06. Oktober 2005

Paläolithikum

Gerade habe ich mir, weil A. in Dresden ist und ich also allein daheim, das Match gegen Werder vom Wochenende noch einmal angeschaut, in der Fernsehwiederholung, kommentiert von Marcel Reif. Es war immer noch sagenhaft spannend. Zwei Dinge sind mir noch aufgefallen, die mir im Stadion nicht so deutlich wurden: Es gab zu beiden Werder-Toren sehr konkrete "Proben", also nahezu identische Chancen, bei denen Borowski sich warmschießen konnte und Valdez das Kopfballduell trainieren konnte, das er dann kurz vor dem Ende endgültig gewann. Das kam nicht aus dem Nichts, sondern aus der ersten Phase des Spiels, aus der deutlichen Werder-Dominanz, die Hertha zwischen der 48. und der 78. Minute vergessen ließ, zwischen dem Tor durch Dardai und der Auswechslung von Pantelic.

Der schon abgeschriebene Pal Dardai hätte das Spiel beinahe für Hertha entscheiden können - er hatte mehrere tolle Chancen, war häufig im gegnerischen Strafraum und lief in die Löcher. Er lief Kovac deutlich den Rang ab, aber das Geheimnis ist anscheinend, daß sie dieses Mal nebeneinander funktionieren. Als Kovac vor zwei Jahren kam, geriet die ganze Balance des zentralen Blocks durcheinander. Jetzt ist sie wieder da, auch wenn Kovac für meine Begriffe immer noch eine Vorgabe ist.

Vielfach wird das Comeback von Pal Dardai in der Mannschaft als Indiz dafür gesehen, daß Hertha jetzt schon am Rande seiner Kapazitäten ist und seine Veteranen reaktivieren muß. Ein Rückschritt in das Paläolithikum? Bei der Vorsicht, die wir von Coach Götz kennen, müssen wir annehmen, daß wir Dardai in diesem Uefacup-Herbst noch öfter neben Kovac sehen werden.

Das läuft ein wenig auf die "Rafalution" von Hertha BSC hinaus, also auf ein System, das mit dem FC Liverpool unter Rafael Benitez zu vergleichen ist, der auch vor der Abwehr gern massiert. Dardai wäre dann der Xabi Alonso, Kovac wäre der Hamann, Bastürk wäre der Luis Garcia, Pantelic wäre der Crouch, und Marcelinho wäre der halbe, der offensive Gerrard.

Die Grenzen dieser risikoscheuen Konzeption erlebt Benitez schon jetzt in der englischen Liga. Dort ist Liverpool schlecht gestartet, weil im Alltag einfach zu wenig Tore gelingen.


Eingestellt von marxelinho am 6. Oktober 2005.
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