22. Februar 2015

Bas de probleme?

Das Stenogramm zum 0:2 in Wolfsburg: wackerer Auftritt, verdiente Niederlage. Kompaktheit hat nun einmal neben der räumlichen auch eine zeitliche Dimension, da reichen dann zwei Aussetzer, um eine ansonsten konzentrierte Leistung gegen einen notwendigerweise nicht vor Energie sprühenden Gegner entscheidend zu trüben. Der erste Gegentreffer war schwer zu verteidigen, weil Schürrle wirklich brillant (aber auch absichtlich?) in die Zentrale weiterleitet, insgesamt die ganze linke Seite in dieser Situation begriffsstutzig, und Brooks (sonst ziemlich gut heute) geht zu weit heraus, dadurch sind Hegeler und Pekarik hoffnungslos in Dilemmata verstrickt, auf wen sie sich konzentrieren sollen.

Beim 0:2 muss man Hegeler allerdings einen Vorwurf machen. So beeindrucken darf er sich von dem Schuss von Luiz Gustavo nicht lassen, dass er gleichsam die Meter auf der Flugbahn mitzählt, während Dost sich hinter ihm schon auf den eventuellen Abstauber vorbereitet. Es wird Zeit, dass Langkamp den all zu ehrenpräsidentiell spielenden Hegeler wieder ablöst.

Den zwischenzeitlichen Ausgleich von Hertha leitete Brooks mit einem Pass ein, der nicht zufällig über die Linien ging, denn zwischen denen ging nicht viel - die Raumaufteilung von Wolfsburg war auch bei diesem mittelmäßigen Auftritt durch und durch beeindruckend. Stocker nahm den Ball gut mit, und Schieber, der in die Mitte gehört, war auch dort, er ist ein Torjäger und soll auch der designierte bei Hertha sein.

Das führt zur Frage, wo Kalou spielen soll. Der Auftritt machte insgesamt eher wenig Hoffnung, denn vor das Genie hat der Fußballgott bekanntlich die Arbeit gesetzt, und die kann nicht vollständig auf die anderen Feldspieler verteilt werden. Kalou sollte künftig auf der 10 spielen, er muss sich aber mehr einbringen, es geht nicht, dass er nur zu einer Andeutung von Zweikämpfen anläuft, und zwischendurch erratisch an der eigenen Eckfahne verbissen um Bälle kämpft, die er vorne in immer eleganter Haltung an sich vorbeitransportieren lässt, als wäre er Luft(ikus).

Die gesamte Konstellation des Spiels konnte man am besten an Lustenberger und Skjelbred sehen. Von beiden gab es kaum offensive Pässe, geschweige denn Läufe (erinnert sich noch jemand, wo Cigerci in so einem Spiel überall aufzutauchen pflegte?). Sie mussten den opaken Druck aushalten, den Wolfsburg jederzeit ausübte, ein Druck, der sich in De Bruynes Omnipräsenz konkretisierte.

Die Niederlage gegen Wolfsburg musste man als vernünftiger Fan bereits eingepreist haben, es ist das kommende Spiel, das eine Richtung weisen muss: Augsburg ist kein gegen alle Regeln des Financial Fair Play alimentierter Provinzgroßclub, sondern ein regionales Kompetenzzentrum, gegen das Hertha nur eines stellen müsste: eigene Kompetenz. Daran mangelt es allerdings schon seit längerer Zeit empfindlich. Und gerade die Augsburg-Spiele waren häufig Tiefpunkte. Gegen Wolfsburg sah man immerhin die Andeutung einer Mannschaft, und eines Systems (4-4-2), die kommendes Wochenende Sinn machen könnten.


Eingestellt von marxelinho am 22. Februar 2015.
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