01. April 2014

Muskuläre Probleme

Auch in Berlin wird man am Sonntag aufgemerkt haben, als Pierre-Michel Lasogga beim Auswärtsspiel des HSV in Mönchengladbach nicht mehr zur zweiten Halbzeit aus der Kabine kam. Der beste Angreifer der Hamburger wurde vielleicht zu früh wieder eingesetzt, so ist das bei Clubs in der Krise, sie können es sich nicht leisten, Verletzungen von Schlüsselspielern vollständig ausheilen zu lassen.

Lasogga ist bei Hertha unter Vertrag, der Vertrag läuft aber nur noch bis 2015. Ramos wird Hertha im Sommer verlassen, aber es scheint sehr zweifelhaft, dass Lasogga einfach seine Position einnehmen wird. Wünschenswert wäre es, denn er ist ein exzellenter Stürmer, vor allem hat er etwas, was der Mannschaft von Hertha im Moment fehlt: Leidenschaft. Der kühle Adrián Ramos macht verlässliche Tore, wenn das Spiel der Mannschaft (oder ein konfuser Referee wie gegen den FCB) welche hergibt. Aber er ist keiner, der die Kollegen mitreißt, er ist offensichtlich introvertiert, er wirkt auch sensibel.

Sandro Wagner spielt in allen Erwägungen der Freunde und auch in meinen keine Rolle; welche er in denen des Clubs spielt, ist nicht ganz klar, denn im Grunde taugt er ja nicht einmal als Backup. Nicht auszudenken, Ramos hätte sich irgendwann in dieser Saison eine gröbere Verletzung zugezogen - niemand ist davor gefeit, weder kleine Techniker wie Thiago Alcantara noch bullige Typen wie Lasogga, der ja schon einen Kreuzbandriss hinter sich hat. Seine Verletzungshistorie wird zweifellos eine Rolle spielen, sollte jemand für ihn bieten.

Vor ein paar Wochen, als Hertha noch nicht so deutlich um die Form rang, und als der Einstieg von KKR für eine Weile rosigere Perspektiven zu eröffnen schien, fiel gelegentlich der Name Drmic, wenn es um mögliche Nachfolger für Ramos ging. Inzwischen ist dieses Gerücht ein paar Etagen weitergezogen und hat sogar zu einem kuriosen Einblick in die Fabrikation von "Neuigkeiten" geführt, als Loddar Matthäus von einer Spielerfrau wissen wollte, die in London nach einer Wohnung sucht. Drmic, der die obligate verbindliche Wortspende zum Thema Arsenal gemacht hat, gab wenig später bekannt, dass er keine Lebensgefährtin hat.

In England ist bisher nur die Daily Mail auf die Geschichte eingestiegen, und selbst bei diesem keineswegs zimperlichen Blatt steht das Gerücht unter dem prinzipiellen Vorbehalt, dass Arsène Wenger unschlüssig ist, ob er einen neuen Vertrag unterschreiben soll. Der aktuelle läuft mit dieser Saison aus. Solange er sich bedeckt hält, kann er nebenbei auch gut in seiner Lieblingsdisziplin aktiv bleiben: Prokrastinieren.

Zu Beginn der Rückrunde wäre Hertha vielleicht noch eine Adresse mit Perspektive für einen Spieler wie Drmic gewesen. Inzwischen wird auch der dümmste Agent begriffen haben, dass von der Wahl eines Nachfolgers für Ramos enorm viel abhängt bei Hertha. Mit jedem Punkt, den die Mannschaft noch macht in dieser Rückrunde, kann sie auch neues Vertrauen auf dem Transfermarkt schaffen. Sie spielt also gleichsam um ihre eigene, bessere Verstärkung. Das ist zwar als Motivation vermutlich ein wenig zu komplex, als dass man das im Kabinengang laut hinausschreien kann, bevor man hinausläuft, aber es umreißt sehr gut die aktuelle Situation.

Die lange Pause zwischen den Spielen gegen S04 und Hoffenheim ist da ein kleiner Glücksfall. Bei Hertha empfiehlt sich für die Rückrunde eine Art Neustart. Die sechs verbleibenden Gegner sind gut gemischt, keineswegs übermächtig, alle bilden auf ihre Art spezifische Tests für Hertha. Die zehn Minuten in Mainz zu Beginn der zweiten Halbzeit sollten als Inspiration dienen. Und das Beispiel Gladbach, das sich mit dynamischen Flügelspielern eindeckt, als Herausforderung.


Eingestellt von marxelinho am 1. April 2014.
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