22. Dezember 2005

Millerntor

War anscheinend ein toller Cup-Abend gestern, die Verlängerung der Bayern gegen den HSV habe ich gesehen, und auch die Spielberichte über die anderen Begegnungen. Hertha hat eine Tollheit beigesteuert, eine 2:0-Führung am Millerntor gegen St. Pauli noch verspielt - es ist wirklich gut, daß diese Herbstsaison vorbei ist. Das Trainingslager wird in Marbella stattfinden, dort kann Marcelinho schon einmal Vorgespräche wegen eines Karriereabends im Nahen Osten führen. Er kann aber auch noch einmal seine Form finden.

Der Cup ist mir im Prinzip egal, zwar sind die Spiele häufig dramatisch, der Titel aber gibt mir nichts, und deswegen beklage ich das Ausscheiden nicht. Die Mannschaft hängt derzeit so hilflos zwischen zwei Zeiten, daß sie sich auf die Hauptaufgabe konzentrieren soll - Punkte in der Bundesliga zu sammeln und nicht dauernd liegenzulassen. Die Liga war ja gestern das eigentliche Thema des Tages - die Fernsehrechte sind verteilt, die Sportschau ist gesichert, die Pay-TV-Rechte gehen an eine Firma namens Arena, von der erst gestern öffentlich wurde, daß es sie gibt und daß sie geboten hatte. Bisher erreicht sie 100.000 Kabelkunden in Westdeutschland, aber die DFL wird sich das sicher gut überlegt haben.

Für Premiere-Chef Kofler aber muß das doch eine harte Bandage gewesen sein gestern. Er hat sie verdient. Er hat nämlich nicht begriffen, daß die Sportschau und das Live-Angebot von Premiere problemlos nebeneinander existieren können. Kofler wollte mehr: Er wollte in der Lage sein, die Premiere-Kunden und die, die es noch nicht sind, gleichzeitig zu erpressen - mit enorm hohen Preisen und mit einer Alleinstellung. Kofler gibt sich gern als Marktwirtschaftler, aber er ist das Gegenteil, er ist ein Monopolist der ältesten Schule, und jetzt hat er sein zentrales Produkt verloren. (Das letzte Wort ist sicher noch nicht gesprochen, denn es ist gut vorstellbar, daß Arena am Ende bei Premiere vorstellig wird, um die Bundesliga via Premiere und mit dessen Infrastruktur in das Kabelangebot einspeisen wird - vielleicht hat die DFL unfreiwillig die Grundlagen für ein neues Syndikat geschaffen).

Der Fan ist der Sieger, stimmten gestern auch alle Komentatoren bei. Das stimmt nur bedingt. Wer an Fussball in einer internationalen Perspektive interessiert ist, wer also aus der Champions League nicht immer nur die Bayern sehen will, wer regelmäßig die Premier League verfolgt, der müßte in Zukunft zwei Pay-TV-Pakete abonnieren, wobei zudem zum Beispiel noch gar nicht abzusehen ist, was bei dem nicht minder komplizierten Rechtepoker heraus kommt, der in England gerade im Gange ist. Dort haben die Deregulierungsbürokraten der EU mächtig hineinregiert, mit dem Ergebnis, daß jetzt sechs Pakete zum Verkauf stehen, die sich die Fans später mühsam aus dem Äther oder dem Kabel wieder zusammensuchen werden müssen.


Eingestellt von marxelinho am 22. Dezember 2005.
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