21. Februar 2014

Beunruhigender Ball

Vor dem Auswärtsspiel bei Stuttgart gibt es bei Hertha BSC ein Thema, das nicht zuletzt durch das Hinspiel vor einem halben Jahr naheliegt: Gegentreffer nach Eckbällen. Am 13. September gab es im Olympiastadion eine knappe 0:1-Niederlage. Der Treffer erzielte Gentner per Kopf vom kurzen Eck aus. Am Samstag wird Gentner nicht spielen können, das mag ja schon einmal als gutes Omen erscheinen.

Es gab noch ein paar weitere wichtige Gegentreffer per Kopf nach ruhenden Bällen, zum Beispiel Szalai gegen Schalke, und dann natürlich Knoche gegen Wolfsburg neulich. Insgesamt würde ich aber meinen, dass zumindest der gefühlten Statistik nach die Vorteile für Hertha in dieser Kategorie überwiegen, oder sich zumindest die Waage halten. Das hat allerdings nahezu ausschließlich mit Adrián Ramos zu tun, an dessen Gefährlichkeit bei Standards kein Herthaner auch nur in Andeutungen heranreicht.

Ich habe mir das Gegentor durch Knoche noch einmal genau angesehen, und es bleibt dann doch nicht ganz bei dem spontanen Eindruck, dass da nicht viel zu tun war. Die ganze Konstellation war ungeschickt, denn Wolfsburg brachte alle Spieler so in Stellung, dass sie auf das Tor zuliefen, der Ball drehte sich dafür passend leicht vom Tor weg. Herthas Defensivleute zögerten zu lange, ob sie sich auf den Ball oder den Gegner konzentrieren sollten, und sie standen in einer Linie, statt sich näher an die Wolfsburger zu postieren.

Cigerci, der später angab, er wäre für Knoche zuständig gewesen (die Linie sieht aber eher nach Raum- als nach Manndeckung aus), war weit weg. Langkamp, der in der Nähe stand, sah den Ball nicht und sprang nicht einmal hoch - ihm, diesem Vorbild positiver Aggressivität und abgeklärter Intervention, wäre hier am ehesten ein Vorwurf zu machen. Ndjeng sprang hoch, aber nicht hoch genug und eigentlich auch eher mit seinem Vordermann beschäftigt. Es sieht allerdings stark so aus, als würde er Langkamp die Sicht und allgemeiner gesprochen den Durchblick verstellen.

Knoche kam ideal an den Ball, aber auch damit hätte das Spiel nicht kippen müssen. Eckbälle (und Freistöße aus dem seitlichen Halbfeld) sind ein faszinierendes, aber auch ein bisschen ungeliebtes Thema. Das hat wohl damit zu tun, dass es hier nicht um die eigentliche Schönheit des Fußballs geht, die ja darin liegt, durch kluge Bewegung Räume zu erschließen (siehe die beiden Bayern-Tore gegen Arsenal neulich). Bei Standards entsteht in der Regel ein Durcheinander, in dem die individuelle Handlungsschnelligkeit an Grenzen stößt.

Dazu kommt der prinzipielle Vorteil für die angreifende Mannschaft. Ein Tor ist ein Tor, ein abgewehrter Ball ist nicht mehr als ein abgewehrter Ball. Es gibt also gute Gründe, sich im Training mit diesen Situationen zu beschäftigen, anders als es das Klischee vom schönen Spiel will, das in den zumeist kurz gespielten Ecken des FC Barcelona ein berühmtes Motiv hat.

Gegen Wolfsburg hatte Hertha einen jungen Mann auf der Bank, der zu Beginn der Saison zu den Hoffnungen zählte, für den seither aber eine Menge schief lief. John-Anthony Brooks. Vielleicht bekommt er in Stuttgart ja wieder einmal eine Chance. Eine Innenverteidigung mit Brooks und Langkamp wäre toll, allerdings würde ein auf die Position 6 vorrückender Lustenberger im Mittelfeld für personelle Härten sorgen. Das sind jetzt aber eher mittelfristige Fragen, denn der Kapitän ist aktuell ja verletzt.

Ich werde mir das Stuttgart-Spiel live ansehen, das wird dann der erste Eintrag in die Kategorie Reisen auf dieser Seite.


Eingestellt von marxelinho am 21. Februar 2014.
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