24. März 2014

Aliens Arena

Ich finde, es ist an der Zeit, dass Hertha BSC ein neues Saisonziel ausgibt. Platz 9 wäre ein vernünftiges Maß. Wenn man weiter darauf besteht, dass der Klassenerhalt die einzig relevante Angelegenheit ist, dann entwertet man ein bisschen die Hinrunde. Und wenn man nicht zumindest versucht, den Platz in der oberen Tabellenhälfte zu halten, dann gerät man in Gefahr, die guten Eindrücke aus dem Vorjahr zu einer Bizarrerie werden zu lassen.

Dies alles vor dem Hintergrund einer Rückrundentabelle, in der Hertha mit acht Punkten mitten im Abstiegskampf stehen würde. Wobei, dies nur als Anomalie am Rande, Borussia Mönchengladbach, die gerade wieder exzellent dastehen, 2014 nur einen Punkt mehr geholt hat. Das 0:3 vom Samstag war aber doch ein Hinweis darauf, wo die Unterschiede liegen. Oder auch nicht.

Wenn man es sarkastisch sagen würde, dann haben zwei lange Bälle von ausgerechnet Martin Stranzl und ein Eigentor von Adrián Ramos Hertha aus dem Spiel genommen. Stranzl ist für den Spielaufbau meistens ungefähr so hilfreich wie Sebastian Langkamp bei Hertha. Er hat aber immerhin in Patrick Hermann einen, den er schicken kann. Dass dann ausgerechnet Johannes van den Bergh, der für den zuletzt als Schwachpunkt hervorgehobenen Fabian Holland zurückgekehrt war, einen wechselhaften Nachmittag hatte, zeugt von den Grenzen, die Herthas Durchschnittskader gesetzt sind.

Van den Bergh ist einer dieser Fälle, die zeigen, wie schwierig Fußball zu beobachten ist. Die meisten würden ihn wohl rundheraus abschreiben, für höhere Aufgaben scheint er nicht geeignet zu sein. Doch wenn man sich ansieht, wer bei Hertha seit dem legendären Michael Hartmann auf dieser Position gespielt hat (am längsten in Serie danach wohl Malik Fathi), dann bekommt man erst eine Idee davon, dass Hertha eigentlich noch nie einen wirklich guten Leftback hatte. Und van den Bergh hat durchaus positive Ansätze.

Beim ersten Gegentor in Gladbach war er spät dran, man könnte aber auch fragen, ob Brooks nicht besser weggeblieben wäre. Der junge Innenverteidiger stand dann beim dritten Gegentor im Mittelpunkt, als er sich mehr als nur ungeschickt verhielt, von Kruse nach vorne ziehen ließ, nicht in den Zweikampf fand, und dann auch schon sehr resigniert hinterher trabte und dem Tor durch Raffael zusah. Reicht die Qualität für Liga eins? Gar für Platz 9?

Gegen den FC Bayern kann Brooks, sofern der Coach nicht einen konservativen "Block" mit Janker und Kobiashvili ins Zentrum stellt, sicher viel lernen. Ich würde ihm die Erfahrung nicht ersparen, soviel Freispiel muss sein. Ohne Langkamp, ohne Lustenberger, ohne Cigerci gegen die Aliens, das wird kein Spaß. Aber das volle Olympiastation wird einer, auch wenn sich die Bajuwaren darin wieder wie die Hausherren fühlen werden, das kennen wir ja schon.

Am Freitag geht es dann gegen den Putin-Tönnies-Komplex: Gazprom & Fleischfabrik. Die Bayern zu ärgern, wäre ein Spaß. Die Schalker zu ärgern, das wäre heldenhaft. Dazu müsste die Mannschaft allerdings auch ein wenig Mut und Initiative zeigen. Es könnte aber sein, dass der Coach sie ein bisschen zu deutlich aus der Verantwortung geredet hat. Jetzt findet sie nicht mehr hinein. Platz 9 ist in Gefahr.


Eingestellt von marxelinho am 24. März 2014.
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