03. November 2013

Prinzenbad

Gegen Schalke 04, immerhin CL-Teilnehmer, hatte Hertha am Samstag nicht viel zu bestellen. Das Positive war, wie knapp das Spiel war: eine Standardsituation entschied für die gegnerische Mannschaft, insofern war das fast ein komplementäres Spiel zu dem gegen Gladbach, als Hertha ein Kopfballtor durch Ramos reichte. Insgesamt war es aber doch eine verdiente Niederlage. Je länger das Spiel dauerte, desto weniger Druck konnte Hertha aufbauen. Eine starke Defensivleistung von Schalke verdichtete sich in diesem Tackling von Höwedes, bei dem er dem davonlaufenden Ben-Hatira den Ball wegnahm.

Dazu kam, dass die Auswechslungen von Hertha wirkungslos blieben. Ronny fand überhaupt nicht ins Spiel, er hält den Ball zu lange, verliert ihn dann, man meint zu merken, dass er über seine Situation ein wenig ratlos ist. Allagui kam zu spät, und in eine Mannschaft, deren Gesamtkonzept an diesem Samstag die Spur zu einheitlich war: Hertha überzeugte durch eine sehr interessante Defensivstaffelung (Hosogaj, davor Cigerci, davor Ramos, davor Skjelbred als Anläufer, außen Schulz und Ben-Hatira, dies alles in einer beständigen Adaption), doch das Ergebnis war in der Offensive: kleinteiliges Spiel (auch gezwungenermaßen, Schalkes Kompaktheit war beeindruckend), kaum Flanken.

Es ist toll, mit welcher Ballsicherheit alle Herthaner inzwischen arbeiten, wie sie die engen Räume bespielen, aber es fehlt ein letztes Element gegen einen Gegner, gegen den das Führungstor nicht gelingt. Auch das ist Indiz für die extreme Dichte der mittleren Liga, zu der zu gehören das eigentlich Sensationelle an dieser bisherigen Hertha-Saison ist. Gegen Schalke hat es nicht gereicht, aber es war eine Darbietung beinahe auf Augenhöhe.

Zwei Details: Lustenberger hat gegen Szalai eigentlich einen Elfer verschuldet, der nicht gegeben wurde; im Detail war das aber ein so cleveres, dosiertes Foul, dass es fast schon wieder positiv zu sehen ist - auch diese Abgezocktheit haben die Spieler von Luhukay inzwischen drauf, aber es war natürlich auch die pure Verzweiflung nach einer exzellenten Kombination, die Draxler einleitete. Auch da sah man den Unterschied zwischen zwei Mannschaften, den Hertha nur beinahe zum Verschwinden brachte.

Thomas Kraft sah beim Gegentor wieder nicht gut aus. Mich würde einmal eine Studie zu Eckbällen interessieren. Sie sind, wenn sie gut getreten werden, bis zu einem gewissen Grad nicht zu verteidigen, kommt mir vor. Wie lange ist der Ball in der Luft? Wann sieht man eigentlich, wo er hinkommt? Von Schalke habe ich dieses Tor schon mehrfach gesehen, häufig steht Höwedes da ein, zwei Meter vor dem kurzen Eck, dieses Mal war es Szalai. Langkamp macht noch diese Handbewegung, mit der van den Bergh darauf hingewiesen werden soll, dass er vor Szalai an den Ball kommen muss, sollte der Ball da hinkommen. Van den Bergh springt nicht überzeugend. Bleibt Kraft auf der Linie, ist alles kein Problem. Er geht ins Niemandsland - "poor decision", sagen da die Engländer. Er kann eigentlich überhaupt keine Ahnung haben, wohin der Ball kommt. Ich denke, man muss das wissenschaftlich angehen. Dem Keeper können wir zutrauen, dass er damit umgehen kann. Dem Coach auch.

Der Prinz aus dem Wedding war auch in Berlin, er nahm ein Bad in der Menge (69.000), das Bad war bekömmlich, weil es mit Kontroverse geschäumt war, einem Element, das der Prinz liebt. Sein derzeitiger Look ist unschlagbar. Und gut war er auch.

Es ist großartig, in dieser engen Liga mitzuspielen und konkurrenzfähig zu sein. Doch hat der Samstag auch gezeigt, dass die Anforderungen enorm sind. Eine falsche Entscheidung, und ein Spieltag ist weg. Braunschweig punktet gegen Leverkusen. Vom letzten Platz trennen Hertha acht Zähler. Ein Sicherheitsabstand, der zur Schärfung der Spielanlage genützt werden kann.


Eingestellt von marxelinho am 3. November 2013.
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