15. Dezember 2013

Direkte Vergleiche

Der fünfzehnte Spieltag brachte das Duell der beiden Aufsteiger: Hertha in Braunschweig, eine ungleiche Angelegenheit, bei der die Heimmannschaft aber alles dafür tat, die so unterschiedlichen Voraussetzungen verschwinden zu lassen. Auf Berliner Seite gibt es vor allem eine Personalie zu vermelden: Coach Luhukay nützte die Gelegenheit und brachte Ronny von Beginn an, was nach den letzten Wochen so etwas wie eine Rehabilitation darstellten musste, denn eigentlich hatten wir ihn ja schon auf dem Verschiebegleis in Richtung Wintertransferfenster gesehen.

Damit könnte der Einsatz, der immerhin zwei Assists erbrachte, vielleicht sogar zu tun gehabt haben. Je nachdem, wie die Genesung von Alexander Baumjohann vorankommt, dazu hatte es neulich ja schon eine Reportage im RBB gegeben, die sicher nicht zufällig zustande gekommen war, da steckt ja doch in der Regel die Presseabteilung des Clubs dahinter. War das also ein Signal an Ronnys Berater? Wenn, dann allenfalls am Rande.

In Braunschweig konnte Hertha Ronny gut gebrauchen, als Öffner für eine "Dose", die nicht ganz so dicht versiegelt ist wie Augsburg oder gar Leverkusen. Was täte Hertha aber ohne Ramos? Ohne die Kopfballtreffer des Kolumbianers nach Eckbällen (das Tor von Sonntag war technisch besonders anspruchsvoll und insgesamt eine Wucht) läge sie im unteren Mittelfeld der Tabelle und nicht an der Spitze des Verfolgerfelds der Verfolgergruppe des Trios hinter dem FC Bayern (also auf Platz 7). Immerhin gelang dann noch ein Kontertor, das eine sehenswerte Detailleistung von Skjelbred enthielt, und mit dem Tolga Cigerci einen weiteren Schritt zum wertvollen Stammspieler machen konnte. Wer hätte das noch vor ein paar Wochen, nach seinen ersten Spielen gedacht? Ich nicht.

Auffällig ist weiterhin, wie gut der Coach mit dem gesamten Personal umgeht. Nicht nur kitzelt er Leistung aus begabten Spielern (nächste Aufgabe: den tollen Profi van den Bergh offensiv besser einzubinden), er besteht auch weiterhin auf flacher Hierarchie in der Kerngruppe, zu der etwa Niemeyer weiterhin gehört, Kluge eher nicht. Sandro Wagner, gestern mit zwei "Slapstick"-Einlagen auffällig (ich zitiere den Reporter Marcus Lindemann, einen der besten des Dauerwerbesenders, auf dem ich die Liga schaue), gehört weiterhin zum engeren Kreis. Die Umsicht, mit der Luhukay Mannschaftsaufstellungen zu einer Kombination aus "team building" und taktischer Variabilität macht, zählt zu seinen größten Stärken.

Das Wochenende brachte auch zwei Ergebnisse, die auf Hertha-Spiele der jüngeren Zeit abstrahlen: Augsburg, neulich im Olympiastadion noch zur Harmlosigkeit verurteilt, siegte in Hamburg; und Bayer Leverkusen gewann in Dortmund mit demselben Ergebnis wie in Berlin, war dort aber die deutlich bestimmendere Mannschaft, während Hertha damals nur durch ein irreguläres Tor das Nachsehen hatte. Wäre Fußball logisch, dann müsste sogar im letzten Hinrundenspiel in zwei Wochen beim BVB etwas herausschauen, ein Remis nämlich. Doch Fußball ist bekanntlich nicht linear, deswegen zählt immer nur der direkte Vergleich, der mit dem Anpfiff beginnt.


Eingestellt von marxelinho am 15. Dezember 2013.
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