06. November 2013

Grundbummeln

In den letzten Wochen war ich viel unterwegs, das verträgt sich mit der Begeisterung für Fußball gar nicht gut. Spiele im Hotel zu schauen, auf dem Computer, mit allerlei Tricks die Ländergrenzen überwindend, die es auch im "weltweiten" Netz gibt, das macht oft nur wenig Freude. Heute steige ich aber trotzdem in einen Zug und fahre einmal quer durch die Republik, und dieses Mal ist Fußball der Anlass der Fahrt: Arsenal spielt beim BVB, ich habe mir den Luxus gegönnt und über ein Reisebüro eine Karte besorgt. Wo ich sitze, weiß ich noch nicht, der Eindruck wird aber ein wenig abgeschwächt sein, denn bei CL-Spielen dürfen nur 65000 ins Stadion, die "gelbe Wand" wird ein bisschen weniger laut und kompakt sein als bei einem Ligaspiel.

Es spricht alles dafür, dass es ein spannendes Spiel wird, denn Arsenal hat ja das Heimspiel vor drei Wochen vergeigt (Bacary Sagna lief bei einem späten BVB-Konter nicht mehr mit zurück, sodass Lewandowski eine Flanke von Großkreutz, der davor mehrfach den Himmel durchlöchert hatte mit seinen Hereingaben - man verzeihe die Metapher, ich habe gerade einen Artikel über Neues aus der Kosmologie gelesen -, verwerten konnte: 1:2 war das Endergebnis).

In der Premier League führt Arsenal nach einem Heimsieg gegen Liverpool mit fünf Punkten Vorsprung. (Ein Spiel, das ich nicht sehen konnte, weil ein bekannter Trash-Autor eine Lesung in meiner Heimat hatte, die ich besuchen wollte.) Interessanterweise ist der Hype um Mesut Özil zuletzt ein wenig abgeklungen, es ist insgesamt die Offensivabteilung, die überzeugend auftritt.

Arteta, um ganz hinten anzufangen, spielt wieder initiativer und strukturierter, was man ganz klar als Effekt einer Konkurrenzsituation mit dem Neuzugang Flamini sehen kann (mit dem er aber auch nebeneinander spielen kann); Rosicky macht das Kombinationsspiel sichtlich Spaß; Cazorla findet sich nach einem anstrengenden Sommer und einer Verletzung allmählich wieder in die Mannschaft; Özil versteht sich prima mit dem offensiven Rightback Sagna; Giroud spielt eine unberechenbare Zentralspitze, er legt gern originell ab; und dass Aaron Ramsey zu einer zentralen Figur werden würde, war in der Rückrunde der letzten Saison schon tendenziell absehbar, dass er aber so wirkungsvoll werden würde, das hat sicher mit dem katalytischen Element zu tun, dass Özil die Aufmerksamkeit (nicht nur der Gegner auf sich zieht). Schließlich gibt es mit Serge Gnabry einen Jungstar, der auf den rechten Flügel geschickt werden kann. Verlierer dieser Konstellation ist Jack Wilshere, der mit Verletzungsproblemen kämpft. Auch für Walcott, nicht zu reden von Podolski, wird es nicht leicht, wieder in die erste Elf zu finden.

Dazu kommt eine solide Viererkette, und ein starker Keeper. Im Heimspiel gegen den BVB konnte man aber auch sehen, dass die alten Arsenal-Probleme keineswegs behoben sind: eine unentschlossene Taktik (oder eigentlich gar keine) brachte es dort mit sich, dass die Mannschaft nie so richtig aus der Defensive kam, das Pressing des BVB war der dominierende Faktor, Arsenal versuchte zwar wie immer, "sein Spiel" aufzuziehen, war aber über weite Strecken ohnmächtig. Arsène Wenger "knows" eben nur eine Stilistik, ich kann mich nur an ganz wenige Spiele erinnern, in denen Arsenal eine spezifische Konfiguration zeigte (gegen Barcelona in der CL zum Beispiel).

So bin ich also umso gespannter, wie er sich die Sache in Dortmund vorstellt. Ich hoffe, dass mein Platz es mir erlaubt, das Spiel mit taktischem Auge zu sehen, dass ich also nicht zu niedrig sitze. Einen Film werde ich auch drehen, ich freue mich auf einen Höhepunkt meiner Grundbummlerei.


Eingestellt von marxelinho am 6. November 2013.
Keine Kommentare