Sommerpause weiter zu heben.

Die Spieler sind wohl eher für einen Verbleib von Wenger. Gestern hat Aaron Ramsey sich so geäußert. Würden Özil und Sanchez bleiben, dann wäre tatsächlich der Kern für eine große Mannschaft weitgehend vorhanden. Dann müsste man nur noch die Kultur des "underachievements" irgendwie loswerden, die Arsène Wenger seit ungefähr 2008 hat einreißen lassen.

Im Übrigen hoffe ich nur, dass sich die Eigentumsverhältnisse bei Arsenal nicht dramatisch ändern. Ich wüsste nicht, wie ich damit umgehen würden, sollte Alisher Usmanow der Mehrheitseigner werden. Es wäre absolut unerträglich.


Eingestellt von marxelinho am 28. Mai 2017.
0 Kommentare

Kommentieren


23. Mai 2017

Magnaten und Granaten

Zwei "Big Fucking Germans" und ein schmächtiger Blonder aus dem Tal des Flusses Tame könnten am kommenden Samstag die Dreierkette des FC Arsenal im FA Cup-Finale gegen Manchester City bilden. Immer vorausgesetzt, Arsène Wenger bleibt bei seiner späten Entdeckung dieser taktischen Formation, dann könnten Rob Holding, Shkodran Mustafi und Per Mertesacker die defensive Kernarbeit übernehmen. Laurent Koscielny wird wegen einer Sperre nicht zur Verfügung stehen (er wurde am Sonntag beim 3:1 gegen Everton wegen einer groben Grätsche ausgeschlossen), Gabriel Paulista hat sich im selben Spiel verletzt.

Die gute Form auf der Zielgerade (sieben Siege aus acht Spielen seit der vorentscheidenden Niederlage gegen Crystal Palace) hat Arsenal nichts mehr genützt, denn die direkten Gegner haben am Sonntag ihre Aufgaben erledigt, sodass zum ersten Mal unter der gefühlt ewigen Herrschaft von Wenger die Qualifikation für die Champions League versäumt wurde. Arsenal spiel Europa League, wie hoffentlich auch Hertha. Ein direktes Duell wäre natürlich das Höchste für mich.

Welches Arsenal allerdings im Sommer dann die Tournee durch die kleineren Stadien antreten wird, das ist im Moment schwieriger abzusehen denn je. Die Entscheidung über (oder doch von?) Arsene Wenger ist nicht vor kommender Woche zu erwarten, dann beginnen auch die Verhandlungen über den Kader für die nächste Saison. Man geht wohl nicht fehl, wenn man die starke Ansage von Uli Hoeneß (das "Granaten"-Orakel) zum Beispiel auf Alexis Sanchez bezieht, der in London nur noch ein Jahr Vertrag hat.

Die sportliche Planung findet vor dem Hintergrund einer viel grundsätzlicheren Entscheidung statt: Wem soll der Arsenal FC überhaupt künftig gehören? Bisher ist die Eigentümerstruktur im Wesentlichen so: der amerikanische Magnat Stan Kroenke (mit seiner Beteiligungsfirma KSE UK) hält gut 67 Prozent der Anteile, während der russisch-usbekische Oligarch Alisher Usmanow bei 30 Prozent feststeckt - er würde aber sehr gern den ganzen Club übernehmen. Kroenke verkündet, er wolle langfristig investiert bleiben, also nicht verkaufen.

Für alle, die sich auch ein bisschen für die Herkunft von Reichtümern interessieren, ist eine aktuelle politische Auseinandersetzung in Russland von Interesse. Da hat Usmanov sich nämlich gerade wieder einmal positioniert, und zwar eindeutig auf der Seite der kleptokratischen Eliten, indem er für den Premierminister Medwedew Partei nahm. Der steht nach einem Video unter Druck, mit dem der Oppositionspolitiker Nawalny versucht hatte, ihm Besitztümer nachzuweisen, die er auf legitimem Wege nicht erworben haben könnte.

Anders als etwa Roman Abramowitsch, dem viel daran liegt, seinen nicht minder dubiosen Reichtum allmählich reinzuwaschen, steckt Usmanow tief in den Strukturen des postsowjetischen Staatsprivatismus (so nenne ich das mal, ein System der privaten - räuberischen, lateinisch: privare - Bereicherung durch Bewirtschaftung öffentlicher Ämter). Er verkörpert geradezu idealtypisch das Janusgesicht des osteuropäisch-zentralasiatischen Magnatentums, das im Westen gern wohltätig auftritt, in der Heimat aber Despoten unterhält.

