16. März 2008

Ostseestadion

Nun zum Sportlichen. Die Hertha war gestern zu schlaff, um bei Hansa Rostock die sehr machbaren drei Punkte auch wirklich mitzunehmen. Pantelic war verletzt, an seiner Stelle lief Okoronkwo auf, der einige Szenen hatte, sich aber auch mehrmals verdribbelte. Coach Favre, in dem ein strenger Pädagoge steckt, nahm ihn schon zur Pause aus dem Spiel und brachte Lima, den ich damit in der zweiten Halbzeit, als die Hertha direkt vor meinen Augen stürmte, gut studieren konnte. Beweglichkeit, Zweikampfverhalten, Schusstechnik - alles ein wenig armselig. Ich sehe nicht, wie er jemals etwas zum deutschen Spitzenfußball beitragen könnte.

Bei Raffael sieht die Sache anders aus, trotzdem war er für mich gestern die negative Symbolfigur: er kämpft einfach nicht. Das ist verständlich bei einem Mann, der über enorme Technik und überragende Intelligenz verfügt. Er schafft es allerdings zu selten, diese Gaben raumgreifend und zu einer Drangperiode zu nutzen. Raffael spielt brillante Pässe, manchmal nur einen halben Meter, immer so, dass daraus eine interessante Option entsteht. Er lässt sich aber auch gelegentlich den Ball abspenstig machen, und trabt dann gemütlich mit nach hinten.

Seine Körpersprache war für mich gestern eine einzige Provokation - ich sass auch nahe dran wie selten, beinahe englische Verhältnisse (wie ich sie mir vorstelle), und bekam so auch sehr unmittelbar mit, was für ein unglaublich schwieriges Spiel das ist, kaum einmal gibt es Lücken, immer wieder müssen die Spieler anlaufen, um eine überraschende Situation zu schaffen.

Kein Wunder, dass sie sich gelegentlich Auszeiten nehmen. Raffael hat das Zeug zu einem großen Fußballer, und damit auch zu einer großen Hertha. Er muss nur eben auch die andere Seite des Spiels, das An- und Nachrennen, zu seiner Sache machen. So wie er jetzt spielt, repräsentiert er sehr gut eine jugendliche Hertha, die defensiv kompakt steht (in seinem Fall: stehen lässt, nämlich Kacar, Lustenberger, Simunic, Friedrich und von Bergen) und Inspiration nach vorne entwickelt, dabei aber im vorderen Drittel die Robustheit und den Willen vermissen lässt, ohne den gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte nichts geht. Raffael ist immer noch weit besser als Okoronkwo oder gar Lima, aber es wird Zeit, dass Favre ihn mit den gleichen Ansprüchen misst, die er für den Rest der Mannschaft gelten lässt.


Eingestellt von marxelinho am 16. März 2008.
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