13. August 2004

Erste Runde

Erste Erkenntnisse nach dem Spiel gegen Bochum: Die Mannschaft hat Potential, aber viele von den alten Problemen sind keineswegs gelöst. Es mag sonderbar klingen, aber den verlorenen Punkt laste ich Marcelinho an: Er hat in den entscheidenden 15 Minuten nach der Pause, bei einer Führung von 2:0, begonnen, das Spiel zu überdrehen. Er war eigensinnig, ineffizient, und die Szene, als er auf rechter Position beinahe eine Minute lang stehend und über den Ball steigend einen gegnerischen Verteidiger gedemütigt hat, daraus aber eben keine Chance produziert hat, steht für die ganze Undiszipliniertheit, mit der Marcelinho sein Talent immer wieder vergeudet. Die Hertha hätte dieses Spiel mit 6:0 gewinnen können, wäre sie eine Mannschaft, die in der Leidenschaft auch kühl ist. Sie ist aber noch immer ein wenig manisch-depressiv.

Zum Grundgefüge: Falko Götz hat die meisten Personalfragen gut gelöst. Es war hoch an der Zeit, daß Dick van Burik aus der Innenverteidigung abgelöst wird, die Zentrale mit Friedrich und Simunic überzeugt, die rechte Seite mit Oliver Schröder finde ich eine echte Bereicherung, und links werden wir noch ein paar Spiele mit Hartmann leben müssen, bis auch Götz, der ihm aus den alten Tagen vor zwei Jahren verbunden ist, eingesehen haben wird, daß er technisch zu limitiert ist, um einem Team mit Perspektive anzugehören. Die positive Erscheinung ist für mich Thorben Marx, der zwar immer ein wenig phlegmatisch wirkt, der aber mehrmals angedeutet hat, daß er mit Marcelinho auf kurze Distanz gut kombinieren kann - er hat ein tolles Spiel gemacht. Was man auch schon sieht: Nach hunderten vergeudeten Eckstößen darf nun auch einmal jemand anderer als Marcelinho die Corner treten, und sofort ist wieder Gefahr im Verzug.

Ich will nicht mißverstanden werden: Ich schätze Marcelinho, aber er braucht mehr als jeder andere Hertha-Spieler einen Trainer, der ihn führt, der ihn auch intellektuell betreut, der ihn kritisiert und ihm Richtlinien gibt. Gilberto ist gegenüber dem desolaten Bart Goor der letzten Saison auf jeden Fall ein Plus, und das, was er nach hinten nicht arbeitet, kompensiert Pal Dardai, der im Spielaufbau aber ziemlich unproduktiv ist. Er ist immer ein wenig zu hektisch.

Wichniarek ist ein Stürmer, dessen Bewegungsabläufe eine Augenweide sind: Man muß nur einmal sehen, wie er zum Kopfball geht (so groß ist er ja nicht) - im Gegensatz zu Bobic, der praktisch bei jedem Luftzweikampf in der Offensive ein Foul begeht (und dann mault, wenn gepfiffen wird), gewinnt Wichniarek auch dort Bälle, leitet sie weiter, produziert Chancen, und schafft welche für sich selbst. Ich setze auf ihn, und sehe nicht, wie Bobic noch einmal aus seiner Position des Erniedrigten und Beleidigten herausfinden soll: Das Pech, das er dann auch noch hat, verdient er sich redlich.

Nando Rafael wird ihn beizeiten ersetzen, sobald er seine Nerven in den Zaum bekommt. Wo soll nun Yildiray Bastürk spielen, wenn er wieder fit ist? Ich warte auf den Moment, da Götz zum ersten Mal den Mut haben wird, Marcelinho auch einmal auszutauschen, dessen Leistungen immer stark schwanken. Wo soll Billy Reina spielen? Neben Wichniarek, der erst in dieser Konstellation seine besten Spiele machen wird. Wo soll Niko Kovac spielen? Nicht in der ersten Mannschaft. Wo soll Malik Fathi spielen? Auf der Position von Hartmann. Wer soll die Bayern schlagen? Hertha BSC!


Eingestellt von marxelinho am 13. August 2004.
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