29. Juli 2016

Der Vedator überstrahlt den Feuerzauber

Eine gute halbe Stunde lungerte ich gestern am Jahnsportpark herum, unentschlossen, wie weit ich in meinen Bemühungen um eine Eintrittskarte für das Spiel von Hertha gegen Bröndby IF gehen sollte. Als dann ein wenig einnehmender Typ seine Gürteltasche öffnete, und 50 Euro für einen Platz auf der Haupttribüne wollte, war mein Entschluss gefasst: Ich nahm die U8 und war schon eine halbe Stunde später daheim. Für die nächste Runde würde ich mir keine Blöße geben, das war der Vorsatz. Dabei bin ich allerdings auf die Mannschaft angewiesen, denn die muss ja in diese nächste Playoff-Runde erst einmal kommen.

Dass Hertha sich tatsächlich kaum eine Blöße gab, sah ich dann in einer Übertragung mit Kommentar von Thomas "Mein lieber Schwan" Hermann im Fernsehen. Der Coach hatte seine Aufstellung tatsächlich so gewählt, dass man fast schon von einer Hommage an die vergangene Saison sprechen kann: Das waren tatsächlich weitgehend die 11, die den 7. Platz und damit die Berechtigung zu diesem Spiel klargemacht hatten. Allenfalls Pekarik hatte längere Zeiten, in denen er nicht Stammspieler war, dafür blieb Haraguchi vorläufig auf der Bank, und Weiser spielte weiter vorne.

Er deutete an, dass er auch in seinem zweiten Jahr bei Hertha ein Leistungsträger sein könnte. Generell war das Spiel von Hertha vor allem dann interessant, wenn Bewegung über die Flügel entstand. Pekarik war sehr dynamisch, und Weiser hat die Qualität, eher die besonders interessanten Räume rund um das Sechzehnereck zu bespielen (darin gleicht er in Ansätzen Thomas Müller). Pekarik bekommt Räume für Flankenläufe, von Weiser aber gehen die kreativen Impulse aus. So auch bei dem Tor durch Ibisevic, einen sehenswerten Flugball, mit dem er eine Hereingabe von Weiser veredelte.

Hertha tat darüber hinaus eher nur das Notwendige, zeigte also eher eine professionelle als eine sprühende Leistung, hatte bei einem Stellungsfehler von Langkamp einmal Glück, als Pukki sich von Jarstein dazu provozieren ließ, einen sehr vielversprechenden Ball über das Tor zu heben. Das wäre ein Auswärtstreffer gewesen, einen solchen kann Bröndby nun nicht mehr erzielen. Hertha aber hat nächste Woche alle Möglichkeiten, eine Runde weiterzukommen.

Groß heruminterpretieren muss man an diesem Spiel nicht. Das war pragmatischer Favoritenfußball, die Fans haben den Abend und die nostalgisch besetzte Spielstätte für ein wenig Feuerzauber genützt, die Stimmung scheint gut gewesen zu sein. Der Coach fängt mit der Mannschaft dort an, wo er im Vorjahr schon war, das lässt trotzdem alle Möglichkeiten offen, in diesem Jahr Fortschritte zu machen - oder zu stagnieren. Eine kaum veränderte Mannschaft kann auch ein Vorteil sein. Ibisevic hat jedenfalls gezeigt, dass mit ihm weiterhin zu rechnen ist - die Frage ist dabei allerdings, ob und wie weit das auch über eine lange Saison gilt.

Tolga Cigerci scheint seinen Angriff auf die Stammelf vorläufig wieder vertagen zu müssen - ob auf den Sanktnimmerleinstag oder auf eine andere Mannschaft, zu der er noch in diesem Sommer wechseln könnte, das sind so Aspekte, die mich gerade interessieren. Ich bin ja ein Fan von ihm. Hertha wird erst am 25. August wissen, ob man mit der Gruppenphase auch finanziell planen kann, danach ist das Transferfenster noch ein paar Tage offen - möglicherweise tut sich vorher personell gar nichts mehr.

Hier noch ein paar Ergebnisse von gestern, auf die ich aus den unterschiedlichsten Gründen auch ein Auge hatte: Worskla Poltava (mein Wunschgegner für die nächste Runde, wobei ich allerdings nicht weiß, ob das die Töpfe überhaupt hergeben würden) torlos bei Lokomotive Zagreb, Rapid desgleichen gegen Torpedo Schodsina - wäre ich nicht gerade eben aus Odessa zurückgekommen, wäre dieser Club in Weißrussland so ziemlich ein ideales Groundhopperziel. Daran denke ich ja auch immer ein bisschen: Reisen mit Hertha. Kopenhagen nächste Woche werde ich allerdings im Fernsehen verfolgen. Die Konzentration steigt.


Eingestellt von marxelinho am 29. Juli 2016.
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