27. August 2017

Das schärfere Auge ist immer das geistige

Der Samstag gestern hätte eigentlich nur noch in einer Hinsicht besser sein können: wenn die erste Mannschaft von Hertha auch ein Heimspiel gehabt hätte, dann hätte ich den ganzen Nachmittag mit Live-Fußball zubringen können. Denn am Nachmittag war ich schon im Stadion Lichterfelde. Über die deutliche Niederlage der U 23, vor allem aber über das unvermutete Wiedersehen mit Abou-Bakarr Kargbo schreibe ich nach dem Wochenende noch was auf. Danach wäre es natürlich besser gewesen, ins Oly zu fahren als nach Hause.

Aber auch in der Fernsehübertragung war das Spiel gegen den BVB höchst interessant und aufschlussreich. An der Niederlage gab es nichts zu rütteln, aber "mäßig" (wie die SZ schreibt) fand ich Hertha eigentlich nicht. Dortmund spielt unter Bosz einen beeindruckenden Fußball. In der ersten Halbzeit hat - neben Sahin - vor allem der sehr junge Linksverteidiger Zagadou einen Unterschied ausgemacht. Er hat im Grunde im Alleingang eine Seite von Hertha lahmgelegt, und auch noch das Führungstor vorbereitet.

Bei Hertha konnte man die leichte Anpassung der Formation erwarten, die darin bestand, dass Stark neben Skjelbred auflief, und Darida eine Position nach vorn rückte. Ein kleines Detail am Rande darf man in der Tatsache sehen, dass Stocker im Kader war, und nicht Duda - das deutet darauf hin, dass die Betreuer aktive Kaderpflege betreiben, und niemand auf das Abstellgleis schieben.

Von Darida hing gestern viel ab, an ihm lag es schließlich auch, dass es mit der Entlastung nicht so richtig klappte. Hertha brachte nicht viel mehr zuwege, als das Spiel doch über weite Strecken ganz gut zu entschärfen - das bringt aber natürlich nichts, wenn der Gegner dann doch zweimal zuschlagen kann. Es war eigentlich von Beginn an ein Spiel, das man mit einem geistigen Auge zu betrachten hatte: mit einem Auge, das in den aktuellen Bewegungen schon denkbare künftige erkennen wollte.

Da fiel vor allem auf, dass in Ansätzen doch deutlich Spielzüge erkennbar sind, die gegen gleichwertigere Gegner (der BVB sieht zumindest in der frühen Phase der Saison durchaus nach Titelkandidatur aus) interessanter werden könnten. Die neuralgische Zone bleibt, trotz der Verpflichtung von Leckie, das Flügelspiel - da musste man wirklich schon großzügig und mit der Fanlupe hinschauen, um auch da Ansätze zu erkennen. Zudem war der nach rechts beorderte Kalou nach einer Weile mehr oder weniger auf die Aufgabe reduziert, Zagadou mannzudecken.

Nach einer Stunde mussten die beiden Talismänner vom Platz. Das war doch ein deutliches Eingeständnis, dass mit Ibisevic und Kalou - vor allem gegen Topgegner - nur noch in Altersteilzeit zu rechnen ist. Ich verstehe das Kalkül, das sich mit Esswein im Sturmzentrum bei einem hoch stehenden Gegner verbindet, meine aber, dass der Spieler nicht wirklich das Zeug hat, es einzulösen. Die Betreuer setzten mit ihrer Einwechslung einseitig auf Geschwindigkeit, aber weder Haraguchi noch Esswein haben die Ruhe am Ball, aus der erst eine Beschleunigung der ganzen Mannschaft erwachsen kann. Wenn Stocker schon im Kader war, wäre das gestern eventuell eine Gelegenheit für ihn gewesen.

Der BVB hat wohl in diesem Sommer einen größeren Schritt gemacht als Hertha. Das macht aber nichts, denn wir brauchen Dortmund, wenn wir auf die gesamte Liga schauen. Und Hertha geht ohnehin einen eigenen Weg, und der muß sicher darin liegen, in diesem Jahr eher gegen die benachbarten Teams zu bestehen (also fast alle), als gegen die Top Zwei. Im Vorjahr sah Hertha gegen Bayern daheim und den BVB nicht schlecht aus, oft aber gegen die direkte Konkurrenz.

Das geistige Auge sah natürlich auch künftige Konstellationen, in denen Darida wieder auf der Acht (neben Stark) besser aufgehoben wäre, weil ein bisschen weiter vorn Selke oder Lazaro (oder doch irgendwann Duda) für eine konzentriertere Ballverteilung vor dem letzten Drittel sorgen könnte. Der Kader gibt auf jeden Fall etwas her, und man sieht, dass im Sommer gearbeitet wurde. Man sieht auch, dass die Mannschaft insgesamt sehr gut integriert wirkt - also alle Positionen ansprechend besetzt sind, während allerdings andererseits auch kaum jemand durch Brillanz herausragt.

Der Saisonauftakt passt soweit, in zwei Wochen beginnt Hertha nicht ganz bei null (Tordifferenz) von vorn.


Eingestellt von marxelinho am 27. August 2017.
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26. August 2017

Fernweh kann auch nah gestillt werden

Die Auslosung für die Gruppenphase der Europa League gestern Mittag war einer der besten Momente meines Lebens als Hertha-Fan. Und das Ergebnis finde ich richtig gut: mit Athletic Bilbao gibt es eine europäische Topmannschaft als echten Gradmesser, mit Östersunds FK ein mögliches, sehr interessantes Reiseziel (wenn das Heimspiel denn tatsächlich in der Jämtkraft Arena stattfinden sollte), und mit Luhansk hat es für mich sowieso eine besondere Bewandtnis, weil ich das Geschehen in der Ukraine seit einigen Jahren sehr intensiv verfolge - begonnen hat dieses Interesse auf einer Fußballreise im Jahr 2012.

