27. Februar 2015

Ein vernünftiger Rat

Bei Hertha BSC gibt es jetzt wieder einen Mannschaftsrat. Er hat eine Größe von acht Spielern, es fehlen also nur drei auf einen Rat, der auch schon eine Mannschaft wäre. Für Pál Dárdai ist das ein Gremium, mit dem er einen "ehrlichen Dialog" führen kann. Für Manager Preetz ist das "Geschmackssache", wie man die Kommunikation mit der Mannschaft organisiert, für mich auch, allerdings kommt mir vor, dass das, was Coach Pál hier im Sinn hat, eher gegen meinen Geschmack ist.

Denn wenn man sich konkret vorstellt, welches Forum so ein Mannschaftsrat haben kann, dann muss das ja notwendigerweise eine Sitzung sein (die allerdings auch im Stehen stattfinden kann, auf dem Platz zum Beispiel). Bei einer Sitzung kommt es darauf an, sich gut einzubringen und auszudrücken, das sind vom Fußballplatz aus sekundäre Qualitäten. Uns es erinnert mich an Zeiten, in denen bei Hertha Spieler im Mittelpunkt standen, die gute Interviews gaben, aber mäßig zur Entwicklung der Mannschaft beitrugen.

Warum geht mir das durch den Kopf? Weil Hertha in dieser Saison bisher noch keine Mannschaft hat, und Pál Dárdai nun eine finden muss. Dabei darf es auf integrative Persönlichkeit oder auf rhetorische Führungsqualitäten nicht ankommen. Hertha braucht dringend eine Achse. De facto ist das Team seit dem Herbst ohne stabiles Rückgrat unterwegs, was mit den Verletzungen von Langkamp, Lustenberger und Baumjohann zu tun hatte, mit der Formkrise von Hosogai, und mit der Suche nach einer Position, auf der Jens Hegeler sich auratisch betätigen kann, immer in der Hoffnung, dass dabei auch ein wenig Fußball herauskommt.

Eine Frage scheint Dárdai vorläufig beantwortet zu haben: Brooks dürfte wohl vorerst Stammspieler sein. Damit bleibt die erste Achsenfrage: Wer wird zweiter Innenverteidiger? Eine Dreierkette, die ja in den allermeisten Fällen eine unausdrückliche Fünferkette ist, wäre gegen Augsburg sicher nicht ratsam. Es sollte also wohl Langkamp damit beginnen, sich wieder in diese Saison hineinzufinden. Hegeler gehört maximal auf die Bank.

Folgt das zentrale Mittelfeld. Fabian Lustenberger spielte das gegen Wolfsburg sehr konservativ, gegen Mainz zu aggressiv, davor war er im taktischen Geschwurbel von Jos Luhukay ein wenig verloren gegangen. Er sollte sich noch einmal auf dieser Position probieren, muss aber den Auftrag bekommen, den Kopf ein wenig höher zu tragen, denn seine Körperhaltung ist nicht dazu angetan, ihn die wenigen Passwege finden zu lassen, die Augsburg wohl bieten wird. Vielleicht wäre sogar ein Formation zu überlegen, die Hertha noch nie gespielt hat: Niemeyer oder doch besser Hosogai als Anchorman, und davor Lustenberger und Skjelbred als Umschaltspieler, Schieber davor als Mittelstürmer. Erspart uns die Zehnerfrage.

Bleiben die Außenpositionen. Kalou sollte über links kommen, vor Schulz, und Beerens über rechts. Im Grunde ein Arsenal-System, das aber weniger hasardös interpretiert würde, und das angesichts von Hjöberg und Altintop und Baier Sinn eindeutig Sinn macht.

Das alles vorbehaltlich der letzten Neuigkeiten aus der medizinischen Abteilung. Dárdai wird als Trainer nur Erfolg haben, wenn er über die gesteigerte Willensleistung hinaus auch eine gute Formation findet. Die ganze Saison hindurch mussten wir dabei zusehen, wie Spieler herumgeschoben wurden (Stocker, Hegeler, Schulz, Pekarik, Ndjeng), wobei in vielen Fällen gar nicht so sehr Polyvalenz der Grund war, sondern eine gewisse durchschnittliche Verlässlichkeit, die begrenzten Schaden versprach. Meistens reichte der Schaden aber doch für eine Niederlage.

Deswegen empfiehlt es sich, nun auf Experimente zu verzichten. Hegeler ist kein Innenverteidiger, sondern einfach ein langsamer Spieler, was man nicht automatisch als Vorteil für Stellungsspiel werten muss. Stocker ist kein Regisseur, und dieses Mal gesperrt. Hertha braucht gar keinen Regisseur, nur ein bisschen mehr Mut und Konzentration im Passspiel, und eine produktive Laufarbeit als Voraussetzung dafür. Dann sollte sogar gegen Ausgburg etwas gehen, gegen eine Mannschaft, die sich mit Hertha meist bleierne Duelle lieferte. Das lag aber wohl daran, dass beide Mannschaften nichts anbieten wollten. Hertha kann sich das jetzt nicht mehr leisten.


Eingestellt von marxelinho am 27. Februar 2015.
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