15. März 2014

Gestaltungswille

Die spontanen Gedanken zur 0:3-Heimniederlage gegen Hannover 96: Hertha hat während der Winterpause so ziemlich komplett den Faden verloren. Mit der Ausnahme des Spiels gegen den HSV und einer akzeptablen zweiten Hälfte gegen Mainz zeigen sich momentan deutliche Probleme. Verletzungen tragen auch dazu bei, sind aber kein hinreichender Grund.

Einzelne Spieler suchen die Form, die Mannschaft sucht ein Spiel, der Trainer sucht eine Balance zwischen flacher Hierarchie im Kader und pädagogischen Experimenten mit einzelnen Spielern. Dabei ist er nicht immer überzeugend.

Drei Personalien prägten das Spiel. Fabian Holland spielte statt van den Bergh links hinten. Er hatte gegen Mainz eine passable Leistung gezeigt, andererseits ist doch die Frage, ob es in seiner Situation notwendig ist, ihm Spielpraxis zu geben. Denn dass er eine wirkliche Perspektive hat, kann ich ich nicht sehen. Holland war es dann auch, der Bittencourt zu Beginn der zweiten Hälfte nicht ausreichend unter Druck setzte, sodass der den Ball für Stindl zur Mitte bringen konnte.

Niemeyer spielte neben oder leicht vor Hosogaj im defensiven Mittelfeld, blieb aber völlig wirkungslos. Ich hätte diese Variante in Mainz besser verstanden, gegen Hannover zuhause wäre mir Skjelbred neben Hosogaj plausibler erschienen.

Die Variante mit Niemeyer war auch eine latente Misstrauenserklärung gegen die dritte wichtige Personalie: gegen Ronny, der aber insgesamt ein gutes Spiel machte und auch defensiv keineswegs schlampte. Er inszenierte die beste Kombination von Hertha kurz vor der Pause, als Skjelbred allerdings knapp verzog, der Ball hatte zuviel Drift nach rechts.

In der ersten Halbzeit hatte es Möglichkeiten gegeben, eine hungrige Mannschaft hätte Hannover auseinandergenommen. Doch Hertha wirkt nicht hungrig, sondern seltsam verhalten, es fehlt an interessanten Läufen in die leeren Räumen, es fehlt generell an Flexibilität, und es fehlt auch ein bisschen an der Intuition für Situationen: zu viele werden einfach abgebrochen, weil der sichere Pass nach hinten einfach zu selbstverständlich akzeptiert wird.

Nico Schulz, an dem der Trainer ja zuletzt auch ein kleines pädagogisches Exempel statuiert hatte, wirkte anfangs verunsichert, zeigte aber immerhin, dass er etwas wollte. Hany Mukhtar, ein anderer Junger, kam für eine halbe Stunde, fand aber nicht ins Spiel. Und der Publikumsliebling in der Innenverteidigung, Levan Kobiashvili, setzte seine abenteuerlichen Aktionen, die er schon gegen Mainz gezeigt hatte, fort. Es wäre gut, ihm bis zum Spiel gegen den BVB eine Pause zu geben, sonst gibt es dann keine Legende mehr, die zu besiegeln wäre.

Es hilft jetzt nichts, bis zum Comeback von Cigerci oder gar Baumjohann durchzutauchen. Die Mannschaft braucht eine Idee, wie sie wieder ins Spiel finden kann. Das muss von hinten heraus entwickelt werden, denn allein mit Umschalten wird man in der Liga nicht glücklich werden. Dazu warten zu viele Mannschaften inzwischen darauf, das ihrerseits zu tun.

Langkamps hilflose lange Bälle sind das deutlichste Sympton dafür, dass generell in der Organisation etwas nicht stimmt; auch so ein Indiz: Hosogaj, inzwischen immer der letzte Mann vor der Viererkette, hat an offensiver Qualität eingebüßt. Die ganze Hinrunde hindurch war Hertha ein effektives Manndeckerensemble, das klug in die Räume ging. Damit kam die Mannschaft bis zur Kandidatur für Europa. Nun ist Wahlkampf. Jetzt braucht es auch Gestaltungswillen, nicht nur Opposition.


Eingestellt von marxelinho am 15. März 2014.
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