26. Februar 2015

Herz schlägt Hirn

Es war eine helle Freude, Arsenal gestern gegen den AS Monaco spielen zu sehen. Die erste halbe Stunde war ein Feuerwerk, man hatte den Eindruck eines Trainingsspiels, auf den Endzweck kam es nicht an, es ging nur um interessante Läufe, feine Pässe, weit aufgerücktes Arbeiten gegen einen Gegner, der wirkte, als wäre er eigens dazu bestellt, dieser funkelnden Arsenal-Offensive einen guten Test zu ermöglichen.

Leider war es ein reguläres Spiel, das Hinspiel im Viertelfinale der Champion's League, und leider hatte Monaco einen Plan, der auf das Weiterkommen in diesem Bewerb ausgerichtet war. Noch vor der Pause bot sich zum ersten Mal ein prächtiger Raum im Mittelfeld, Kondogbia zog ab, Mertesacker lenkte ab, Ospina war perplex. Damit hatte Monaco ein Auswärtstor, und Arsenal rannte hinterher.

Ich muss gestehen, dass ich von Monaco nicht viel wusste. Ich war also ebenso naiv wie Arsène Wenger, der seine Mannschaft mit einem Hurra-Ansatz auf das Feld gehen ließ. Allerdings bin ich nicht hauptberuflich und hochbezahlt damit beschäftigt, ein Team für einen Wettbewerb zu präparieren, aus dem Arsenal nun einmal mehr früh auszuscheiden droht. Die taktische Unzulänglichkeit, mit der Arsenal sich immer wieder präsentiert, ist fast schon ein Markenzeichen geworden - die Anfälligkeit für Umschaltmanöver war aber gegen Monaco vor allem deswegen eklatant, weil angeblich die Mannschaft selbst von Wenger zuletzt in der Liga eine zurückhaltendere, sicherheitsbetontere Spielweise gefordert hatte.

In der zweiten Halbzeit war es ausgerechnet Per Mertesacker, der mit einem Zweikampf weit in des Gegners Hälfte noch größeres Unheil heraufbeschwor. Berbatov schloss einen lupenreinen Konter gelassen ab. Danach nahm Wenger seinen einzigen Sechser Coquelin vom Platz (der hatte auch in der Szene mit Kondogbia deutlich seine Aufgabe verfehlt und war ganz wo anders auf dem Platz), ersetzte ihn durch Alex Oxlade-Chamberlain, der dann in den "sterbenden Momenten" des Spiels noch zum tragikomischen Helden wurde: Zuerst erzielte er mit einem überlegten Schuss von der Sechzehnmetermarke den Anschlusstreffer, gleich danach verlor er einen Ball so, dass Monaco in der allerletzten Minute noch das 3:1 erzielte.

Wir waren ein bisschen "suizidal", sagte Wenger danach in der Pressekonferenz. "Wir haben gehudelt (we rushed the game)." Er war wohl selber ein wenig verdutzt, dass seine ehemalige Mannschaft (seine Karriere begann beim AS Monaco) eine so phänomenale Leistung zeigen würde, nahezu perfekte Staffelung und Geschmeidigkeit in Kontraktion und Expansion. Natürlich hatte Monaco nach dem ersten Tor das Momentum auf seiner Seite, aber das dann auch so geschickt zu nützen, das gereichte nicht zuletzt dem Bewerb zur Ehre. Im Viertelfinale der Champion's League wird schon außergewöhnlich gut gespielt, ich wurde zwischendurch manchmal kurz ein wenig trübsinnig, wenn ich mir Hertha in so einem Match vorzustellen versuchte.

Aber es hat eben jede Begegnung ihre eigenen Bedingungen. Arsenal hat sich allerdings in den letzten Jahren doch verlässlich als eine Mannschaft erwiesen, die sich auf diesem Niveau gern überrumpeln lässt. Das Heimspiel gegen Barcelona 2012 war das letzte, bei dem ich einen Plan erkennen konnte.


Schade ist die Naivität vor allem deswegen, weil Arsenal 2015 großartige Ideen hat, wie ich schon sagte: die ersten dreißig Minuten waren wunderbar, nur nicht unter dem Aspekt, dass Fußball ein Ergebnissport ist. Nach dem 0:2 bewies übrigens Mesut Özil einmehr mehr, dass er für die Spiele, in denen es hügelaufwärts geht, nicht geeignet ist. Er verschwand von der Szene, aber Wenger wollte ihn nicht auswechseln.

Ceterum censeo, dass Szceszny der bessere Torhüter als Ospina ist.


Eingestellt von marxelinho am 26. Februar 2015.
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