15. Dezember 2015

Messi gegen Mesut

Man vergleiche zwei Auseinandersetzungen im Achtelfinale der Champion's Leage: Arsenal gegen Barcelona und Wolfsburg gegen Gent. Die eine passt in den Bewerb, die andere würde selbst in der Europa League langweilen. Soviel zum Losglück. Dazu kommt noch, dass Juve gegen Bayern, das mich auch interessiert hätte, zur selben Zeit läuft wie die Herausforderung des Titelverteidigers durch den Arsenal FC. Da ist also das eine oder andere nicht so optimal gelaufen. Ich werde mir dementsprechend PSG - Chelsea, Roma - Real, Dinamo Kiew - ManCity und natürlich Messi gegen Mesut anschauen.

Arsenal ist so gerade noch als Gruppenzweiter ins Achtelfinale gekommen. Am letzten Spieltag der Gruppenphase brauchte es einen Sieg mit zwei Toren bei Olimpiacos Piräus. Es gelang ein 3:0, das in den englischen Medien ziemlich enthusiastisch gefeiert wurde. Schließlich gab es bei Arsenal in den letzten Jahren fast schon etwas wie eine Tradition, das letzte Spiel in der Gruppe zu vergeigen, und dann als "second best" einen übermächtigen Gegner in der ersten Runde der direkten Duelle zu bekommen. Zuletzt war das gern der FC Bayern.

Dieses Mal ist es Barcelona. Also im Grunde wieder die gleiche Situation, nur mit einem anderen Momentum erreicht, weil Arsenal dieses Mal die ersten beiden Spiele in der Gruppenphase gegen Zagreb (auswärts) und Piräus (daheim) verlor. Das 2:0 gegen den FCB im Emirates, das zugleich glücklich und verdient war, war lebenswichtig, das peinliche 1:5 im Rückspiel erwies sich als nur von statistischem Belang.

Arsenal könnte in zwei Monaten durchaus konkurrenzfähig in das Duell mit Barcelona gehen. Viel wird davon abhängen, wie Özil durch den Winter kommt. Derzeit wirkt er fast unerschütterlich. Er läuft und läuft, er arbeitet viel, aber er macht das auf seine Weise, also leichtfüßig und geschickt, und dann packt er, sobald sich eine Lücke ergibt, einen Pass aus wie den auf Aaron Ramsey, mit dem sich das davor zähe Spiel gegen Olimpiacos öffnete. Ein schnurgerader vertikaler Pass an den Rand des Sechzehners, durch zwei Linien hindurch, ideal für eine Flanke. Giroud traf mit dem Kopf. Der Kopfball war haltbar.

Auch danach beherrschte Arsenal nicht eigentlich das Spiel, konnte aber die entscheidenden Momente markieren: ein gefinkelter, technisch exzellent vorbereiteter Strafraumpass von Joel Campbell ermöglichte Giroud das zweite Tor. Campbell war in München noch dramatisch überfordert gewesen, inzwischen scheint er in der Mannschaft angekommen zu sein. Er spielt, weil Alexis Sanchez verletzt ist, und Walcott und Oxlade-Chamberlain gerade erst aus dem Lazarett zurückkamen, wie auch Aaaron Ramsey, der zentral derzeit Cazorla vertritt, neben Flamini, der zur Zeit Coquelin vertritt.

Die vielen Verletzungen sind bedenklich, aber der Kader scheint doch so verfasst zu sein, dass derzeit zumindest ein paar Positionen ganz gut doppelt besetzt sind. Das gilt allerdings für zwei oder wohl eher drei Positionen ganz eindeutig nicht. Koscielny hat in der Innenverteidigung keinen auch nur in Ansätzen ebenbürtigen Ersatzmann, jedenfalls müssen wir das nach einigen desaströsen Auftritten von Gabriel Paulista schließen. Bei Calum Chambers ist derzeit ziemlich unklar, ob er die hohen Erwartungen, zu denen er anfangs Berechtigung zu geben schien, tatsächlich erfüllen kann.

Der zweite unverzichtbare Spieler ist natürlich Özil. Er spielt eine außergewöhnliche Saison, ein Einfädler par excellence, das Bild passt wirklich in jeder Hinsicht. Bei ihm wird es sehr darauf ankommen, ob Wenger es schafft, ihm bis Februar die sicher bald dringend benötigte Pause geben kann. Dagegen spricht, dass Arsenal in der Liga gut dasteht, und die Spiele um Weihnachten unbedingt gewinnen muss, um aussichtsreich in das neue Jahr zu kommen. Die Leichtigkeit, die Özil derzeit bei aller Intensität ausstrahlt, wird gegen Barcelona mehr denn je gebraucht werden - man kann nur hoffen, dass er sie dann noch hat und nicht völlig ausgebrannt ist. Derzeit ist er einer der laufstärksten Spieler bei Arsenal, wobei er es wie gesagt schafft, selbst Zweikämpfe elegant aussehen zu lassen.

Bei Olivier Giroud würden sicher nicht alle Fans sagen, dass er unverzichtbar ist. Der sehr umstrittene Mittelstürmer, zu dem ich eine große Zuneigung habe, hat sich mit den drei Toren in Piräus allerdings im Standing enorm verbessert. Fällt er aus, wäre nur noch Walcott für die zentrale Spitze da, denn der brillante Danny Welbeck ist noch lange verletzt.

Der CL-Termin Mitte Februar bildet nun einen interessanten zeitlichen Horizont für die Personalfragen der kommenden Wochen. Sanchez könnte dann schon wieder in Form sein. Coquelin wird wohl noch fehlen, wie auch Santo Cazorla. Welbeck könnte wieder in Betracht kommen. Verletzungspausen sind niemals wünschenswert, aber für die Spieler bedeuten sie doch so etwas wie eine Erholung vom dem brutalen Viertagerhythmus. Sanchez könnte also von seiner Pause profitieren, Welbeck wäre wohl super frisch - aber auch schon im Rhythmus? Ein neuer Sechser, sollten Wenger im Winter einen kaufen, wird wohl noch nicht vollständig integriert sein können gegen Barcelona. Das gälte auch für einen Striker.

Ich führe das alles an, weil man daran schön sehen kann, wie sehr wir als Fans inzwischen gelernt haben, die Planspiele der Verantwortlichen zumindest in Ansätzen nachzuvollziehen. Unmittelbar bevor steht für Arsenal nun das Spitzenspiel gegen Manchester City am kommenden Wochenende. Dafür steht auf jeden Fall eine konkurrenzfähige Mannschaft zur Verfügung. Ich würde Arsenal sogar leicht favorisieren. Das 3:0 in Piräus könnte sich tatsächlich noch als entscheidender Moment einer bisher sehr interessanten Saison erweisen.




Eingestellt von marxelinho am 15. Dezember 2015.
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