18. August 2016

Schleife, Schleifen, Endlosschleife

Harter Pal. Dardai greift durch. Solche Sachen schreiben die Boulevardzeitungen gern. Der Trainer selbst sagt auch, dass er seine Spieler mehr "anmachen" muss. Unübersehbar sucht der Hoffnungsträger bei Hertha BSC derzeit nach einer Linie. Und es sieht ein wenig so aus, als könnte Dardai sich vielleicht nicht als der Begründer einer Ära in Berlin erweisen, sondern als Luhukay redivivus. Also als einer, der an seiner irgendwann nicht mehr nachvollziehbaren Pädagogik scheitert. Das wäre dann die nächste Schleife in der Endlosschleife des Nowhere Teams Hertha BSC.

Auf jeden Fall ist es eine dramatische Peinlichkeit, den vor sechs Wochen bestätigten Kapitän Lustenberger zehn Tage vor Ligastart durch Vedad Ibisevic zu ersetzen. Es gibt dafür gute Gründe, aber es gab Ende Juni noch viel bessere Gründe, mit der Entscheidung zu warten. Lustenberger musste doch in jeder Hinsicht zur Disposition stehen: als Stammspieler, und damit auch als Kapitän. Warum Dardai das nicht klar war, ist ein Rätsel.

Die Sache erscheint nun umso dramatischer, als sie eine deutliche Ungerechtigkeit enthält: Der kämpferisch vielleicht eine Spur stärkere, aber fehleranfällige und nicht minder unproduktive Skjelbred bleibt weitgehend unangefochten, sieht man von dem Misstrauensantrag der Auswechslung bei Brondby ab. Gegen Neapel aber war der Norweger Kapitän. Mit Sündenbockaktionen, wie die gegen Lustenberger schon eine ist, beginnen die Entfremdungsprozesse zwischen Trainern und Mannschaften.

Im Vorjahr begann die erfolgreiche Hinrunde mit einem No Nonsense-Erfolg im DFB-Pokal gegen Bielefeld. So etwas ist auch in Regensburg am Sonntag ohne Weiteres denkbar, allerdings bleibt auch dann noch eine Menge zu klären bis zum ersten Bundesliagspiel eine Woche später. Der Manager wird es schwer haben, seinen Ruf als "bester Einkäufer" aus dem Vorjahr zu bestätigen, zudem müsste er eigentlich auch auf den Titel "bester Verkäufer" aspirieren, wenn man an Leute wie Ronny oder Hegeler denkt. Baumjohann scheint auch keine Chance mehr zu haben.

Mit "Darth Vedad" Ibisevic hat Hertha nun einen Kapitän, der im Vorjahr deutlich erkennen ließ, dass ihm die zweite Hälfte der Saison zu schaffen machte. Zudem einen erregbaren Spieler, der selbst bei einem Sommerkick wie gegen Neapel in die eine oder andere Rudelbildung verwickelt war.

Die Personalie verdeutlicht umgekehrt übrigens auch, dass Hertha kaum über Spieler verfügt, die "capitanabile" sind. Die logische Wahl trotz seiner Jugend wäre eigentlich John Brooks (das wäre im Kleinen die Entscheidung, die sich JLöw mit Jerome Boateng nicht getraut hat), aber auch bei ihm kann man nicht ganz sicher sein, dass er in diese Aufgabe hineingewachsen wäre. Er hat aber am ehesten das Zeug dazu.

Da es nun auch schon um eine Stammelf geht, kann man derzeit sagen: Dardai und Widmayer setzen alles auf einen Spieler, von dem sie eigentlch höchst interessiert sind, dass die Mannschaft nicht zu abhängig von ihm wird. Der Mittelbau sendet Zeichen der Stagnation (Langkamp, Plattenhardt), und die Talente haben es auch mit einer erratischen Pädagogik zu tun (Weiser, bis zu einem gewissen Grad auch Stark, der zusehen musste, wie Hegeler sich gegen Neapel in der Innenverteidigung versuchen durfte).

So gibt Hertha in diesen Tagen ein wenig ermutigendes Bild ab, und die einzige gute Nachricht ist eigentlich, dass ab Sonntag gespielt wird. Ab dann gibt es nämlich gesicherte Erkenntnisse. Dinge, die auf dem Platz zu sehen sind.


Eingestellt von marxelinho am 18. August 2016.
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