10. Oktober 2014

Olimpiskyji Kyiv

Das erste Playoff-Spiel der deutschen U21 gegen die Ukraine, das heute am späten Nachmittag ausgetragen wird, gibt mir Gelegenheit, einen Stadionbesuch von letzter Woche nachzutragen. Die Nachwuchsteams treten nicht in der Hauptstadt an, sondern in Tscherkassy, ein wenig südlich von Kiew. Nico Schulz vertritt Hertha in diesem hochkarätigen Jahrgang.

Das wäre natürlich besonders reizvoll, dieses Spiel live zu verfolgen. In einem Stadion, in das ich sonst wohl nicht so schnell kommen würde. Aber die einzige Gelegenheit, in diesem Herbst noch einmal nach Osten zu fahren, bot sich mir letzte Woche. Auch da konnte ich eine interessante Begegnung sehen: Dinamo Kiew gegen Steaua Bukarest am vergangenen Donnerstag in der Europa League im Olympiastadion, in dem vor zwei Jahren - unter damals noch ganz anderen, hoffnungsfrohen Vorzeichen - das EM-Finale zwischen Spanien und Italien stattgefunden hatte.


Dinamo Kiew hat ja eigentlich auch noch diese großartige Naturarena in Fußweite vom Maidan, ein altes Stadion, in das man mit einem schönen Spaziergang durch eine Parklandschaft teilweise gut hineinschauen kann. Die großen Spiele finden aber im umgebauten alten Olympiastadion statt - wie in Berlin gibt es hier eine blaue Laufbahn, und auch sonst gibt es mancherlei Ähnlichkeiten.

Der entscheidende Unterschied betrifft die Position der Fans. Der Dinamo-Block befindet sich nicht, wie in Berlin, hinter einem der beiden Tore, sondern nimmt nur einen Sektor an einer der Ecken des Spielfelds ein. Da wurde mir erst wieder klar, wie toll das im Oly ist, mit dieser Power, die genau in (oder gegen) die Richtung des Spiels geht.

Die Dinamo-Fans haben mir imponiert, sie haben gut gesungen, sie konnten auch ein sehr lebhaftes Spiel ihrer Mannschaft bejubeln, das schließlich mit 3:1 gewonnen wurde. Es war, wenn man das so sagen darf, ein nicht untypisch osteuropäisches Spiel, mit vielen Versuchen, Situationen technisch zu lösen, es wurde gewirbelt, aber die Grundordnungen werden inzwischen auch hier längst mit großer Kompetenz umgesetzt.

Die angespannte politische Situation war nur am Rande zu verspüren. Dass das ganze Stadion in blau-gelben Farben gehalten ist, bekommt nun angesichts der gesteigerten Patriotismus in der Hauptstadt, natürlich eine zusätzliche Bedeutung. Zweimal versuchten Fans die Nationalhymne anzustimmen, hatten dabei aber jedes Mal Pech, denn es kamen just zu dem Zeitpunkt immer Auswechslungen, sodass der Stadionsprecher sie unterbrach. Einmal gab es das obligatorische "Slava Ukraini", das zentrale rhetorische Ritual ukrainischer Selbstversicherung.

Im Dinamo-Block gab es auch eine prominente schwarz-rote Fahne, die mit den Banderisten assoziiert wird, also mit rechtsnationalen Anhängern des Freiheitskämpfers Bandera. Aber über die Rolle der Ultras in der Ukraine gäbe es eine Menge zu sagen, darauf werde ich ein anderes Mal zurückkommen.





Eingestellt von marxelinho am 10. Oktober 2014.
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