20. Oktober 2016

Die frühe Form und der lange Weg

Mit einem perfekten Hattrick (drei Tore in der zweiten Halbzeit) hat Mesut Özil am Mittwoch den Spaziergang des Arsenal FC gegen Ludogorets Rasgrad abgerundet. Er steht damit schon bei sechs Toren in dieser Spielzeit, die bevorzugte Form ist dabei der Volley. Der neue Professionalismus dieses wunderbaren Spielers steht auch stellvertretend für eine Mannschaft, die zur Zeit einen guten Eindruck macht.

In der Liga auf Platz 2, in der CL-Gruppe nach dem Remis bei Paris St. Germain und den beiden Pflichtsiegen gegen Basel und Ludogorets auf Kurs. Wenige Tage nach seinen zwanzigjährigen Dienstjubiläum scheint Arsène Wenger wieder einmal alles Griff zu haben. Dass vier der 19 Ligapunkte sich zwei grotesken Fehlentscheidungen in allerletzter Minute verdanken (gegen Southampton und gegen Burnley), wird schon jetzt niemand mehr interessieren.

Im Augenblick warten alle auf Entscheidungen von Özil und Alexis Sanchez. Beide sollen ihre Verträge (derzeit bis 2018) verlängern. Die spezielle Beziehung der beiden sieht man manchmal bei den Jubeltrauben - eindeutig sind sie die Alphaspieler, allerdings demonstrieren sie mit ihren Arbeitsethos, dass sie die Mannschaft führen (und nicht nur luxuriös die Geniemomente abschöpfen) wollen.

Die Saison verläuft bisher aus verschiedenen Gründen sehr interessant. Der vielleicht wichtigste ist, dass Arsenal weitgehend mit dem Kader des Vorjahres spielt. Die einzige Ausnahme bildet Shkodran Mustafi, der sofort die Position von Per BFG Mertesacker übernommen hat. Gegen Ludogorets konnte man auch sehen, dass Arsenal nach wie vor defensiv nicht wirklich souverän ist. Es fehlt ein Weltklassemann links hinten (Monreal ist keiner, die Entwicklung von Gibbs hat aufgehört), insgesamt lässt sich die Mannschaft immer wieder leicht überrumpeln.

Im defensiven Mittelfeld hatte bisher fast immer Coquelin den Vorrang vor dem Neuzugang Granit Xhaka, der am Wochenende gegen Swansea wieder einmal seine impulsive Seite zeigte (rote Karte nach Foul an Barrow). Wenger hat ihn bisher sehr zögerlich gebracht, er hat meistens argumentiert, dass Coquelin mit Cazorla besser eingespielt wäre. Ramsey hat sich unmittelbar zu Saisonbeginn verletzt und muss nun erst wieder seine tolle Sommerform suchen.

Die Offensivformation ist Arsenals Prunkstück. Das liegt nahe bei zwei Topspielern wie Sanchez und Özil, hat aber vor allem auch mit einem ewigen Talent zu tun: Theo Walcott ist in dieser Saison präsenter denn je. Er hatte immer schon einen guten Abschluss, in der flexiblen Konzeption dieser Wochen aber kommt er aus allen Lagen zum Erfolg. Wegen der Verletzung von Giroud spielt Arsenal nominell meistens mit Sanchez als Mittelstürmer, de facto aber tauchen er, Özil und Walcott jederzeit überall auf (ein Stilmittel ist auch der lange Pass über die Viererkette).

Der vierte in diesem "magischen Quadrat" ist meistens Alex Iwobi, der langfristig an die Stelle von Özil rücken könnte. Aber auch Lucas Perez, spanischer Neuzugang, den Arsène Wenger bisher nur sporadisch gebracht hat, konnte in den Schlussphasen des gestrigen CL-Spiels seine Wirksamkeit beweisen.

Arsenal hat nun drei nominell leichtere Gegner vor sich (Middlesbrough und Sunderland in der Liga, Reading im EFL-Cup), bevor es am 1. November das Rückspiel gegen Ludogorets in Sofia gibt. Da ich die Woche davor in Wien bin, habe ich mich ein wenig umgeschaut, und eine sehr billige Busverbindung gefunden, die mich am Tag davor tagsüber quer durch ganz Serbien nach Sofia bringen soll - der Rückflug mit einer Linie, die ich eigentlich boykottieren wollte, ist sogar noch um die Hälfte billliger. Seltsames Europa.


Eingestellt von marxelinho am 20. Oktober 2016.
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