26. Oktober 2009

Lebenszeichen

Die Hertha hat gestern gegen den VfL Wolfsburg den ersten Ligapunkt seit Mitte August geholt, in einem torlosen Remis mit vielen Torszenen auf beiden Seiten. Es war mehr als nur ein Lebenszeichen, es war eine Leistung, an der das Team sich orientieren könnte, es war ein Spiel, aus dem viele positive Schlüsse gezogen werden können.

Der wahrscheinlich entscheidende Coup kam schon mit der Aufstellung: Funkel stellte Dardai neben Lustenberger, den ich nach dem Spiel gegen Heerenveen nicht sofort wieder in der Startelf erwartet hatte. Der offensiv gegenüber Dardai deutlich fähigere junge Schweizer spielte in einem 4-2-4 die Rolle des Umschalters, offensiv traten Raffael, Kacar, Ramos und Ebert an, und zwar mit Verve.

Die ersten zehn Minuten gehörten vollständig Hertha, dann gab es eine Situation, wie sie für die gegenwärtige Situation so typisch ist: Raffael spielt einen dummen Pass, Pejcinovic ist mit ihm in der Vorwärtsbewegung, beide laufen teilnahmslos zurück, während der Wolfsburger Konter schon am eigenen Strafraum ist. Obafemi Martins war beim Tor um einen Schritt im Abseits, zum Glück wurde das auch erkannt, denn es wäre andernfalls ein Schock Marke Hertha im Herbst 2009 gewesen.

Danach entwickelte sich ein offenes Spiel, in dem die Heimmannschaft die 36000 Zuschauer allmählich aus der Lethargie holte. Hertha spielte gut nach vorn, hatte aber im letzten Drittel nicht die notwendige Geduld. Kacar und Ebert vor allem verzichteten in interessanten Momenten auf den möglichen Pass, sie wollten zu viel zu schnell, und wer kann es ihnen verdenken?

Wolfsburg war bis zum Ende jederzeit für ein Tor gut, es fiel aber nicht, und beim Chancenverhältnis lag Hertha doch deutlich vorn. Signifikant für die kämpferische Leistung von Berlin sind die sechs gelben Karten für Wolfsburg, gegenüber einer für Raffael, der tolle Beschleunigungen brachte, wie auch der stärker werdende Ramos.

Mit der Rückkehr von Drobny zeigte sich auch die Viererkette konsolidiert, Pejcinovic entschied einige markante Zweikämpfe für sich, Stein schien sehr konzentriert. Kacar ist besser, wenn er, wie gestern, von der absichernden Defensivarbeit befreit ist - das ist eine wichtige Erkenntnis, wie sich insgesamt gestern eine flexible Offensivformation andeutete, die personell variiert werden kann (Domo, Pisczczek) und noch an Abschlussschwäche laboriert.

Welche Rolle Ramos genau einnehmen kann, muss sich weisen. Man sieht deutlich, was Favre auf der DVD gesehen haben muss, aufgrund derer er sein Plazet zu diesem Transfer gegeben hat: Antritt, Aktionsradius, das sieht alles gut aus. Aber wird er Tore schießen?

In der Tabelle ist die Lage für Hertha seit gestern weitgehend klar: Bochum, Nürnberg, Gladbach und Köln sind die Vereine, zu denen sie den Kontakt nicht verlieren darf, damit sie sich langfristig vielleicht doch aus diesem Pulk befreien kann. Wenn es gelänge, die Leistung von gestern am Freitag in Dortmund zu bestätigen und einen weiteren Punkt mitzunehmen, dann könnten wir vielleicht wirklich wieder ein wenig optimistischer werden.


Eingestellt von marxelinho am 26. Oktober 2009.
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