23. Oktober 2009

Heerscharen

Die Hertha hat in dieser Saison schon alle möglichen Formen von Niederlagen ausprobiert, sie besteht allmählich aus Connoisseuren des Verlierens. Gestern gab es in der Europa League gegen den SC Heerenveen aus den Niederlanden eine unnötige, aber irgendwie eben auch konsequente 0:1-Niederlage, bei einem Chancenverhältnis von geschätzten 7:3 für Berlin. 13000 Unentwegte waren gekommen, die Ostkurve war willens, noch einmal ihren Beitrag zu leisten. Der Trainer verband in seiner Aufstellung Risiko (Bigalke auf links!) mit Inkonsequenz (Wichniarek von Beginn an, er wird aber in dieser Saison als Stammspieler nicht mehr durchsetzbar sein).

Ramos hatte nach vier Minuten schon eine tolle Chance, es gab flinke Spielzüge und relativ wenig Probleme durch den Gegner. Die erste Halbzeit neigte sich schon dem Ende zu, da ging Patrick Ebert ein offensiver Ball verloren, und am anderen Ende des Spielfelds war Pejcinovic durch einen spielverlagernden Pass überfordert. Er ließ sich überlaufen, zentral herrschte Unordnung, weil Hertha ja gerade noch am Ball gewesen war, und schon war das nächste Hertha-Gegentor dieser Saison geschehen. Es fiel so, als hätte Heerenveen alle Hertha-Fehler dieses Jahres studiert und sich dann den Klassikaner ausgesucht, bei dem die ganze Viererkette blöd aussieht.

Zur Pause brachte Funkel endlich Domovchyiski, später auch noch Kacar und Raffael, und alle hatten sie ihre Möglichkeiten im zweiten Durchgang, sie vergaben aber zum Teil jämmerlich. In der Nachspielzeit gab es noch Tumult und eine gelb-rote Karte für Patrick Ebert.

Einige wütende Fans sangen zum Abgang der Spieler ihre neue Parole: "Wir sind Herthaner, ihr seid es nicht!" Da kann ich nicht beipflichten, denn ich bin als Herthaner von den Spielern abhängig, ich bin kein Idealist als Fan, die Mythologie und bis zu einem gewissen Sinn sogar die Historie des Clubs ist mir nicht so wichtig, ich will nur, dass die Hertha spielt, und zwar Bundesliga und erfolgreich. Selbst kann ich das nicht, weil ich ja Fan bin. Also sind die Spieler meine Herthaner.

Gibt es Anzeichen für Besserung? Ich würde sagen: Ja, ein bisschen. Kämpferisch und läuferisch war das eine Steigerung, Lustenberger empfahl sich für weitere Einsätze, und auch Cicero wirkte wie teilreanimiert, bevor Funkel ihn zum Duschen schickte, hoffentlich, um ihn für Wolfsburg zu schonen. Am Ende stand beinahe die Mannschaft auf dem Platz, der ich das Vertrauen aussprechen würde: Domo und Ramos im Sturm, Kacar und Lustenberger zentral, Raffael und Ebert außen. Keine Weltmacht, aber vielleicht gut genug, um von Wolfsburg grob unterschätzt zu werden.


Eingestellt von marxelinho am 23. Oktober 2009.
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