30. August 2015

Chipperl, Flankerl, Schauferl

Das Stenogramm zum Spiel im Dortmund: Ein bisschen hat Pal Dardai es vielleicht doch übertrieben mit der Fünferkette mit zwei flankierenden Defensivspielern, obwohl das Konzept eine Weile ganz gut aufging und Hertha sogar Chancen gegen den BVB hatte. Es war schließlich Kagawa, der die Sache beinahe im Alleingang entschied: zweimal schaufelte er den Ball perfekt in den Strafraum, jedes Mal brauchte er dazu nur eine Schaufel, wie sie in Sandkästen von Kindern zum Einsatz kommen. Dort werden Gebäude errichtet, die keinen Bestand haben, und so ähnlich war das auch mit dem Bollwerk von Hertha.

Bei der ersten Gelegenheit nützte Kagawa den Raum zwischen dem doppelten linken Außendecker (Plattenhardt & van den Bergh), er verschaffte sich den Raum auf die denkbar einfachste Weise, indem er dazwischen ging. Der Ball kam an den langen Pfosten, Langkamp erreichte ihn nicht, Hummels verwertete. Halb war das gechippt, halb geflankt, es ist nicht der Spieler Kagawa, der hier zur Verkleinerungsform einlädt, sondern sein Werk: ein Chipperl, ein Flankerl, ein Torerl. Aber gut, der Kopfball von Hummels hatte auch Nachdruck.

Zu Beginn der Halbzeit zwei wiederholte Kagawa das Manöver von der anderen Seite, dieses Mal sah Lustenberger nicht so gut aus, weil der doppelte rechte Außendecker eigentlich Pekarik & Stocker hieß, der Schweizer war aber schon nicht mehr dabei, und Weiser (an dessen Stelle) und Haraguchi mussten erst ausbaldowern, wer nun wo wuseln sollte. Kagawa wieder mit einem butterweichen Topspin-Lob, Ginter legte für Aubameyang auf.

Danach wurde Hertha orthodoxer und interessanter, es fehlte aber in der letzten Konsequenz an Genauigkeit, und nach hinten waren die Lücken dann doch riesig. Kalou traf aus irregulärer Position, ein Remis wäre nicht verdient gewesen, war aber in Reichweite - so durcheinander ist Fußball, und doch stimmte am Ende alles, auch dank Adrian Ramos, der bei der zweiten relevanten Abseitsentscheidung benachteiligt wurde, und sich dann spät mit einer eleganten Bewegung doch noch einen Treffer sicherte.

Nach drei Spielen ist immer noch wenig verallgemeinerbar, erster tendenzieller Eindruck ist vielleicht, dass die Basics sich verbessert haben, dass generell das Zutrauen zum Spiel da ist, dass es aber an Spielern fehlt, die das Bemühen veredeln können: Haraguchi ermöglicht in der besten Szene Hummels ein Comeback. Hertha ist konkurrenzfähig, muss aber eine gewisse Naivität ablegen.


Eingestellt von marxelinho am 30. August 2015.
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