Ironischerweise vertritt Usmanow für Arsenal eine Position der Vernunft. Wie er sich die "transition" vorstellt, das macht Sinn: "Es braucht eine gewisse Kontinuität. Ein Nachfolger für Arsène Wenger muss auf respektvolle Weise vorbereitet werden. Ich würde vorschlagen, dass Wenger selber einen Nachfolger aufbaut." Besser hätte man es nicht sagen können. Allerdings steht dem ein wichtiges Hindernis gegenüber: Arsène Wenger.

Seit das Arsenal-Board 2007 seinen Vertrauten David Dein vor die Tür gesetzt hat, ist Wenger mit seiner Machtfülle vollkommen allein. Und es deutet nichts darauf hin, dass er in der Lage oder willens wäre, irgendwie systemisch auf den schleichenden Niedergang bei Arsenal zu reagieren.

Usmanow biedert sich den Fans auch immer wieder damit an, dass er große Investititonen in den Kader verspricht für den Fall, dass man ihm den Club überließe. Dabei ist das Personal nicht das zentrale Problem. Arsenal hätte genügend Geld für kluge, strategische Verstärkungen, ohne deswegen in einen Wahnsinn wie Manchester United (Mourinho, Ibrahimovic, Pogba) zu verfallen. Das Problem ist nur, dass Wenger die Kaderplanung jedes Jahr nur halb erledigt hat. Er hat ja investiert, aber nie so, dass er dabei alle Probleme der Mannschaft im Zusammenhang gesehen hätte.

So hat er Özil zum Beispiel anfangs fast ein Jahr lang die zentrale Rolle verweigert, so hat er ewig keinen Sechser gekauft, bis er dann in dieser Saison Granit Xhaka holte, nur um ihn über mehrere Monate mit seinen Anpassungsschwierigkeiten vollkommen allein zu lassen. Lucas Perez ist ein interessanter Stürmertyp, aber er bekam gar keine Chance, weil Wenger sich dieses Jahr über viele Wochen hinweg einbildete, Sanchez müsste zentrale Spitze spielen.

Es gibt auf jeden Fall begründete Zweifel an den Fähigkeiten von Arsène Wenger, eine absolute Topmannschaft zu formen und zu führen. Für die erweiterte Spitze reicht es aber immer noch, und wenn man damit zufrieden ist unter den Verantwortlichen, dann sollte man seinen Vertrag verlängern. Wenn nicht, dann wäre vielleicht der Ratschlag von Usmanow zu beherzigen. Oder aber man macht einfach so weiter wie in den letzten paar Jahren. Irgendetwas wird auch so herauskommen, und Abstiegsgefahr droht allenfalls aus der erweiterten europäischen Elite.







Eingestellt von marxelinho am 23. Mai 2017.
0 Kommentare

Kommentieren


21. Mai 2017

Zwei linke Füße



Mir der zaghaftesten aller denkbaren Ehrenrunden hat Hertha BSC sich gestern von den Fans verabschiedet. Die Blamage gegen Leverkusen im letzten Heimspiel ist schwer zu verkraften, auch wenn man vielleicht in einer Woche schon sagen darf: Ziel erreicht. Dazu muss nur Dortmund das Pokalfinale gewinnen, dann wäre Hertha nach Platz 6 in der Endtabelle direkt für die Europa League (Gruppenphase) qualifiziert.

Aber was war das für ein Ausklang! Sechs Gegentore, fünf davon gründlich selbst verschuldet, eines packte der Schiedsrichter obendrauf, als er Torunarigha ein Foul an Bailey unterschob. Das erste fiel schon nach fünf Minuten, das letzte in der 90., durch einen Kopfballtreffer gegen eine zu diesem Zeitpunkt schon resignierte Formation.

Mit der Unverdrossenheit eines Fans, der in allem das Gute sucht, könnte ich behaupten: Das ist jetzt vielleicht gar nicht so schlecht, das war noch einmal ein Hinweis darauf, dass Hertha insgesamt keine sehr gute Saison gespielt hat, schon gar keine gute Rückrunde. Aber wieviel mehr hätten wir uns doch gewünscht, dass ein anständiges Finale gelingt - wir hätten uns auch so keine Illusionen über den Stand der Dinge gemacht.

