15. Dezember 2013

Schwere Beine

Nach dem 6:3 von Manchester City gegen Arsenal am Samstag ist das Titelrennen in der EPL wieder deutlich offen (war es vorher aber angesichts der Länge der noch ausstehenden Saison und der gerade erst beginnenden Weihnachtssaison auch). Insgesamt war das für Arsenal nach dem 0:2 in Neapel eine Woche der Ernüchterung, in der nicht nur deutlich wurde, dass der Kader zu klein für die Strapazen ist (das wusste man ohnehin), sondern dass ein zentrales Problem der letzten Jahre keineswegs behoben ist. Arsenal geht häufig ohne erkennbare Einstellung in Spitzenspiele, das Spiel gegen den Ball ist relativ planlos, eine auf den Gegner abgestimmte Taktik ist nicht erkennbar, und auch das Ethos ließ gegen City wieder einmal zu wünschen übrig.

Die Mannschaft von Pellegrini hingegen, die gegenüber dem Auswärtsspiel bei den Bayern an vielen Stellen umgebaut worden war, spielte wuchtig, zielstrebig, und nützte geschickt die Schwachstellen, die Wengers Formation anbot: Vor allem die linke Defensivseite, mit Monreal an Stelle von Gibbs, und mit Jack Wilshere, der wegen des Überangebots im zentralen Mittelfeld auf dem linken Flügel begann, und der in der Rückwärtsbewegung große Probleme hatte, sich zu orientieren und zu engagieren.

Er hatte auch einen der Ballverluste, die City zu einem von sechs relativ einfachen Toren nützte. Dazu die Anfälligkeit von Arsenal bei Standards, ein Moment von Schwerfälligkeit von Mertesacker (gegen Silva, vergleichbar dem gegen Higuain in Neapel), und generelle Saumseligkeit der offensiven Vier, zurückzulaufen, und schon hat man eine Niederlage, für die sie in England gern das Wort "comprehensive" verwendet. City gilt nun, obwohl Arsenal noch drei Punkte Vorsprung hat, als die Mannschaft mit dem Momentum.

Bei Arsenal steht Arsène Wenger vor einer Verlängerung seines Vertrags, ohne dass meiner Meinung nach die prinzipiellen Probleme gelöst sind: ungenügende Kaderplanung, fehlende taktische Instruktion, Probleme in der Mannschaftsbalance. Dazu kommen deutliche Zeichen von "wear and tear" bei Spielern wie Ramsey, der in Neapel geschont wurde. Ich wollte ursprünglich sogar nach Neapel fahren, das ging sich dann jedoch nicht aus. Irgendwie hatte ich ohnehin damit gerechnet, was dann eintrat: Mit einer schwachen Leistung im letzten Auswärtsspiel der Gruppenphase hat Arsenal einmal mehr den Gruppensieg verspielt - ein Muster, das sich nun schon sieben, acht Jahre so durchzieht.

Wie geht es Mesut Özil? Nach dem Spiel gegen City wurde er von Mertesacker zusammengestaucht, weil Özil sich nicht von den mitgereisten Fans verabschieden wollte. Daraus muss man keine große Sache machen, aber es zeugt doch davon, dass der Sonderstatus, den Özil hat, komplex ist. Eindeutig hatte seine Unterschrift einen galvanisierenden Effekt, sie ließ auch vergessen, dass die Transferperiode trotzdem insgesamt unprofessionell genutzt worden war. In den Spielen hat Özil eine Rolle, die sich so kein anderer Club leistet: buchstäblich von allen Defensivarbeiten befreit, kann er sich in aller Ruhe seinem genialen offensiven Positionsspiel widmen, also nach Räumen suchen, aus denen heraus er etwas lancieren kann. Darin ist ihm niemand gleich, ihm dabei zuzuschauen, macht in gewisser Weise so viel Spaß, dass ich sogar von Ergebnissen abstrahieren kann.

Wenn es aber darum geht, schwierige Spiele zu gewinnen, bestätigt sich der Ruf, der ihm aus Madrid vorausgeeilt war. Özil ist kein Spieler, der dann leidenschaftlich wird, wenn es bergauf geht; im Gegenteil wirkt er äußerst stimmungsabhängig. Es passt zu Wenger, dass er die Lösung für Arsenals Wettbewerbsfähigkeit um große Titel im Grunde nicht in mannschaftlicher Kohäsion sucht (wie es Luhukay und so vielen andere "Konzepttrainer" tun), sondern in Momenten des Genialen.

Having said all that, ist natürlich trotzdem festzustellen, dass Arsenal vor dem Auftakt des Feiertagsmarathon gegen Chelsea am 23. Dezember gut dasteht: Die Mannschaft ist extrem begabt, nun kann sie sich über eine Woche ausruhen und einstellen, ein Sieg gegen Chelsea würde sicher den "spirit" für die nicht ganz so harten Matches gegen Westham, Newcastle und Cardiff heben. Und dann öffnet ja schon wieder das Transferfenster. Wir können sicher sein, dass Arsenal aktiv sein wird.


Eingestellt von marxelinho am 15. Dezember 2013.
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