Auch das ist ja einer der Aspekte des Lebens als Fan: die Verbindung von zyklischen Momenten (jedes Jahr Liga, hoffentlich erste) mit besonderen Ereignissen (diesen Herbst sechs europäische Spiele, im nächsten Jahr vielleicht sogar noch mehr) macht uns unsere eigenen Veränderungen sehr intensiv bewusst. Als Hertha zuletzt europäisch spielte, da wusste ich vom östlichen Europa noch ganz wenig, obwohl der Fall des Eisernen Vorhangs mit einer spontanen Reise nach Prag in den ersten Tagen des Jahres 1990 ein prägendes Erlebnis gewesen war.

2008 musste Hertha für die Qualifikation zum Europacup nach Moldawien. Damals recherchierte ich immerhin schon einmal Varianten, wie ich nach Otaci kommen könnte, was dann aber ohnehin hinfällig war, weil das Spiel gegen Nistru Otaci in der Hauptstadt Chisinau stattfand. Den restlichen Bewerb dieses Jahres habe ich nicht mehr so präsent, damals gab es auch einen merkwürdigen Modus, der zur Folge hatte, dass Hertha anscheinend einmal in Kharkov spielte, zu dieser Begegnung gab es aber kein Retourmatch in Berlin.

Ein Jahr später war ich dann im Dezember zwei Tage in Lettland, stattete der Kleinstadt Ventspils einen Besuch ab und sah tags darauf in Riga das dazugehörige Spiel, das in die Hauptstadt verlegt worden war. Es war ein denkwürdiges Erlebnis, seither zieht es mich aus Gründen, die ich vermutlich nur in einer Psychoanalyse wirklich herausfinden würde, eher in den Osten als in die klassischen europäischen Fußballländer.

Mit diesem Umstand hat auch zu tun, dass ich die Europa League eigentlich mehr mag als die Champions League, auch wenn dieser andere Bewerb natürlich das Ziel sein muss. Die Auslosung von 12 Vierergruppen war gestern ein geographisches Memoryspiel der ganz eigenen Art, das die Phantasie auf wunderbare Weise angeregt hat. Und so sehr ich mir wünsche, dass Hertha vielleicht eines Tages eine halbwegs seriöse Opposition für Real Madrid oder den FC Barcelona (oder vielleicht sogar den FC Arsenal, wenn der seinen Niedergang irgendwann aufhalten kann) sein möge - die vielfältige Welt, die sich für uns nun einen Herbst lang mit den Städtenamen Bilbao, Östersund und Luhansk verbindet, ist doch die wichtigere.

Weil ich gerade so Fernweh habe, werde ich heute Hertha gleich zweimal zuschauen, und am frühen Nachmittag nach Lichterfelde zu Viktoria 1889 fahren, auch das eine Auswärtsfahrt, mit der U23, die in diesem Jahr deutlich "näher dran" ist an der ersten Mannschaft als zuletzt meistens. Abends dann der Auftritt beim BVB im Fernsehen. Morgen noch Arsenal beim Liverpool FC.



Eingestellt von marxelinho am 26. August 2017.
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20. August 2017

Generation Praktikum

Von Begeisterung über den Ligastart war nicht sonderlich viel zu spüren gestern Nachmittag, an einem wunderbaren Sommertag, an dem Berlin kaum Notiz zu nehmen schien von der Veranstaltung im Olympiastadion. 45000 Zuschauer kamen, um Hertha gegen den VfB Stuttgart zu sehen, das sind gerade mal so die Unentwegten. Der Ligaalltag hat uns wieder, und er zeigte sich dann auch so richtig in seiner Alltäglichkeit.

Zu dieser Alltäglichkeit zählt bei Hertha auch eine Selbstironie, der man den Schweiß der Praktikanten in der zuständigen PR-Agentur regelmäßig ansieht. In diesem Fall kursierte ein Witz über die mögliche Tabellenführung, der ungefähr das Niveau des Humors hat, mit dem man sich auf den Rängen ein wenig Luft verschafft, wenn das Spiel fad ist.

Hertha gewann dann mit einem soliden Arbeitssieg gegen einen dürftigen Gegner mit 2:0, steht also zumindest bis Sonntag auf einem Europacup-Platz (zwinker zwinker). Dem Coach war die Leistung sichtlich zu viel Routine. Er machte in den Interviews noch ein Fass auf, weil das Spiel ausgerechnet nach der Führung ein wenig spannender wurde. Stuttgart kam in der zweiten Halbzeit zu Chancen, aber so richtig gefährdet wirkte der Sieg nie. Inspirierend war er allerdings auch nicht.

Zum Glück gab es die Geschichte mit Matthew Leckie, dem australischen Neuzugang aus Ingolstadt, für den Hertha immerhin drei Millionen ausgegeben hat, eine halbe mehr als vor einem Jahr für Alex Esswein, der nun ins Sturmzentrum beordert wurde. Mit Leckie soll der schnelle Chaot Esswein durch einen besser integrierten Feger ersetzt werden. Eine Halbzeit lang sah das wenig vielversprechend aus, weil Leckie sichtlich Mühe hatte, gegen eng deckende Stuttgarter den Ball auf seinen rechten Fuß zu bekommen, mit dem er Tempo aufnehmen wollte.

Gleich nach der Pause aber legte ihm der Kapitän den Ball mit einem sehr schönen Lupfer perfekt in die Bahn. Die Sache wäre aber ergebnislos geblieben, hätte Leckie nicht den Trademark Move von Mitch Weiser zur Anwendung gebracht (Haken nach innen, Verteidiger wird Opfer der Fliehkraft), und dann mit links abgeschlossen. Von Esswein haben wir vergangenes Jahr auch ein paar solcher cooler Momente gesehen. Bei Leckie wird sich weisen, ob er auf Sicht insgesamt produktiver am Spiel teilnehmen kann (sonst droht, wie bei Esswein, das Ellery-Cairo-Syndrom).

