17. Dezember 2013

Herausforderung

Eine einzige schnelle (für Per Mertesacker zu schnelle) Bewegung von Gonzalo Higuain hat vor einer Woche dazu geführt, dass das Champion's League-Achtelfinale aus dem Vorjahr eine Neuauflage findet: Arsenal gegen den FC Bayern, neuerlich zuerst das Heimspiel im Emirates, danach in München. In Neapel, wo ein Punkt für den Gruppensieg gereicht hätte, wollte Arsenal auch nicht mehr. Das rächte sich, weil mit zunehmender Spieldauer die Spannung nachließ, und das gibt dann eben Momente für jemanden wie Higuain, der ansatzlos explodieren kann. Insgesamt sah mir sein Spiel allerdings so aus, dass ich keineswegs traurig darüber bin, dass er nicht nach Londn gewechselt ist im Sommer, er spielt doch eher einen gomezigen, nicht-integrierten Verwerter als einen vordersten Umschaltspieler, wie das ein Mandzukicz so wadenbeißerisch vorlebt, oder in Berlin der defensiv wie offensiv großartige Adrián Ramos.

Arsenal bekommt nun also Gelegenheit, zu demonstrieren, ob sich in diesem einen Jahr etwas verbessert hat. Auf der einen Seite steht eine Mannschaft, die in einen Frühling der potentiell absoluten Dominanz geht, an der sich nun allerdings auch ganz Europa ausrichtet. Im Vorjahr ging Arsenal naiv vor allem in das Heimspiel, nach einer Halbzeit war die Sache im Grunde entschieden, alles, was danach kam, war für die Ehre. Das 2:0 in München könnte sich nun als tückisch erweisen, weil es nämlich dazu angetan ist, die Kräfteverhältnisse falsch einzuschätzen.

Trotz des deutlichen Außenseiterstatus glaube ich allerdings, dass Arsenal, wenn der Coach eine kluge Einstellung findet, eine seriöse Herausforderung für den FC Bayern darstellen könnte. Dazu braucht es aber eine Rückkehr zu einem etwas orthodoxeren System als zu dem amorphen Mittelfeld, das zuletzt häufig zu sehen war. Die Rückkehr von Walcott und vielleicht sogar von Oxlade-Chamberlain könnte sich als wichtig erweisen. Allerdings sind bis zum ersten CL-Match noch 13 Spiele zu absolvieren, darunter kurz vor den Bayern das schwere Auswärtsspiel in Liverpool und gleich danach das Heimspiel gegen Manchester United. Und wir wissen auch nicht, welche Verpflichtungen Arsenal im Winter noch machen wird - einen Stürmer ziemlich sicher, denn Olivier Giroud braucht Konkurrenz und Entlastung. Muss ja nicht Kevin Volland sein, von dem zuletzt verschiedentlich die Rede war.

Für die nächsten zwei Monate ist nun jedenfalls das Geschehen perspektiviert: Ich werde bei jedem taktischen Manöver Arsenals, bei jedem unterbliebenen Zurücklaufen von Walcott oder Cazorla, bei jedem Ausflug von Ramsey oder Özil, bei jedem Ballverlust von Flamini oder Arteta, an die Bayern denken. Das große Spiel im Februar ist die Folie, vor deren Hintergrund ich mir viele Spiele ansehen werde. Das gilt bis zu einem gewissen Grad sogar für Hertha, die allerdings einen Monat Pause haben wird, was mir vielleicht Gelegenheit geben könnte, meinen Vergleich von Tolga Cigerci mit Aaron Ramsey zu erhärten, indem ich mir ein paar Hertha-Spiele noch einmal anschaue. Doch halt, ich vergaß, Hertha hat ja keinen Clubkanal. Ist doch noch nicht alles perfekt beim Hauptstadtclub.


Eingestellt von marxelinho am 17. Dezember 2013.
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