Die hohe Niederlage hatte für meine Begriffe einen strukturellen Aspekt, und einen speziellen. Der strukturelle ist der wichtigere. Hertha hat gestern in der Mitte verloren, dort, wo schon die ganze Saison hindurch ein großes Manko zu erkennen war. Das defensive Mittelfeld war in der Hinrunde wenigstens noch defensiv halbwegs kompakt, zuletzt auch das nicht mehr. Konkret hatte der Coach am Samstag die Wahl zwischen Skjelbred und Allan. Stark sollte offensichtlich geschont werden, er ist derzeit der einzige plausible Spieler für die Sechserposition bei Hertha. Allan und Skjelbred durften sich beide versuchen, der junge Brasilianer hatte eine katastrophale erste Halbzeit, nach der Pause sorgte Skjelbred mit einigen Fehlpässen, davon den vorentscheidenden zum vierten Gegentor, für weitere Konfusion.

Der spezielle Aspekt an der Niederlage hatte mit dem Idealismus von Pal Dardai zu tun. Er wollte offensichtlich Torunarigha für seine gute Leistung gegen Darmstadt belohnen, behielt ihn im Team und stellte Brooks dafür auf die rechte Seite der Innenverteidigung. Damit hatte Hertha hinten zentral zwei linke Füße, die Abstimmung war nicht gut, beide hatten ungeschickte Momente. Brooks hatte mit einem Ballverlust vor dem dritten Gegentor vor der Pause den wahrscheinlich wichtigsten, er musste in der Kabine bleiben. Eine harte Sanktion, mit der der Trainer im Grunde auch die eigene taktische Maßnahme abstrafte.

Hertha hatte durchaus Chancen, das Offensivspiel war nicht uninteressant, es gab sogar ein paar wirklich flüssige Bewegungen. Aber Leverkusen war individuell wie taktisch (Havertz!) deutlich besser. Man konnte deutlich sehen, dass Hertha für das kommende Jahr maximal eine halbe Stammformation hat, mit anderen Worten: es fehlt an allen Ecken und Ende (etwas).

An einem denkwürdigen Tag für die Liga (mit Massenszenen in Köln und in Hamburg) hat Hertha auch über das Spiel hinaus gezeigt, dass der Weg (wenn es denn einen gibt) noch weit ist. Trotz guter äußerer Bedingungen kamen nur 55.000 Zuschauer. Man hat fast den Eindruck, dass in den Zweitligajahren mehr Zuspruch da war, damals stiegen die Mitgliederzahlen, und zum Finale hin kamen die Leute in Scharen. Man könnte meinen, dass "der Berliner" lieber einen kleinen Titel feiert, als die Zulassung zum schnöden Europapokal (die, die sich erinnern können, denken dabei vielleicht noch an torlose Frostspiele gegen einen RC Lens oder so).

Hertha hat keinen Hype entfacht, und selbst bei einem Sieg gestern und bei Platz 5 wäre die Stadt nicht in Begeisterung ausgebrochen. Das ist natürlich prinzipiell ein gutes Zeichen, denn eine Weltstadt hat mehr zu tun als einen Sportclub aus den westlichen Bezirken für seine wankelmütigen Bemühungen zu feiern. Aber ein bisschen war es schon verwunderlich, wie lakonisch das gestern alles abging - es passte aber zur Saison. Hertha hat etwas erreicht, aber selten begeistert.

Das hat viele Gründe, über die wir nun in aller Ruhe nachdenken können, während viele Spieler zu allen möglichen Turnieren reisen und andere in den Urlaub. Bei der Mitgliederversammlung in einer Woche werden wir dann schon wissen, wie der Terminkalender im Sommer aussehen wird.


Eingestellt von marxelinho am 21. Mai 2017.
0 Kommentare

Kommentieren


20. Mai 2017

Jedem Endspiel wohnt ein Anfang inne

Einen kleinen Wunsch hätte ich jetzt noch, liebe Bundesligasaison. Hertha BSC soll mit einer positiven Tordifferenz abschließen. Das geht nur dann, wenn das Spiel gegen Bayer 04 mit einem Sieg endet. Runde 34, Heimspiel gegen die zweitschlechteste Mannschaft der Rückrunde. Gute Chancen auf Europa. Das wäre doch mal was, wenn Hertha da was daraus machen würde.

In die Vorfreude mischt sich eine Skepsis, die ich fast als genetisch empfinde, die ich aber bei genauerem Hinsehen gar nicht mehr so leicht wiederfinde. Sie hat mit zwei markanten Saisonfinals zu tun, mehr waren es gar nicht, aber es waren zwei richtungsweisende, jedes Mal hat Hertha am Ende versagt.

