23. Dezember 2013

Kanonenpolitik

Die Situation rund um Adrián Ramos hat sich sicher durch sein tolles Tor gegen Dortmund weiter verändert. Mich interessiert daran natürlich vor allem das an sich zuerst einmal eher abenteuerliche Gerücht, dass der Arsenal FC sich mit ihm beschäftigen könnte. Die Quelle dafür, auf die ich in meinem letzten Eintrag verlinkt habe, ist eher dubios: eine der vielen Sportwebseiten in England, die voneinander und aus der Gerüchteküche abschreiben. "Arsenal eye prolific striker", lautet die Schlagzeile, und zwar "as a capable backup player".

Könnte da etwas dran sein? Ich meine: ja. Von Seiten von Hertha ist die Sache relativ einfach. Ramos hat Vertrag bis 2015, das heißt, dass er dringend in den nächsten Wochen verlängern müsste, damit der Club ihm gegenüber nicht in die Defensive gerät. Unterschreibt Ramos nicht, und kann er an seine Leistung aus der Hinrunde im neuen Jahr anschließen, dann ist er der Topkandidat für einen Sommertransfer (oder eine Geschichte, wie sie der BVB mit Lewandowski hat). Selbst wenn er unterschreibt, könnte es Angebote geben, nur würde sich die Verhandlungsposition von Hertha verbessern.

Das Gerücht aus England bezieht sich allerdings auf die Winterpause, und das macht die Sache für meine Begriffe sogar ein wenig realistischer. Arsenal wird im Januar einen Stürmer kaufen, das ist ziemlich sicher, alles andere wäre auch unvernünftig. Die derzeitige Nummer eins im Angriff ist Olivier Giroud, ein brillanter Mann, wie vor allem sein Siegtor gegen Tottenham zeigte. Zuletzt fehlte es ihm allerdings, wie insgesamt der ganzen Mannschaft, ein wenig an Durchschlagskraft. Auf der Bank war dann nur noch Nicklas Bendtner, der dänische Hochbegabte mit der mangelhaften Einstellung. Für einen Frühling, in dem es vielleicht um die englische Meisterschaft und in der CL gegen den FC Bayern geht, reicht das nicht.

Die meisten Beobachter rechnen damit, dass Arsène Wenger einen großen Namen holen wird. Karim Benzema wird häufig genannt, zuletzt rückte Diego Costa von Atletico Madrid in den Fokus, der dort wesentlich zu einer tollen Saison beiträgt. Was spricht im Vergleich für Ramos? Vor allem die Zögerlichkeit von Wenger, viel Geld auszugeben. Ich halte es für gut möglich, dass Arsenal mit einem Gebot in der Höhe von sechs Millionen Euro herauskommt, wohl wissend, dass Hertha darauf nicht einsteigen wird. Aber auch zehn oder sogar zwölf Millionen wäre denkbar, eine Summe, die Ramos durchaus wert ist, wenn man die richtige Verwendung für ihn hat. Das ist aber eben zweifelhaft bei Arsenal.

Giroud wäre weiterhin der erste Mann im Sturm, für Ramos aber würde eine Phase der Adaption auf der Insel beginnen, die vor der WM von vielen Unsicherheiten geprägt wäre. Da man immer wieder liest, dass ihm die kolumbianische Nationalmannschaft wichtig ist, hat Hertha da auf jeden Fall bis zum Sommer ein starkes Argument, denn hier ist Ramos unumstritten, und er bringt sich mit vielfältiger Leistung ein - seine Zweikampfwerte sind fast mandzukisch.

Es ist also eine interessante Gemengelage. Heute Abend spielt Arsenal gegen Chelsea, bei einer Niederlage würden sie, nachdem sie vor kurzer Zeit noch deutlicher Vorsprung in der EPL hatten, auf Platz 4 durchgereicht. Morgen haben wir also schon wieder eine neue Situation. Der Winter wird spannend.


Eingestellt von marxelinho am 23. Dezember 2013.
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