Hertha hat das Spiel in einer ähnlichen Weise gewonnen wie schon ein paar Tage davor das Cupspiel in Rostock, das ich leider nur mit einem ruckelnden Stream mit schlechtem WLan in einem Hotel in Sarajevo sehen konnte: auch dort war die Sache insgesamt relativ klar, ohne dass groß Fantasie aufkam.

Dass der Coach beim Stand von 2:0 (Leckie war der Ball nach einem Eckball noch einmal glücklich vor die Füße gesprungen, manchmal ist Fußball auch eine Sache des Horoskops oder des Hokuspokuskops) Niklas Stark und nicht Ondrej Duda brachte (beide brauchen Spielpraxis, stehen aber für unterschiedliche Spielpraxen), war schon wieder so eine Andeutung von Pragmatismus, mit der Pal Dardai Mühe haben wird, das 46. Tausend zu finden.

Die Bundesliga ist sicher nicht die beste Liga der Welt, aber sie tut manchmal so, als wäre sie die anständigste. Das ist aber erstens ein Trugschluss, und bedeutet zweitens kein Recht auf Langeweile. Der erste Spieltag 2017/18 enthielt aber schon wieder die eine oder andere Andeutung (HSV - Augsburg, Mainz - Hannover, Berlin - Stuttgart), dass eine flache Hierarchie auch zu einer Nivellierung nach unten führen kann. Hertha sehe ich in diesem Jahr stärker in der Verantwortung dafür, auch ein wenig Inspiration in den Bewerb zu bringen.

Daß die Fans landesweit den DFB dafür auspfiffen, dass die DFL die Kommerzialisierung der Liga vorantreibt, ist ein sekundäres Missverständnis, das vor allem zeigt, dass der Fußball in Deutschland derzeit in einer großen Modernisierungskonfusion begriffen ist: Ultras suchen nach einem harten Kern für etwas, was immer schon Spielball der Weltverhältnisse war, und die Weltverhältnisse suchen nach Bemäntelung für eine brutale Ausbeutung, die sich gerade epochal durchsetzt. Das ist in etwa die Spannweite, vor deren Hintergrund eine Begegnung zwischen Hertha BSC (herausgehauen durch den internationalen Finanzkapitalismus) und dem VfB Stuttgart (gerade noch mal eben so aus den Niederungen des Vereinslebens herausgehauen durch einen Teil der Deutschland AG) dann doch vor allem ein triviales Fußballspiel blieb, in dem sich nicht viel zeigte.

Außer, dass es eben doch auf jeden Lupfer, jeden Haken, jeden guten Move ankommt. Hertha hatte davon keineswegs zuviel im Angebot, aber wir wissen natürlich auch: Kunst kommt von Arbeit. Und für die Arbeit gibt es ab jetzt wieder Punkte, für die Kunst aber gibt es viel mehr, nämlich Begeisterung und Glück.


Eingestellt von marxelinho am 20. August 2017.
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Jörg
meint um 20. August 2017 18:39:26

Mich hat es ein wenig glücklich gemacht zu sehen, wie Leckie in der ersten Halbzeit das erste Mal den linken Außenverteidiger Ailton überlief. Ich hatte das Gefühl, dass damit ein komplexer Plan aufging, der eine lange Vorlaufzeit hatte. Hertha hat jetzt die Möglichkeiten, wirklich das ganze Feld zu beackern, und das in einer Schnelligkeit, die dem Wettbewerb angemessen ist. Dardais Drei-Jahres-Story wurde für mich mit dieser Aktion realisiert. Für ein einziges Spiel zumindest ...

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07. August 2017

Der Himmel über Kapfenberg

Die kleine Stadtgemeinde Schladming in der Steiermark (oder, wie fiese Österreicher gern sagen, in der Sankt Eiermark) liegt gar nicht so weit entfernt von dem Ort in Öberösterreich, aus dem ich komme. Man muss nur einmal über den Pyhrnpass (oder unten durch den Bosrucktunnel) und dann ein wenig in westlicher Richtung durch das Ennstal - schon ist man in Schladming. Als gebürtiger Österreicher denke ich dabei in erster Linie an Wintersport, nun denke ich natürlich an Hertha BSC.



Am Samstag habe ich in Windischgarsten, wo die TSG 1899 Hoffenheim diesen Sommer trainiert hat, einen Zug nach Bruckmur bestiegen (Bruck an der Mur, Bahnknotenpunkt in der Mur-Mürz-Furche, einer seinerzeit bedeutenden österreichischen Industrieregion). Von dort nahm ich ein Taxi nach Kapfenberg, wo um 18 Uhr im Franz-Fekete-Stadion ein Freundschaftsspiel zwischen Hertha BSC und Galatasaray Istanbul angesetzt war.

Bei dem Stichwort Kapfenberg denkt in Österreich jeder sofort an einen berühmten Satz von Helmut Qualtingers Kunstfigur Travnicek, der außerhalb der engeren Heimat nichts gelten lassen mag, und der sich deswegen auch geringschätzig über die spanischen Stierkämpfe äußert. Er hat von Spektakel ganz andere Vorstellungen. "Simmering-Kapfenberg, das nenn i Brutalität."

Eine Begegnung zwischen Simmering und Kapfenberg ist derzeit im regulären Spielbetrieb nicht möglich, denn der KSV 1919 (Kapfenberger Sportverein) spielt in Österreich immerhin Erste Liga (d.h. zweite Liga), während der 1. Simmeringer SC in der zweiten Wiener Landesliga herumgrundelt, wie man in Österreich sagt. Bemerkenswert ist für einen Herthaner das Gründungsjahr des Vereins aus Simmering: 1892!