An das Heimspiel gegen Hannover 2005 erinnere ich mich fast noch körperlich. Dass es so lange her ist, hat mich jetzt aber doch erschreckt. Ein dutzend Jahre. Erforderlich waren drei Punkte, es wurde ein bleiernes Nullnull.

Die Ereignisse von 2009 gehören auch schon deutlich stärker der Vergangenheit als der erweiterten Gegenwart an. Das 0:4 in Karlsruhe wirkt aber vor allem wie ein Moment aus einer ganz anderen Liga, und das war die Bundesliga damals wohl auch noch.

Heute trifft Hertha auf eine Mannschaft, die allgemein und von den finanziellen Voraussetzungen her eigentlich eher um Platz 5 spielen sollte. Aber Bayer 04 hatte eine Saison zum Vergessen, Hertha könnte sie sogar noch geradezu memorabel vergessenswert machen.

Dass Mitchell Weiser wieder zur Verfügung steht, lässt ein ähnliches System wie gegen Darmstadt erwarten. Also vermutlich mit Darida einen Posten weiter hinten, zuletzt hat er ja gezeigt, dass er mit dem mittleren Drittel des Felds etwas anfangen kann.

Vielleicht überrascht der Trainer aber auch mit Weiser auf der 10, und lässt Kalou über den Flügel kommen - dagegen spricht, dass Leverkusen mit Brandt einen Winger hat, der intensiver Betreuung bedarf, da braucht Pekarik wohl einen starken Partner. Das könnte aber auch Haraguchi sein, von dem man ohnehin überlegen könnte, ob er nicht allmählich als Außendecker besser zu gebrauchen wäre.

Bei Hertha gegen Leverkusen stellt sich die Frage, wer das Spiel machen muss, eher nicht. Wir können ein offenes Spiel erwarten, das hat Hertha (vor allem gegen den BVB) jeweils gut zu nützen gewusst. Die Mannschaft kann heute auch noch einmal eine Teilantwort auf das Mentalitätsrätsel geben, das sie vielfach in dieser Saison gestellt hat: oft hat sie einfach sehr desinteressiert gewirkt (war sicher ein Missverständnis, aber auch als solches bedarf es der Aufklärung).

Platz 5 ist sogar mit einer Niederlage möglich, aber es wäre nicht das richtige Signal. In einer Saison, in der wenige Mannschaften das Interesse an einer Europacup-Teilnahme auch positiv unterstreichen wollten, soll Hertha sich nicht in den Bewerb schubsen lassen wollen. Ein Sieg gegen Leverkusen (oder jedenfalls eine Leistung, die Ambition auf einen solchen erkennen lässt) würde die ablaufende schon mit der kommenden verknüpfen.

Der Sommer wird richtungsweisend. Das Vereinsjubiläum, die Stadiondebatte, die Angebote, die es vermutlich für den einen oder anderen Spieler geben wird, dazu ein nach wie vor überschaubares Investitionsbudget. Das alles kann Hertha heute schon in ein bestimmtes Licht setzen. In ein positives. Mit einem überzeugenden Saisonfinale. Dann könnte man sogar sagen, dass Hertha auch Rückrunde kann (so halbwegs jedenfalls), und dass Pal Dardai mit seinem Team die zweite komplette Spielzeit gut genützt hat, obwohl sie im Detail fast schwieriger war als die vorangegangene.

Genug der Eventualitäten. In sechs Stunden beginnt ein Endspiel, das keines ist. Es ist nur das letzte Spiel einer Saison. Es ist Teil einer Addition. Und doch ist es mehr. Hoffen wir, dass sich die Mannschaft davon positiv inspirieren lässt.




Eingestellt von marxelinho am 20. Mai 2017.
0 Kommentare

Kommentieren


19. Mai 2017

Platz da

Von Zeit zu Zeit ergibt es sich, dass eine Person des öffentlichen Interesses das Olympiastadion beehrt (vergleiche zum Beispiel dieses Weltereignis aus dem Jahr 2012). Hier haben wir es mit dem schwedischen Filmemacher Ruben Östlund (Foto: Verleih) zu tun, der im vergangenen Jahr unter anderem in Berlin seinen neuen Film gedreht hat. An diesem Wochenende hat The Square (Der Platz) nun in Cannes Premiere. Da wollen wir gern das C in Ha Ho He Hertha BSC einmal kurz für cinéma stehen lassen!


