13. Juni 2015

Einzelkritik: Die Hertha-Spieler 2014/15

Thomas Kraft: Guter Rückhalt mit teilweise herausragenden Szenen in direkten Duellen. Unübersehbar weiterhin seine Schwächen im Spiel mit dem Ball. Ein halber Topkeeper. Perspektive: Stammspieler (braucht aber einen Herausforderer).

Peter Pekarik: Ordentlicher Außendecker, den Jos Luhukay zuweilen mit Ansprüchen auf Polyvalenz überforderte. Unter Dardai dann sehr konservativ. Vermittelt den Eindruck einer professionellen Berufsauffassung. Sympathieträger. Ebenfalls zu berücksichtigen: er ist preiswert. Perspektive: Stammspieler (braucht aber einen anderen Herausforderer als Marcel Ndjeng).

Sebastian Langkamp: Seine lange Verletzung war eine der prägenden Tatsachen dieser Saison. Guter No Nonsense-Verteidiger mit dem Talent, gelegentlich den sterbenden Schwan zu machen (i.e Offensivfouls zu ziehen). Spieleröffnung ausbaubar. Perspektive: Stammspieler.

John Anthony Brooks: Beinahe ein Opfer der merkwürdigen Pädagogik von Luhukay. Vielleicht das größte Talent im derzeitigen Kader von Hertha. Verteidigt initiativ und nicht nur abwartend, dadurch auch gelegentlich riskant. Probiert etwas nach vorn (vertikale Läufe, die Pässe brauchen noch). Erinnert schon häufig an Simunic. Perspektive: Führungsspieler. Gefahr: andere Vereine.

Marvin Plattenhardt: Passabler Außendecker, Andeutungen von offensiver Einbindung. Leider blieb sein Freistoß gegen den HSV eine einsame Ausnahme, danach ließen seine Standards stark nach. Perspektive: Einwechselspieler.

Fabian Lustenberger: Spielte eine halbe Saison, und das häufig stark. Überzeugender, wenn auch konservativer Sechser, kampfstark, elementar wichtig für das Gefüge. Braucht einen Nachbarn, der seine Rolle anders versteht. Perspektive: Mannschaftsführer.

Per Skjelbred: Mann für alle Fälle unter Luhukay, fand erst unter Dardai eine Position, vernachlässigte dabei aber zu häufig die offensiven Aufgaben. Ein Grund:  Hertha stand generell zu weit hinten. Ein individueller Grund: Skjelbred zeigt nicht immer die positionelle Intuition, die ihn interessant anspielbar macht. Kommt dadurch selten in Situationen. Perspektive: macht Druck von der Bank.

Roy Beerens: Relativ starke erste Saisonhälfte, sein Übersteiger schien dann aber schon ligaweit durchschaut. Aufgrund der Verletzung insgesamt schwer einzuschätzen. Vorteile: er kann direkte Duelle, er kann beschleunigen, er schließt auch ab. Perspektive: Stammspieler.

Nico Schulz: Hatte gegen den FCB einen Moment, der seine ganze Saison hätte definieren können, zeigte dabei aber eben auch seine immer noch mangelnde Erfahrung. Hat aber insgesamt eine der besten Entwicklungen im Kader genommen, lernt weiter dazu. Vorteile: Dynamik, Variantenreichtum. Perspektive: Stammspieler links hinten.

Genki Haraguchi: Ein paar gute Spiele zu Beginn, ein paar fast noch bessere zum Ende der Saison. Zieht tendenziell eher zum Sechzehner als zur Grundlinie, ist dadurch auch nicht so schwer auszurechnen, hat aber auch das Zeug zum hiesigen Robben (minus Torgefahr). Perspektive: Stammspieler.

