24. September 2014

Bewirkstelligung

Der Coach hat für das Heimspiel gegen Wolfsburg eine Losung ausgegeben: Mentalität gegen Qualität. Darin liegt ein kleines Stück Revisionismus, denn es war ja schon mehrfach davon die Rede, dass Hertha in diesem Jahr durchaus Qualität im Kader hat. Sie war nur bisher nicht ausreichend zu erkennen. Das kann man darauf zurückführen, dass noch nicht ausreichend Zeit war, die Qualität zu integrieren. Allerdings ist es inzwischen Ende September, und diese Begründung hat ein akutes Ablaufdatum.

Der Kader für das Spiel gegen Wolfsburg enthält eine pädagogische Maßnahme: Johannes van den Bergh, der nach der Sperre von Schulz und dem Trainingsrückstand von Plattenhardt eigentlich hinten links zu erwarten gewesen wäre, ist gar nicht nominiert. "Wir haben uns nicht für ihn entschieden", ging Luhukay sogar ausdrücklich darauf ein. "Er braucht noch Zeit." Den Faktor, der bei van den Bergh eine Rolle spielt, konnte man bei seinen Einsätzen geradezu mit Händen greifen: Er denkt zu viel nach beim Spielen, es fehlt ihm an Selbstverständlichkeit, daraus resultieren Fehler und vor allem jene "Inkonsequentheit", die Luhukay als das zentrale Problem ausgemacht hat.

Allerdings ist es bei Marcel Ndjeng, den wir rechts hinten erwarten müssen, so, dass er zwar seinen Job mit der allergrößten Selbstverständlichkeit ausübt, im Ergebnis ist die Sache nicht viel anders: ich sehe zwischen seinen Leistungen und denen von van den Bergh keinen nennenswerten Unterschied.

Die ganze Mannschaft hängt derzeit im Niemandsland zwischen Routine und Initiative, zwischen Automatismen und Kreativität fest. Automatismen werden gesucht, aber es ist noch nicht einmal klar, welches System Hertha heuer spielt. Luhukay sprach bei der Pressekonferenz von "unserem vertrauten 4-3-3", das ist vermutlich Jospeak für das 4-2-3-1, das Hertha zumeist spielt - wir wissen, dass diese Formationsalgebra bis zu einem gewissen Grad Mythologie ist.

Eine Viererkette mit Pekarik, Heitinga, Lustenberger und Ndjeng (Brooks bekommt eine Pause, ist nicht im Kader!) wird vor sich vermutlich Hosogai haben, und dann wird es ein bisschen spannend: Spielt Ronny gleich noch einmal von Beginn an, oder wird Kalou leicht hinter Schieber kommen? Auf den Flügeln wären Stocker und Beerens vorstellbar, aber wir wissen, dass der Trainer gern rotiert, also könnte Skjelbred über rechts kommen, wodurch zentral wieder Platz bliebe für Hegeler, der ja noch etwas zu beweisen hat.

Wie wäre es so? Kraft. Pekarik, Heitinga, Lustenberger, Ndjeng. Hosogai, Skjelbred, Ronny. Stocker, Beerens, Kalou.

Die meisten dieser Spieler haben Qualität angedeutet, es fehlt bisher an einem überzeugend abgestimmten Pressing. So trivial es klingen mag, das wurde vor einem Jahr augenscheinlich besser und planvoller gespielt, es bleibt ein bisschen rätselhaft, warum Hertha nun deutlich tiefer spielt, sieht man einmal von einer Spekulation auf schnelle Überfälle von der Mittellinie aus ab, wie sie in Leverkusen ein paar Mal gelangen.

Es ist nun an der Zeit, "ein Stück Mut zu haben", wie der Trainer zu Recht sagt. Die meisten Fans, so würde ich einmal meinen, erwarten heute vor allem eine Mannschaft, die ein gutes Verhältnis zwischen Sicherheit und Initiative sucht. Die also das Spiel annimmt, indem sie es nicht zu sehr auf sich zukommen lässt.

Im Übrigen bin ich gespannt auf Nicklas Bendtner. Er hat das Zeug zum Weltstar, aber bisher ist er lieber ein dummer Junge geblieben. Ich hoffe, er spielt von Beginn an, und Fabian Lustenberger nimmt ihn souverän aus dem Spiel. So wie Skjelbred es mit de Bruyne tut.



Eingestellt von marxelinho am 24. September 2014.
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