Das Heimstadion des KSV 1919, benannt nach einem sozialdemokratischen Langzeitbürgermeister mit ungarischer Verwandtschaft, war also am Samstagabend Austragungsort des letzten Testspiels von Hertha BSC in diesem Sommer. Die Fans des türkischen Spitzenclubs saßen auf der Haupttribüne, die zahlenmäßig deutlich unterlegenen Fans von Hertha auf der Murauer Tribüne. Wir hatten eindeutig den besseren Blick, denn neben dem Spiel gab es auch die ganze Zeit beeindruckende Himmelserscheinungen. Das Gewitter blieb aber in der Ferne, es zeigte sich nur in immer neuen Wolkenformationen.



Hertha gewann das Spiel nicht unverdient mit 2:1, wobei die Formation in vielerlei Hinsicht (Pekarik/Weiser, Skjelbred/Darida, Ibisevic/Esswein/Duda) noch nicht wie der Weisheit letzter Schluss aussah. Deutlich erkennbar war jedenfalls, dass die Systemalternative zwischen Dreier- bis Fünferkette sich in diesem Jahr vermutlich für die meisten Teams erledigen wird - sie werden, wie Hertha das auch angedeutet hat, alle diese Möglichkeiten situationsbedingt in einem Spiel verwenden.

Das wird zum Beispiel Salomon Kalou zugutekommen, der bei Spieleröffnung Hertha ein Stück nach innen geht, weil Plattenhardt dann im Grunde an der Mittellinie steht. Skjelbred (später hoffentlich bald Stark) lässt sich auf die  Beckenbauerposition fallen. Insgesamt war ein Bemühen um ein schnelleres, trickreicheres Spiel zu erkennen. Vor allem in Halbzeit zwei gab es aber auch zahlreiche Chancen für Galatasary.

Die Fahrt nach Kapfenberg habe ich als Vorgeschmack auf dieses Jahr genommen. Denn in der Europa League könnte es ja durchaus ein paar eher entlegene Reiseziele geben. Dafür muss ich dann vielleicht doch irgendwann eine etwas bessere Kamera kaufen, denn mit meinem 100-Euro-Touristenapparat komme ich nicht weit. Immerhin aber habe ich dieses Mal von beiden Toren entscheidende Momente eingefangen: den Kopfball von Rekik, und den schnell ausgeführten Freistoß, mit dem Mitchell Weiser den Siegestreffer vorbereitete.






Aus dem vielversprechenden Anlass habe ich auch eine Tradition wieder aufgenommen, die ich längere Zeit vernachlässigt habe: das Selbstporträt "auf fremden Pfaden". Marxelinho war im Franz-Fekete-Stadion. Es war super.



Eingestellt von marxelinho am 07. August 2017.
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30. Juli 2017

Alleingehungsmerkmale

Das Freundschaftsspiel gegen den Liverpool FC am Samstagnachmittag war nicht in allen Belangen eine würdige Veranstaltung. Aus befreundeten Fankreisen (ich bin ja Einzelgänger) hatte ich schon mitgekriegt, dass die Ostkurve sich nicht einbringen wollte - als man ihr dann allerdings Frank Zander mit Kindergitarre vor die Nase stellte, gab es doch noch ein halbherziges "Nur nach Hause".

Woran sich die wahren Fans genau stoßen, weiß ich nicht, vermutlich hat es mit dem Umstand zu tun, dass zu so einem Jubiläum mit einem globalen Topclub halt andere Leute kommen als die, die demnächst am Samstagnachmittag gegen den VfB Stuttgart regulär zur Arbeit gehen. Als Event war das Spiel dann aber gar nicht zu werten, es gab halt längere Schlangen vor den Bratwürsten, und mehr Selfies mit Hertinho, und Jürgen Klopp war im Stadion. That's it.

Fußball wurde dann auch gespielt, und zwar relativ seriös. Für mich war es das erste Spiel in dieser Saison, der erste Kontakt mit der Mannschaft, die dann doch an entscheidenden Teilen die alte geblieben war. Skjelbred auf der 6, der Vedator vorn im Zentrum, Jarstein wieder im Tor. Lustenberger auf der Position, die Langkamp verteidigen wollen wird.

Duda konnte sich auf der 10 zeigen, Leckie zum ersten Mal vor großem Publikum als neuer Haraguchi, und Karim Rekik sollte andeuten, warum er nur ein Viertel so teuer wie John Brooks ist, dabei aber möglicherweise mehr wert. Um es kurz zu sagen: Hertha war in allen Belangen unterlegen, außer in vielen Details, die aber nie die entscheidenden waren.

Liverpool musste sich nicht groß anstrengen, es reichten ein paar raffierte Pässe, der Rest war elastische Kompaktheit. Lustenberger und Rekik sahen jeweils bei einem Gegentreffer individuell schlecht aus, der Niederländer hatte aber auch gute Szenen in der Ballbehauptung und im Tackling. Auch Duda und Leckie hatten so kleine Momenten, die auf mehr hoffen lassen.

Die Problemzonen sind sowieso bekannt. Auch und gerade wenn Darida einen Siebener spielt, also einen defensiv weitgehend gebundenen Achter, wird Hertha einen spielintelligenten Sechser brauchen, der mehr ist als nur Abräumer. Ich bin sehr gespannt, was sich da noch tut - einige Freunde waren ja von der Idee ganz angetan, dass der profilierteste Hair Experimenter im Team, Valentin Stocker, dort eine neue Bestimmung finden könnte.

Die letzte halbe Stunde, in der die Jugend forschte, war gar nicht schlecht, wobei Liverpool da wie ein höflicher Gast nicht mehr darauf bestand, noch einen Streit anzuzetteln.