Valentin Stocker: Seine schwierige Hinrunde begann im Grunde in dem Moment, in dem er bei der WM nach einer Halbzeit ausgewechselt wurde und nicht wiederkam. Weiteres Exempel der seltsamen Luhukay-Pädagogik. Seine Leistungen unter Dardai waren eher punktuell auffällig, er zeigte aber ein Talent für die besonderen Momente. War, auch aufgrund der mangelnden Arbeit von Kalou, defensiv stark gefordert. Die (relativ) hohe Ablöse hat er schon gerechtfertig, könnte nun angreifen. Perspektive: Stamm- bis Führungsspieler (Außenbahn).

Julian Schieber: Eine der Entdeckungen in einer Saison, in der schon Stückwerk für diese Qualifizierung reicht. Überzeugender Antritt, Zug zum Tor, Fähigkeit zum Kombinationsspiel, in vielerlei Hinsicht ein kompletter Mittelstürmer. Fragezeichen: die Physis. Perspektive: Stammspieler.

Salomon Kalou: Ich habe mich ausführlich mit ihm auseinandergesetzt, es ging ja nicht anders. Letztendlich bleibt doch keine andere Möglichkeit, als zu sagen: die große Enttäuschung der Saison. Andeutungen überragender Spielintelligenz reichen nicht, wenn die Basics fast vollständig fehlen: kein Spiel gegen den Ball, keine Intensität, stattdessen ein untaugliches Suchen nach eleganten Lösungen. Brachte sich für die Rolle des Zehners ins Gespräch, was ich schon in der Winterpause vorgeschlagen hatte, allerdings scheint er dabei nicht zu bedenken, dass das eine äußerst arbeitsintensive Stelle ist. Perspektive: vollkommen unklar.

Jens Hegeler: Wird auf der Hertha-Webseite als Verteidiger geführt, was man schon als Indiz werten darf. War offensiv weitgehend wertlos, sieht man von einer wichtigen Vorlage für Kalou gegen Augsburg ab. Eigenartig auch seine Körpersprache: Strahlt ein Phlegma aus, mit dem man den IS bekämpfen könnte. Perspektive: keine.

Sandro Wagner: Der dritte Stürmer im Kader sollte einer sein, der wirklich Druck macht, der auch eher jünger sein sollte und nicht schon ein wenig nach Gnadenbrot riechen. Für diese Aufgabe hat Hertha einmal jemand wie Kachunga geholt. Perspektive: keine.

Änis Ben-Hatira: Hat sich mit seiner Begeisterung für die Nationalmannschaft keinen Gefallen getan, wenngleich seine kulturelle Botschafterfunktion sehr wertvoll ist. Sportlich eine Saison zum Vergessen, deutete allerdings zwischendurch an, wie wertvoll er sein könnte. Braucht eine Vorbereitung ohne Probleme, und generell äußerste Sensibilität für seinen Körper. Vorzüge (sportlich wie auch allgemein): Lernbereitschaft, Explositivät, Charisma. Wird in der Sommerpause 27, kommt also ins beste Alter. Perspektive: Macht Druck von der Bank, spielt sich vielleicht ins Team. Sympathieträger.

Hajime Hosogai: Wurde unter Dardai womöglich zu Unrecht so abgefertigt, muss aber insgesamt als Auslaufmodell gesehen werden.

Peter Niemeyer: Sehr verdienstvoll, hatte nur noch wenige Momente. Auslaufmodell.

Marcel Ndjeng: Im vergangenen Herbst gab es in irgendeiner Zeitung eine Geschichte über ihn unter dem Motto "Nie war er so wertvoll wie jetzt". Da war ich schon argwöhnisch. Durchschnittsprofi, der zuletzt auch mit dem ruhenden Ball nicht mehr viel anzufangen wusste. Perspektive: keine.

Johannes van den Bergh: Für ihn lief die Saison ganz schlecht, er hatte aber im Grunde in der Spielzeit davor die Chancen, sich zu etablieren, nicht mit der letzten Überzeugung gelöst. Perspektive: keine.

Ronny: kein Kommentar.

Tolga Cigerci, Alexander Baumjohann: Saison zum Vergessen.


Eingestellt von marxelinho am 13. Juni 2015.
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