15. Mai 2005

Rechenzentrum

Das 0:0 gegen Gladbach am Samstag konnte ich nicht so leidenschaftslos sehen wie der Trainer und der Manager. Sie haben natürlich recht, daß in einer Woche gegen Hannover vielleicht sogar ein neuerliches torloses Remis reichen könnte, um an Stuttgart noch vorbeizuziehen - andererseits kann aber auch Bremen noch auf den dritten Platz vorstoßen, wenn die Hertha sich blöd anstellt. Ich ärgere mich auch deswegen, weil die schwachen Darbietungen aller CL-Aspiranten die Alleinstellung des FC Bayern bekräftigen. Hertha hat in den letzten Wochen niemals Profit schlagen können aus den Niederlagen von Schalke, Stuttgart, Bremen - nach wie vor liegen die vier Teams nahezu gleichauf. Zwei werden sich am Ende in die Champions League geschleppt haben.

Gestern war es natürlich nicht leicht. Die Aufstellung von Artur Wichniarek erwies sich als Irrtum, weil er übermotiviert das ganze Feld zu seinem Einsatzort erklärte, anstatt im Zentrum auf seine Chance zu warten - die Rotation im Sturm versetzt sowohl Artur wie Nando Rafael in eine Ungeduld, die ihrem Spiel selten guttut. Das Spiel über die Flügel, das Götz angekündigt hatte, kam auch kaum zustande. Je länger das Spiel dauerte, desto stärker verlor Marcelinho die Lust daran. Und Bastürk kam zwar immer wieder großartig an ein, zwei Gegner vorbei, fand dann aber trotzdem nicht den Raum für einen interessanten Paß - und auch keinen Mitspieler.

Wie schon gegen Rostock blieb der Kombinationsfußball in den Ansätzen stecken. Das liegt wohl auch daran, daß nur die Spieler "westlich von Niko Kovac" (so der Premiere-Kommentator über den Mittelfeldsturm von Hertha) daran teilnehmen, während die spieleröffnenden Pässe aus der Verteidigung so schematisch sind, daß es manchmal eine Qual ist, wie sie da hinten den Ball herumschieben, um an die Außenlinie zu kommen.

Trainer und Manager versuchen, Druck wegzunehmen, indem sie der Mannschaft bescheinigen, das Mögliche getan zu haben. Sie sprechen strategisch, wie mein Freund Simon gestern richtig anmerkte. Weil Christian auch zuschaute, der zu Gladbach hält, war ich am Ende einverstanden mit dem Minimalprofit für beide Teams.

Heute scheint die Sonne. Ich erinnere mich an das Saisonfinale vor zwei Jahren, als Volker und ich noch keine Dauerkarte hatten, sondern einfach gemeinsam ins Stadion gingen: Hertha schaffte es damals am letzten Spieltag noch in den Uefa-Cup, die Tore schoß a certain Nando Rafael. Es war ein großartiger Nachmittag, ein Versprechen für die folgende Saison, in der wir dann gegen den Abstieg spielten.


Eingestellt von marxelinho am 15. Mai 2005.
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