Hertha und Liverpool bleiben auch in Hinkunft durch dieses Datum 1892 miteinander verbunden. Es ist allerdings eine Verbindung, die immer wieder bestätigt werden muss. Die Spannung zwischen authentischer Fußballkultur und globaler Strahlkraft wird hoffentlich ein Thema bleiben, solange Hertha sich überhaupt auf einem Weg befindet, der Vergleiche mit Liverpool und Hoffnungen auf weltweite Wahrnehmung erlaubt. Auch nur Vergleiche, um zu lernen. Einen Ort wie Anfield schafft man nicht in ein paar Jahren, und sicher nicht mit Frank Zander, aber auch nicht mit den Selfiefans.

Hertha kann sicher noch ein Weilchen ironisch mit den Traditionsdefiziten und mit dem Antiglamour umgehen, der die Marke umgibt. Irgendwann wird sich auch da eine Richtung abzeichnen. Wobei ich mir gestern doch wieder einmal innerlich sehr laut dachte: Müssen wir wirklich bis in alle Ewigkeit an einer Hymne festhalten, die aus mit den schlimmsten Tagen des Vereins stammt, und die in etwa den Gänsehauteffekt einer kollektiven Bratwurstbestellung hat? Aber gut, ich bin da keine relevante Stimme, denn für mich ist Hertha BSC ja nur auf dem Papier 125 Jahre alt, und ich bin auch kein (West-)Berliner, ich trinke bei Spielen kein Bier.


Die Richtung der Markenpflege gab Hertha ohnehin deutlich vor: Man will sich an die Stadt Berlin mit ihrem Image anhängen. Aber auch die ist ja im Kern deutlich provinzieller, als sie es gern zugeben würde. So lebt man halt als Fan mit seiner Stadt, seinem Verein, seinen Träumen und seinen Realitäten.






Eingestellt von marxelinho am 30. Juli 2017.
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29. Juli 2017

Katastrophen und Kontinuitäten


Es ist ein schöner Zufall, dass Hertha BSC und der Liverpool FC im selben Jahr gegründet wurden. 1892 ist lange her, heute begehen die beiden Vereine ihren runden Geburtstag mit einem Freundschaftsspiel im Olympiastadion. Das bietet auch eine Gelegenheit, sich ein paar Gedanken über Tradition zu machen. Das ist nämlich ein Faktor, der im Fußball häufig beschworen wird - doch was hat es damit näherhin auf sich?

Die 125 Jahre, die Hertha nun auf dem Buckel oder auf dem Legitimitätskonto hat (sieben mehr als, um ein kontroverses Beispiel zu nennen, die TSG 1899 Hoffenheim, und 107 mehr als der eingetragene Verein RasenBallsport Leipzig), stellen nämlich keineswegs ein Kontinuum dar. Im Gegenteil könnte man sich fragen, ob das noch mit Fug und Recht dieselbe Hertha ist, die damals ihren Namen reichlich zufällig einem Ausflugsdampfer auf der Havel entlehnte, und die heute die deutsche Hauptstadt im internationalen Fußball vertritt.

Die Antwort darauf ist natürlich ein klares Ja, das allerdings der Differenzierung bedarf: Hertha BSC von 1892 und Hertha BSC von 2017 bilden eine Klammer um eine Geschichte von Unterbrechungen und Krisen (und historischen Katastrophen), die erst so richtig auf den Faktor Geschichtlichkeit aufmerksam machen. Man könnte es auch auch anders sagen: Das, was die Stadt Berlin so besonders macht, nämlich das Übermaß an Geschichte, das die Stadt erlebt hat, zeigt sich in der Geschichte von Hertha wie in einem Spiegel.

Die wesentlichen Stationen sind schnell benannt: eine halbwegs kontinuierliche Entwicklung aus der Gründerzeit des späten 19. Jahrhunderts heraus über die stadthistorisch relative Katastrophe des Ersten Weltkriegs hinweg bis zu den Meistertiteln 1930 und 1931; die Jahre des Nationalsozialismus, in denen sich der Verein jedenfalls nicht offensiv kompromittierte; die Jahre der Bundesliga in der Bundesrepublik, in denen Hertha stark mit dem Schicksal der prekären und korrupten Enklave West-Berlin verbunden war; die katastrophalen 1980er Jahre, in denen keinerlei Richtung zu erkennen war.

Die neue Zeitrechnung beginnt mit dem Aufstieg in die Bundesliga 1997. Kurz darauf wurde Berlin Hauptstadt, damit war die Wiedervereinigung auch auf dieser Ebene vollzogen, und von da an kann man wieder nach neuen Kontinuitäten und Parallen zwischen der Geschichte der Stadt und der Geschichte des Vereins suchen.

Im Wesentlichen geht es für Berlin wie für Hertha seither darum, eine ökonomische Grundlage zu finden. Das Berlin des Bankenskandals und die Schulden-Hertha der nuller Jahre haben nicht direkt miteinander zu tun, lassen sich aber als Symptome einer ähnlichen spekulativen Mentalität begreifen. Heute haben die Stadt und der Verein im Grunde dasselbe Geschäftsmodell: unter den Bedingungen eines entfesselten globalen (Rohstoff- und Räuber-)Kapitalismus eine plausible Auskömmlichkeit zu finden, die offen ist für Innovationen.

Das macht diesen 125. Geburtstag für Hertha so besonders: Er kann, anders als der 100. oder der 50. oder der 75., tatsächlich  in einem Geist begangen werden, der mehr als nur in einem trivialen Sinn zugleich nach rückwärts und nach vorn gerichtet ist. Hertha BSC 2017 lässt zusammenwachsen, was die Geschichte getrennt hat. Die unstete Geschichte, die für die Stadt Berlin wesentlicher Teil der Trademark ist, ist durch einen Realitätssinn geheilt worden, der sich paradoxerweise gerade einem spekulativen, kapitalistischen Investment verdankt: Hertha BSC ist durch KKR wieder auf die Füße gekommen, und verzichtet seither auf große Sprünge oder gar Übersprungshandlungen.