Eingestellt von marxelinho am 19. Mai 2017.
0 Kommentare

Kommentieren


14. Mai 2017

(Berliner) Luft Jordan

Große Veränderungen hatte Pal Dardai für das letzte Auswärtsspiel dieser Saison angekündigt. Der Auftritt gegen den Absteiger Darmstadt bot die Möglichkeit, eine bedenkliche Auswärtsbilanz (neun Niederlagen en suite) zu beenden. Zugleich ging es um die Ausgangsposition für den letzten Spieltag, den Hertha in Berlin bestreiten kann. Nach dem 2:0 gegen Darmstadt besteht nun die Möglichkeit auf einen sehr guten Saisonabschluss.

Interessanterweise hat Hertha in den beiden Erstligajahren, die die Lilien absolviert haben, jeweils am vorletzten Spieltag gegen sie gespielt. Und im Vorjahr gab es eine Runde vor Schluss bekanntlich daheim diese Niederlage, die so deutlich gemacht hat, wie sehr Hertha damals am Zahnfleisch ging.

Dieses Mal war alles anders, wobei man das mit den großen Veränderungen nicht übertreiben muss: es war ja schon die ganze Zeit so, dass man das Gefühl haben konnte, dass es eigentlich nur kleiner, aber relevanter Veränderungen bedarf, um die Mannschaft aus der Lethargie zu holen.

Systemisch war die wichtigste Veränderung eine Doppelspitze, mit Kalou neben Ibisevic, was auch mit der Verletzung von Skjelbred zu tun gehabt haben mag. Darida rückte dadurch ein wenig nach hinten, an die Seite von Allan.

Noch weiter hinten spielte Torunarigha neben Stark in der Innenverteidigung. Sehr schnell haben wir uns an ihn gewöhnt, er könnte der nächste Brooks werden.

Die entscheidende Szene des Spiels muss man gar nicht groß auseinandernehmen, sie ließ jedenfalls fast alles erkennen, woran es Hertha dieses Jahr so oft mangelte, und was möglich ist, wenn man etwas erreichen will. Darida kam halbrechts an den Ball. In vergleichbaren Situationen hat Hertha in diesem Jahr in 90 bis 95 Prozent der Fälle erst mal nach hinten abgelegt, in diesem Fall also zu Pekarik.

Doch dieses Mal löste Darida die Situation anders, er entledigte sich des Gegenspielers durch ein rasches, offensives Manöver, das ihn auch in Windeseile in eine Position brachte, die er zu einer tollen Flanke nützte. Kalou profitierte von der Doppelspitze und traf per Kopf. Das wäre alles nie passiert, wenn Darida im gewohnten Trott gespielt hätte. Man muss es wirklich so hart sagen: Hertha hat einen nicht geringen Teil der Saison mit langweiligem Sicherheitsfußball bestritten. Immerhin brach Darida diesen Bann in einem wichtigen Moment.

Den zweiten Treffer steuerte Torunarigha nach einem Freistoß von Plattenhardt bei. Diese Standards haben Qualität, das ist bekannt, man kann nur hoffen, dass der beste Leftback, den Hertha seit der neuen Zeitrechnung (ich meine den Aufstieg 1997) hatte, in Berlin bleibt.

Darmstadt hatte durchaus Möglichkeiten, aber der Sieg ging schon in Ordnung so. Manchmal macht ein einziges Manöver alles klar. Das war in diesem Fall der Offensivdrang von Vladi Darida, der die Gelegenheit zu einer Beschleunigung begriff und ergriff.

Pal Dardai hat danach ungewöhnlich offen über den Auftrag an die Mannschaft gesprochen. De facto war die Taktik nicht besonders raffiniert, er wollte ja nicht viel mehr als die Kräfte schonen, die viele Mannschaften in ein deutlich höheres Ablaufen investieren, um dann in günstigen Momenten schnell zu agieren. Dafür braucht es Spieler, die Verantwortung übernehmen, die sich was trauen, die auch etwas Überraschendes tun. All das war bei Hertha in diesem Jahr meist Mangelware, auch gegen Darmstadt gab es davon kein Überangebot, aber es hat gereicht. Darida hat mit seiner individuellen Umschaltbewegung gezeigt, wo es hin gehen sollte.

Hier noch das Interview mit "Air Jordan" (der Witz liegt nahe) - ganz hinten hängt dann noch eines mit dem Propheten Mitch-Elijah, bei dem man fast den Eindruck gewinnen könnte, dass der Hoffnungsträger mit dem Kopf schon ganz wo anders ist. Wollen wir mal nicht überinterpretieren!






Eingestellt von marxelinho am 14. Mai 2017.
0 Kommentare

Kommentieren