14. November 2014

Qualitätsmanagement

Michael Preetz ist der zweitschlechteste Einkäufer der Liga. Das ist der Ergebnis der Transfer-Evaluierung des Kicker, die nach elf Spielen keineswegs abschließend sein kann, die aber eine erste Orientierung erlaubt. Die Neuverpflichtungen werden dabei mit einer Note zwischen 0 und 10 bewertet, daraus ergibt sich ein Quotient, bei Hertha 4,44. Im Vorjahr lag Preetz mit 8,33 auf Rang 2.

Hier noch die einzelnen Noten des Kicker: Skjelbred 7, Kalou 6, Beerens 5, Haraguchi 5, Schieber 5, Heitinga 4, Stocker 4, Hegeler 2, Plattenhardt 2, Cigerci hat noch nicht gespielt. Man sieht hier doch sehr deutlich, dass da auch Faktoren eine Rolle spielen, die nicht direkt mit der eigentlichen Leistung zu tun haben: Vor allem die Verletzungen von Schieber und Haraguchi.

Wichtiger ist die Frage, warum die Tendenz doch sehr klar ist. Es ist eine Frage, die sich auf den Trainer bezieht, der diese Spieler integrieren und für eine Spielidee motivieren muss. Ich will das Problem einmal von ganz vorne her skizzieren: von der Rolle ausgehend, die Salomon Kalou spielt. Diese Verpflichtung wurde allgemein als ein echter Coup gesehen, doch zeigt sich inzwischen, dass Hertha Gefahr läuft, sich von der besonderen Qualität dieses Stürmers aus dem Konzept bringen zu lassen.

Um es ganz simpel zu sagen: Kalou läuft pro Spiel derzeit ungefähr 9,5 Kilometer, also ziemlich wenig, auch im Vergleich zu Adrián Ramos, als dessen Nachfoolger er gelten kann. De facto müssen wir annehmen, dass man ihm bedeutet hat, dass er sich aus dem Pressing heraushalten kann, um für Umschaltsituationen spritzig genug zu sein. Dafür spricht auch, dass Hertha in diesem Jahr sowieso kein erkennbar geplantes Pressing spielt, jedenfalls in den meisten Spielen, oder zumindest keines, das verstärkt auf die Entstehung von Umschaltsituationen in der Hälfte des Gegners zielt.

Das war vor einem Jahr noch anders, nicht zuletzt, weil Ramos in eine solche Konzeption voll eingebunden war. Damals war es phasenweise aufregend, wie klug Hertha die Gegenspieler anlief, wie Ramos sich hinter den aggressiven Zehner zurückfallen ließ, um dann aus einer Halbposition bei Ballgewinn seine Schnelligkeit ausspielen zu können. Kalou hingegen spielt eine Stürmerrolle, von der man eigentlich gedacht hatte, dass sie mit Toni Polster ihren letzten Vertreter hatte. Oder mit Marko Pantelic. Er ist brillant, aber nur dann, wenn die Situation passt. Der Rest des Spiels läuft an ihm vorbei.

Dahinter hat Hertha das Problem einer echten Lücke in der zentralen Offensive. Baumjohanns neuerliche Verletzung und Luhukays Skepsis gegenüber Mukhtar (den er nicht einmal in Begegnungen bringt, in denen ein Experiment wirklich eher angebracht gewesen wäre als der öde Stiefel, der stattdessen geboten wurde) zeigen, dass hier trotz der vielen Neuen eine Stelle unbesetzt geblieben ist. Sie wird derzeit flexibel besetzt, Stocker konnte bisher zwar einige Akzente setzen, er wird in dieser Rolle aber umso schwächer, je näher Hertha dem Strafraum kommt.

Generell ist das Offensivspiel von Hertha dadurch geprägt, dass zu oft ein Einzelner Tempo nur in seine Aktion zu bringen versucht, wodurch viele Einszueins-Situationen entstehen, aus denen Beerens oder Haraguchi erfolglos hervorgehen - das sind dann eben auch gewonnene Zweikämpfe für die Gegner. Da Hertha weniger Umschaltsituationen provoziert, kommt es stärker auf die an, die doch noch zustandekommen. Und da fehlt es der Mannschaft eindeutig an Mut, zu oft wird der sichere Weg hinten herum gewählt. Was wiederum mit der fehlenden Laufbereitschaft zu tun hat, und einer generellen Lethargie.

All das hat dazu geführt, dass in den Kreisen, die ich so verfolge, inzwischen viele mit Jos Luhukay abgeschlossen haben. Fraglos ist sein Kredit bereits sehr gesunken. Auffällig ist vor allem, wie leidenschaftslos er die Leistungsschwankungen gleichredet, wie wenig Freude er an den Spielern zu haben scheint, wie stark er sich inzwischen auf Worthülsen beschränkt. Eigentlich macht er fast den Eindruck, als wäre das nicht sein Kader.

Ich sehe die Sache noch nicht ganz so kritisch. Insgesamt sehe ich genügend Qualität, ob die Fitness stimmt, kann ich nicht einschätzen, es scheinen jedoch Gründe zur Skepsis vorzuliegen. Mit Cigerci und Langkamp wird die Mannschaft aller Voraussicht nach wieder besser, aber an der entscheidenden Herausforderung ändert sich nichts: Luhukay muss zeigen, dass er in der Lage ist, der Mannschaft präzise, auf die Gegner abgestimmte Aufgabenstellungen zu geben. Das war bisher nur gegen Leverkusen eine Stunde lang und gegen Wolfsburg der Fall. Kalou muss in diese Aufgabenstellung einbezogen werden, es kann nicht sein, dass sich ein 29 Jahre alter Topathlet aus dem Spiel ausnehmen darf, nur weil er ungewöhnlich torgefährlich ist. Andernfalls haben wir nächstes Jahr dann auch noch Drogba da.




Eingestellt von marxelinho am 14. November 2014.
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