Die beiden großen Wegmarken der absehbaren Zukunft - das noch auszuhandelnde Ausstiegsszenario von KKR im Jahr 2021, die Stadionfrage, die bis 2025 zu klären ist - bieten dabei jeweils eine Möglichkeit, sich in einem Fußball-Business zu positionieren, das nichts mit Monopoly zu tun hat, sondern mit der Rücksichtslosigkeit der neuen Oligarchien. Hertha kann die eigene Politik dabei durchaus auch in dieser Hinsicht labeln: als einen Weg, die Fantasie, die in der "Aktie" der Stadt Berlin steckt, zu erden - mit einem neuen Stadion (idealerweise dem Speer-Konzept für das Olympiagelände folgend) sogar ganz buchstäblich.

Für einen Fan ist ein Verein im Grunde immer so alt wie die gemeinsame Beziehung. Das ist auch bei mir so: ich wurde Hertha-Fan mit dem Wiederaufstieg von 1997, nicht aus Opportunismus, sondern weil mir, damals noch von Wien aus, nichts anderes plausibel schien, als der Mannschaft anzuhängen, die in der Stadt spielte, die mich so interessierte. Und dieses Verhältnis bestimmt auch nach wie vor meine Leidenschaft: (m)eine Stadt - (m)ein Verein - Hertha BSC.


Eingestellt von marxelinho am 29. Juli 2017.
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25. Juni 2017

Blauweiße Blaupause

Den Confed Cup in Putinistan habe ich bisher locker ignoriert, das Turnier der U 21 in Polen aber finde ich großartig. Und das hat nicht nur damit zu tun, dass in der Mannschaft von Stefan Kuntz bisher immer drei Herthaner zur Startformation gehörten. Das Spiel am Samstagabend war ein Beispiel dafür, wie sich der Fußball allgemein in Zukunft entwickeln könnte, allerdings unter den klassischen Konditionen mit Viererketten und Sturmzentrale (statt Dreierkette und Siebenerschwarm). Es war auch eine Lehrstunde, bei der man gelegentlich an Hertha denken konnte.

So richtig eingestiegen bin ich erst beim souveränen Sieg über Dänemark. In diesem Spiel bildete sich allmählich fast so etwas wie eine vertikale Hertha-Achse heraus, begünstigt durch Spieleröffnungen von Niklas Stark, die keineswegs immer nach außen gingen, durch eine variable Rolle von Mitchell Weiser, der oft nach innen ging, und durch einen mit zunehmendem Spielverlauf besser integrierten Davie Selke.

Die Stimmung war optimistisch vor dem entscheidenden Spiel gegen Italien, und der Beginn war auch gut. Dann wurde die Sache aber immer schwieriger. Das hatte mit einem Umstand zu tun, für den es in der jüngeren Fußballersprache zahlreiche Namen gibt: Pressing, Jagdfußball, hohes Anlaufen. Beim einzigen Gegentor waren vier Italiener auf Höhe der letzten deutschen Linie, die in diesem Moment de facto aus dem Keeper Pollersbeck und Niklas Stark bestand. Der Torhüter ließ sich zu einem seitlichen Abschlag verleiten, Stark wusste sich in der Not nicht anders zu helfen als mit einem schwierigen Pass auf Dahoud, der versuchte es mit einem technischen Manöver und verlor den Ball.

Man spricht in so einem Fall auch von Überfallfußball: Ba-Ba-Ba-Ballüberfall. Für Hertha-Fans war es ein Gegentor mit einer Blaupause (oder einer Blauweißpause, wenn man so mag). Denn Rune Jarstein war im Vorjahr das eine oder andere Mal in einer vergleichbaren Situation, und wir haben Gegentore gesehen, die dem vom Samstag glichen. Niklas Stark hatte gegen Italien insgesamt ein schwieriges Spiel. Das sollte aber nicht vergessen lassen, dass er insgesamt bisher ein gutes Turnier spielt.

Und auch hier gibt es Aspekte für Fans mit Clubbrille. Denn Stark spielt in der U21 eine deutlich vertikalere Eröffnung als bei Hertha, wo er allerdings nicht so oft ganz hinten eingesetzt wurde. Den Pass ins Zentrum kann er auch deswegen riskieren, weil jemand wie Dahoud ihn ganz anders verarbeitet als ein Skjelbred oder ein Lustenberger. Beim Gegentor der Italiener war Stark wohl zu optimistisch, was die Lösungskompetenz von Dahoud anlangt, aber dessen Beweglichkeit bei der Ballannahme, seine Umschalteleganz sind schon enorm. Die tollen Italiener brachten ihn aber an seine Grenzen.

Der Blick auf Stark in Polen bringt mich zu einem Thema zurück, das in den Überlegungen bei Hertha anscheinend keine Rolle spielt: Ich finde, der Kader braucht einen neuen Sechser. Vermutlich ist Stark selbst für diese Rolle vorgesehen, das wäre auch eine akzeptable Lösung, keine Frage. In der U21 sind aber sowohl Arnold wie auch Dahoud, auch wenn beide gegen Italien richtig litten, ganz anders strategisch eingebunden, als das die meist sehr konservative Doppelsechs bei Hertha zumeist war.

Dass Mitchell Weiser gegen Italien auch eher wirkungslos blieb, und Davie Selke wieder die Einsamkeit des Vollstreckers inmitten humorloser italienischer Amtsschimmel (Kasten heute geschlossen) erlebte, das waren auch Aspekte dieses hochinteressanten Spiels. Aber meine Augen waren auf den neuralgischen Punkt gerichtet, an dem dann auch das Tor entstand: auf die Zone, in der Spieleröffnung und Umschaltspiel ineinander übergehen, weil eben der Spieler, der den ersten Pass verarbeitet, im Grunde schon etwas tun muss, was einem Konter nicht unähnlich ist. Schließlich war Italien in diesen Momenten mit so vielen Leuten in der Nähe des Balls (in der Regel vier, manchmal fünf), dass ein öffendes Manöver schon Chancen ergeben konnte. Es gelang allerdings selten, was auch daran liegt, dass diese italienische Mannschaft keinen verausgabenden Jagdfußball spielt, Marke Kloppo, sondern einen leichtfüßigen, jugendlichen, einen mit Zukunft eben. Einen, den man überall genau studieren wird.


