07. Januar 2015

Immer an die Schublade denken

Eine beiläufige Bemerkung in einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung ließ mich heute morgen stutzig werden. Es ging um die Karriere von Andreas Rettig, der seine Funktion bei der DFL aufgibt und wieder im Clubfußball arbeiten möchte. Dabei fällt zuerst der Name Eintracht Frankfurt, dort wurde auch schon dementiert. Philipp Selldorf schließt seinen Text dann mit den mehr als kryptischen Worten: "Über seinen (Rettigs) nächsten Arbeitgeber darf jetzt spekuliert werden, etwa in Berlin oder Hannover - und natürlich in Frankfurt."

In Berlin? Da ist doch Michael Preetz unumstritten. Oder nicht? Es lohnt sich durchaus, darüber kurz nachzudenken. Stand Winterpause 2015 gibt es bei Hertha sicher keine oder jedenfalls keine auch nur in Andeutungen öffentlich wahrnehmbare Diskussion über den Manager. Allerdings gibt es Gründe, sich auf eine entsprechende Diskussion vorzubereiten.

Michael Preetz hat sein Schicksal bisher sehr stark mit Jos Luhukay verbunden, dem er im Herbst auch schon eine Vertragsverlängerung angetragen hat, was vermutlich (hoffentlich) nur Rhetorik war, um allen Ansätzen zu einer Trainerdiskussion zu wehren. Die Entscheidung für Luhukay war nach seinen Fehlentscheidungen davor (Funkel und vor allem Rehhagel) und der damals plausiblen für den Mann mit den opportunistischen Tätowierungen die wichtigste und beste in seiner bisherigen Tätigkeit für Hertha.

Nun steht er mit Jos Luhukay allerdings in einer kritischen Situation. Einen dritten Abstieg würde Preetz nicht überstehen, das würde ihn sicher das Amt kosten. Allerdings müssen seine Szenarien auch noch kurzfristiger sein: er muss einen Plan für den keineswegs auszuschließenden Fall haben, dass Hertha Mitte Februar nach direkten Duellen gegen Bremen und Freiburg und schwierigen Spielen gegen Leverkusen und Mainz so in die Bredouille gerät, dass ein Trainerwechsel erfolgen muss.

Aber auch wenn die Saison mit Luhukay zu Ende gespielt wird, wenn der Klassenerhalt gelingt, so sind das doch keineswegs die einzigen Kriterien. Hertha kann sich ein vergeudetes Jahr wie 2014 nicht noch einmal leisten. Und zwar auch deswegen, weil durch das KKR-Engagement ein Zeithorizont etabliert wurde, der immer mit berücksichtigt werden muss. Preetz muss also auch für den Sommer 2015 etwas in der Schublade haben, ein knappes Davonkommen wie 2014 kann dieses Mal nicht mehr genügen.

Bisher haben sowohl der Trainer wie auch der Manager vorbildlich die Contenance gewahrt, und keinerlei Differenzen erkennen lassen. Allerdings ist unübersehbar, dass Luhukay mit dem sehr großen Kader nicht gut zurechtkommt. Insgesamt hinterlässt er schon eine Weile den Eindruck, dass er eher herumprobiert, als dass er eine Strategie hat. Preetz kann das nicht entgangen sein. Er muss also auf jeden Fall etwas in der Schublade haben.

Bleibt die Frage, von dem in Berlin Überlegungen ausgehen könnten, auf die Selldorf in der SZ anspielen könnte. Das müsste ja jemand aus dem Aufsichtsrat sein, denn zwischen Präsident Gegenbauer und Manager Preetz passt ja nach landläufiger Meinung kein Reinigungstuch. Ich würde einmal vermuten, dass niemand im Aufsichtsrat sitzt, der zum jetzigen Zeitpunkt irgendetwas auch nur in Andeutungen lancieren würde, das Michael Preetz hinterfragt. Dann bleibt als Möglichkeit also nur, dass Selldorf das einfach so hingeschrieben hat.


Eingestellt von marxelinho am 7. Januar 2015.
Keine Kommentare