21. August 2009

Schädeldecke

Herthas überregional noch nicht so bekannter Angreifer Valeri Domovchyiski hätte sich gestern einen Stammplatz sichern können. Nach 30 Minuten kam er im Auswärtsspiel bei Bröndby IF Kopenhagen für Wichniarek auf den Platz, nach 53 Minuten stahl er sich im Fünfmeterraum der Dänen aus der Deckung und verwertete technisch gekonnt eine kluge Flanke von Patrick Ebert. Kurz darauf stand Domo, wie wir Fans ihn nennen, allein vor dem dänischen Keeper Andersen (allerdings m.E. auch knapp im Abseits), vergab diese Riesenchance aber eher kläglich.
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Weil Bröndby zweimal nach Freistößen traf, und die Leistung der Berliner Mannschaft insgesamt eher bedenklich war, ist für das Rückspiel am kommenden Donnerstag allenfalls Zweckoptimismus angesagt.
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Die zwei Begegnungen mit Bröndby IF stellen für Hertha eine mentale Zwickmühle dar. Sie gehören natürlich schon zur neuen Saison, irgendwie aber auch noch zur alten, denn sie bilden mit den beiden verpatzten Spielen im Mai ein Quartett, aus dem Hertha seine Zukunft lesen kann: Vier Mal im entscheidenden Moment versagen wäre doch schwer zu verkraften.
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Was fiel gestern auf, in dem passablen Stream einer dänischen Übertragung, auf den ich angewiesen war? Es passt in den Grundlagen nicht. Die ganzen Vokabeln, auf die Trainer zurückgreifen, wenn es nicht läuft, spielen eine Rolle: Zweikampfverhalten, Raumaufteilung, Laufbereitschaft. Routinier Dardai gab es sogar nach dem Spiel zu: "Bröndy war körperlich sehr stark." Er selbst reagierte darauf mit einem dämlichen Rüpelfoul, das mit dem Freistoß sanktioniert wurde, den Drobny fallen ließ - Bischoff staubte ab.

Fast im Gegenzug machte Domo den Ausgleich, aber die körperlichen Unzulänglichkeiten der Hertha blieben bestehen - ein zweiter Freistoß, ähnlich unnötig, kam so in den Strafraum, dass der gestern schwache Pejcinovic eine Verlängerung mit der Schädeldecke zuwege brachte - das 1:2 wird zu Recht als Eigentor gewertet und sollte den Verantwortlichen auch deswegen zu denken geben, weil es eine perfekte Kopie des Gegentors bei Preußen Münster war.
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Die beiden Freistöße hätte es nie geben dürfen, sie lassen aber mit vielen anderen Szenen darauf schließen, dass Hertha ein Problem mit dem physischen Spiel hat. Es ist noch zu früh, das mit dem dezidiert feintechnischen Ansatz in der Spielgestaltung in Zusammenhang zu bringen, obwohl der Gedanke sich klarerweise aufdrängt. Bei der Spielgestaltung bleibt es vielfach bei Ansätzen, was wiederum mit der Raumaufteilung zu tun, die ist schlecht, weil insgesamt zu wenig gelaufen wird.
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Ich könnte es auch so sagen: Eigentlich macht die Hertha im Moment fast alles falsch, außer ein, zwei Kabinettstückerl pro Spiel. Weil Bröndby nun auch keine Übermacht ist, gelang immerhin das wichtige Auswärtstor. Fürchten müssen sich die Dänen aber nicht vor dem Rückspiel im Jahnsportpark.


Eingestellt von marxelinho am 21. August 2009.
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