Eingestellt von marxelinho am 25. Juni 2017.
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Natalie Keil
meint um 29. Juli 2017 12:00:23

Ich denke, Stocker wird unser neuer 6er. Könnte er. Eine Option immerhin.

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11. Juni 2017

Sommerflause

In einem sozialen Netzwerk hatte am Samstagmorgen jemand erwähnt, dass die U15 von Hertha zu Mittag ein Heimspiel gegen Dynamo Dresden austragen würde, und dass danach eine Meisterfeier anstand. Denn die Nachwuchsmannschaft hat in einer Liga, in der immerhin auch Rülpsbrause Leipzig (copyright kung) spielt, eine exzellente Saison gezeigt.

Die Sonne schien, der Tag war helle, meine Vorhaben ließen sich alle hintanstellen, mit einem Wort, ich tat das, was ein Fußballfan zu Beginn der Sommerpause halt mal so macht, wenn die Entzugserscheinungen noch klein sind, aber doch schon spürbar (FIFA-Spiele tun für mich nichts). Ich fuhr hin, und gesellte mich zu den 140 Besuchern, unter denen ich zu meiner Überraschung auch einen unmittelbaren Nachbarn aus dem Kiez traf. Er hat einen Sohn in der U15.

Es war ein großartiger Sommernachmittag. Das begann schon mit dem Anblick von Andreas Neuendorf, der vor Beginn so gelassen über den Platz zu der Betreuerbank schritt, wie das einst Ronald Reagan für den Gang in den Sonnenuntergang des Lebens verheißen hatte. Das Spiel selbst war spannend und in vielerlei Hinsicht interessant: Die U15 spielte mit einer Dreierkette, woraus man sicher nicht allzuviel ableiten muss, allerdings ist abzusehen, dass diese Systemfrage (Dreier- bis Fünferkette) bei den Profis in der kommenden Saison wichtig werden wird - es könnte das Jahresthema werden, auch deswegen, weil daran die Frage nach einer Verbesserung der schwachen Offensivarbeit im zentralen Mittelfeld hängen kann.

Ich schaue mir so ein Nachwuchsspiel nicht an wie ein Scout, deswegen liegt mir auch nicht daran, hier schon Hertha-Stars der Zukunft zu entdecken - wenn, dann fiel mir übrigens von allem ein Knirps bei den Dresdnern auf, der deutlich kleiner war als die meisten, der aber ein paar schöne Aktionen hatte: Adam Cicovsky aus Tschechien, ein Legionär also, ein offensiver Mittelfeldspieler, für eine hängende Spitze ist er einfach körperlich nicht weit genug, zumal die Herthaner fast durchwegs physisch überlegen waren.

Am Ende stand es 5:3, und dann gab es sogar eine Dusche für den Coach (mit Fanta?), und das obligate "We are the Champions", das in diesem Fall natürlich auch Sinn macht. Denn abgesehen von der prinzipiellen Freude, an einem so traumhaften Tag auf einem guten Rasen guten Fußball spielen zu können, lebt so ein Match natürlich von dem latent immer vorhandenen Zusammenhang: Wer es einmal bis in die U15 von Hertha oder Dresden geschafft hat, könnte eines Tages vielleicht noch in einem viel bedeutenderen Moment die Hymne von Queen hören. Dieser epische Aspekt am Fußball hat mich immer schon besonders fasziniert, weil das eben auch bedeutet, Nebenschauplätze genauso wichtig zu nehmen.

Auf dem Weg nach Hause versuchte ich mir dann noch vorzustellen, wie das wäre, wenn in ein paar Jahren ein zweites Stadion in diesem großartigen Gelände des Olympiaparks stehen würde. Auch das wird ja noch eine epische Angelegenheit. Hoffentlich kommt da kein Blödsinn raus, aber ich würde es vorläufig einmal so sagen: Wenn auf den Platz vor die Gemäldegalerie und neben die Matthaikirche tatsächlich eine Kunsthalle mit den Ausmaßen des Entwurfs von Herzog und de Meuron passen soll, dann sollte ein Fußballstadion neben dem Olympiastadion sicher kein Problem sein. Im Gegenteil: der Entwurf ist so überzeugend, dass sich die anderen Überlegungen, das Oly umzubauen, doch im Grunde von selbst erübrigen müssten.



Eingestellt von marxelinho am 11. Juni 2017.
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06. Juni 2017

Funky Funky

In der Woche, in der Hertha BSC wegen des noch nicht gespielten Pokalfinales noch nicht genau wissen konnte, wie der Sommer aussehen würde, hatte ich das große Vergnügen, als Pundit zu einem großartigen Radioprojekt zugeschaltet zu werden: Rasenfunk ist ein Fußball-Podcast, den ich nur rundheraus empfehlen kann. Wenn man in dem Sprachbild bleiben möchte, dass ich meinen Senf zur Saison 2016/17 gegeben habe, dann wäre Hertha dementsprechend die (Curry-)Wurst. Beim Rasenfunk geht es aber eindeutig um mehr als um Senf. Ebenfalls mit mir in der Schalte: Arne Steinberg, Experte in Sachen Effzeh Köln.

