01. Dezember 2013

Spiegelstadium

Das torlose Remis im Heimspiel gegen Augsburg war ein besonderes
Spiel, weil Hertha gewissermaßen auf einen Doppelgänger traf. Coach
Luhukay war davor in Augsburg tätig, sein Nachfolger Markus Weinzierl
hat dann zwar die Mannschaft umgebaut (gar nicht so sehr personell),
aber die Darbietung war eindeutig von der Art, mit der auch Hertha immer
wieder den Gegnern das Spiel verdirbt. Man könnte auch sagen, es war am
Samstag eine Kopie des Gladbach-Spiel abzüglich den Treffer durch
Ramos, der damals nach einem Eckball fiel. Aus unerfindlichen Gründen
werden diese Bälle momentan nicht mehr so gut getreten wie noch vor
einer Weile. Aber das ist nur ein Detail von vielen, die dazu beitragen,
dass etwas fehlt. Dies allerdings nur unter der Voraussetzung einer nun
doch schon veränderten Anspruchshaltung, einer Tabellenposition im
oberen Mittelfeld, einem Wissen, dass Hertha konzeptionell in der Liga
mithalten kann. Es fehlt nicht viel, aber etwas Substantielles.

Augsburg
auswärts war interessanterweise auch das Schlüsselspiel in der
Abstiegssaison vor zwei Jahren, damals hatte das Team von Luhukay eine
Stunde lang die Hosen voll, bevor Hertha der zugegeben dünne Faden riss,
und Oehrl ihr Schicksal mehr oder weniger besiegelte. Das Schicksal
bedeutete: zweiter Abstieg, grundsätzliche Verpuppung, Erlösung durch
Luhukays Nononsense. Wo ist Oerhl heute? Bei Braunschweig ohne
Stammplatz. Wo ist Ausgburg heute? In der ersten Liga relativ erabliert,
nicht weit hinter Hertha, im Mittelfeld.

Dies mit
einer Stilistik, die gestern im Olympiastadion doch stark nach
Auswärtsausterität aussah. Ein Punkt war eindeutig das Maximalziel,
alles war dem Ziel untergeordnet, Hertha nicht zur Entfaltung kommen zu
lassen. Und so ergab sich ein Spiel, in dem es auf ein paar wenige
Situationen ankam, in denen ein Ansatz von Tempo ins Spiel kam. Augsburg
machte die Räume nämlich doppelt eng, durch Anlaufen und Zustellen, und
durch eine relativ hohe Linie. Hertha versuchte hartnäckig, aber
erfolglos, ein wenig Tempo ins Spiel zu bringen. Der riskantere,
vertikale Pass wurde selten gespielt, es fehlten auch die entsprechenden
Läufe, es war ein Frustrationsspiel.

Wer fiel auf? Die
Zeitungen heben Hosogaj hervor, der nach der Verletzung von Langkamp in
die Innenverteidigung rückte. Er war auch wirklich sehr gut, insgesamt
funktioniert die Defensivachse weiterhin exzellent. Schlüsselspieler war
allerdings für meine Begriffe Cigerci, für den Luhukay inzwischen eine
Rolle gefunden hat, und der in diese auch wirklich hineinwächst. Er
könnte die Berliner Entsprechung zu Aaron Ramsey w
erden, der allerdings zwei Saisonen intensiver Arbeit an sich selbst
brauchte für die Brillanz in dieser Saison. Ich meine damit einen
Spieler, der im Grunde noch zur defensiven Hälfte der Mannschaft gehört,
der aber auch vorbereitet und sogar selbst abschließt. Einer von
Weinzierls Schachzügen war gestern eindeutig, das Flügelspiel von Hertha
zu unterbinden. Van den Bergh und Pekarik waren wirkungsloser als
sonst, Ben-Hatira hatte Mühe, Ndjeng hatte noch am ehesten Szene. So war
es Cigerci, der ein paar Mal Räume da draußen fand, aber auch er wurde
in der Regel abgedrängt. Es gab allerdings ein paar Freistöße, die
jedoch nicht genützt wurden.

Das hat auch damit zu tun,
dass Luhukay offensichtlich mit Ronny schon fertig hat. Er setzte
neuerlich auf Mukhtar als Einwechselspieler, der allerdings wirkungslos
blieb, wie auch Schulz. Skjelbred wirkt ein wenig erschöpft, Niemeyer
ist nicht der Mann für den öffnenden Pass, so bleibt derzeit ein nicht
ganz gelöstes Offensivpuzzle mit vielen vielseitigen Spielern, die an
vielen Rädern drehen, ohne dass daraus ein Werk wird. Cigerci, der immer
interessanter wird, könnte der Schlüssel werden: ein Achter mit
Ausstrahlung in alle Richtung.

Für ein Spiel gegen
einen Doppelgänger ist ein 0:0 eigentlich das erwartbare Ergebnis. Wenn
sich die Saisontendenz bestätigt, dann holt Hertha im Rückspiel einen
Dreier. Und dann wäre auch das Ungemach vom Februar 2012 endgültig
Geschichte.



Eingestellt von marxelinho am 1. Dezember 2013.
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