Der Podcast ist hier



Eingestellt von marxelinho am 06. Juni 2017.
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03. Juni 2017

Zuraten und Abraten: Das Spieler-Rating 2016/17

Rune Jarstein
Es war sicher eine der wichtigsten Hertha-Personalien in der mir erinnerlichen Geschichte, dass Thomas Kraft durch den ruhigen Norweger abgelöst wurde, der seither zu einer absoluten Stütze geworden ist. Hatte eine Topsaison, mit der einzigen kleinen Einschränkung, dass er sich fast schon zu sehr als Libero anbot. Von ihm sollte die Mannschaft in der kommenden Saison auch Signale bekommen, wann das Hintenherumspielen nicht mehr der Sicherheit dient, sondern der Bequemlichkeit. Mit einem Wort: da sein, aber nicht als Ausrede. Perspektive: Führungsspieler.
 
Petr Pekarik
Eine solide Saison bekam mit seinem ersten Bundesligator einen schönen Akzent. Perspektive: Ergänzungsspieler (vor allem, wenn Hertha sich an einem 3-5-2 versuchen sollte).
 
Sebastian Langkamp
Beinahe schon ein Hertha-Urgestein inzwischen, immer noch ein passabler Innenverteidiger, der aber vor allem in der Spieleröffnung deutliche Defizite hat. Das hat vielleicht auch mit seinem Stil zu tun: immer ein wenig aufreizend aus der Hüfte. Favre hätte ihm sicher Extraschichten beim Zehenballentraining verordnet. Spezialtalent: zieht Stürmerfouls wie kein anderer. Perspektive: Wackelkandidat.
 
John-Anthony Brooks
Hat genau die Saison gespielt, die einem angeschobenen Verein wie Wolfsburg 20 Millionen wert sein mag. Alles Gute, wir sind stolz auf dich!
 
Marvin Plattenhardt
Für eine wirklich große Saison war die Mannschaftsleistung ingesamt nicht groß genug, und so richtig prägend war Plattenhardt dann auch nur ab und zu mit seinen Standards. Als linker Außendecker aber doch die beste Besetzung, die Hertha seit 1998 bisher hatte (bei allem Respekt für Michael Hartmann und Malik Fathi). Könnte vermutlich in einer mutigeren Mannschaft noch mehr zeigen. Perspektive: Stammspieler.
 
Jordan Torunarigha
Brauchte nur zwei Spiele, um den Weg für John Brooks in die große, weite Welt zu bereiten. Perspektive: Stammspieler.
 
Per-Ciljan Skjelbred
Verkörperte am deutlichsten die Probleme von Hertha im vergangenen Jahr: weder offensiv besonders wirksam noch defensiv wirklich verlässlich. Perspektive: Ergänzungsspieler.
 
Niklas Stark
Deutete an, dass er richtig wichtig werden könnte. Designierter Sechser, oder in der Mitte einer Dreierkette.
 
Allan Souza
Das letzte Spiel gegen Leverkusen hat ihn schwer beschädigt, insgesamt bekam er nicht hinreichend Gelegenheit, zu zeigen, warum er hinreichend Gelegenheiten hätte bekommen sollen. Circulus vitiosus fussballprofiensis.
 
Mitchell Weiser
Hatte eine halb gebrauchte Saison, der kleine Fitness-Dissens mit dem Coach in der Vorbereitung war irgendwie zeichenhaft. Wenn er körperlich auf Topniveau ist, ist er zweifellos der beste Fußballer bei Hertha. Perspektive: mal sehen, ob er zu halten ist.
 
Alexander Esswein
Ein Spieler zum Haareraufen. Ein paar supercoole Szenen, aber insgesamt vor allem konfus, und in einigen wichtigen Szenen (notabene vor dem Ausgleich der Bayern) auch einfach nicht spielintelligent. Wirkte nie richtig eingebunden. Perspektive: unklar.
 
Vladimir Darida
Fiel die halbe Hinrunde aus, und war den Großteil der restlichen Saison außer Form (seine Standards sind da wie ein Barometer). Kam allerdings zum Ende hin allmählich wieder in Schwung, und ließ erkennen, dass er für eine besser integrierte Hertha wichtig bleiben könnte. Umschaltspieler. Perspektive: Stammspieler (auf der Acht?)
 
Genki Haraguchi
Ein Jahr der Stagnation, wenn mas es freundlich ausdrücken will.
 
Salomon Kalou
Auf seine alten Tage und in einer Mannsschaft, die ihm nicht immer genügend Möglichkeiten zum Zusammenspiel gab, war das eine sehr anständige Saison. Perspektive: Ehrenrunde in Europa.
 
Vedad Ibisevic
Super interessante Saison, häufig grenzwertig, seine Emotionen sind ein Problem, denn sie springen ja nicht auf die Mannschaft über, sondern lassen oft das Spiel zerfleddern. Hatte zum Ende der Saison hin offensichtlich auch Probleme, das Tempo (wenn Hertha dann mal eines vorlegte) mitzugehen. Wurde dann auch manchmal eigensinnig. Seine Bilanz aber ist imposant: fehlte nur zweimal (wegen Sperre, klaro), 18 Torbeteiligungen. Perspektive: Führungsspieler in Altersteilzeit.

Valentin Stocker
Findet und findet nicht so ins Spiel, dass man das Gefühl hätte, ihm wäre das Spiel einmal auf längere Zeit anzuvertrauen. Könnte damit auch Hertha-Symptom sein, muss es aber persönlich ausbaden.

Fabian Lustenberger
Der Reserve-Skjelbred. Gute Besserung!

Maximilian Mittelstädt
Das Spiel gegen Hoffenheim sollte man ihm nicht nachtragen. Nächste Saison kann er zeigen, ob er einen anderen Weg gehen kann als Fabian Holland. Andeutungen gab es dafür.

Ondrej Duda

Wir sind sehr gespannt.

Personalbedarf: einer, der Ibisevic entlastet (schon da, guter Coup!); ein spielstarker Sechser; einer, der Langkamp herausfordert, aber auch von Torunarigha den Druck nimmt; kein weiterer mittelmäßiger Flügelspieler (vielleicht aber noch ein sehr guter, wenn Esswein jemand nimmt)



Eingestellt von marxelinho am 03. Juni 2017.
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