24. Juli 2010

Stresstest

Der Verkauf von Gojko Kacar an den HSV ist allen seriösen Meldungen nach perfekt. Hertha bekommt 5,5 Millionen Euro für den serbischen Nationalspieler, plus je eine weitere in zwei Eventualfällen. Das Geld wird dringend benötigt, denn einen Stresstest, wie ihn die europäischen Banken gerade absolviert haben, würde Hertha wohl nicht wirklich bestehen, daran ändert auch die Lizenzierung durch die DFL nichts.

In der Ligarangliste bei Transfermarkt fällt die Hertha nun nach den dort errechneten Marktwerten hinter den VfL Bochum zurück, die drei Millionen, die dort für Adrian Ramos verzeichnet sind, werden wir wohl demnächst auch noch herausrechnen. Wenn es nicht für Ramos noch einen höheren Millionenbetrag gibt, dann könnte Hertha den Ausverkauf nach Abstieg hinter sich bringen, ohne den Schuldenstand auch nur in Ansätzen reduziert zu haben - ein bemerkenswerter Umstand, der auch im Fall des Wiederaufstiegs die Einkaufspolitik 2011 empfindlich belasten dürfte.

Gojko Kacar muss sich beim HSV mit Jarolim und Ze Roberto auseinandersetzen, sollte der Brasilianer nicht noch verkauft werden, ergibt das einen interessanten Dreikampf. Ich habe einmal ein Heimspiel des HSV gesehen, gegen Hertha in der Pastrami-Saison 2009 ("flying too close to the sun on wings of pastrami", Zitat aus Seinfeld), Kacar hat damals ein sensationelles Weitschusstor erzielt und hielt Hertha damit in einem Titelrennen, das ihr insgesamt dann doch ein paar Nummern zu groß war.

Mein Lieblingstor, das er für die Hertha erzielte, fiel in einem Heimspiel gegen den VfB Stuttgart, damals startete Kacar einen seiner Läufe in den leeren Raum, wie sie die deutsche Nationalmannschaft in diesem Sommer stilbildend gemacht hat, Friedrich sah ihn starten, spielte den Ball perfekt in den Lauf, und Kacar schloss diagonal und für Lehmann unerreichbar von halbrechts ins lange linke Eck flach ab.

Seine größte Stunde für Hertha hatte er aber vielleicht an einer Nebenfront, in der Qualifikation für die Europa League im Jahn-Sportpark im Sommer 2009, als er ein Spiel gegen Bröndby Kopenhagen noch drehte - er war damals als Mitreißer, Vollstrecker, Star eine halbe Stunde lang auf dem Höhepunkt, in einem Match, dessen Charakteristik schon viel über die Abstiegssaison verriet, wenn man genau hinsah.

Es war ein rarer Moment von Kacar, dem eines fehlte: Kontinuität und allmähliche Steigerung in einer unbelasteten Sitation. Er war oft verletzt, weil er sich nicht zuletzt mit dem Nationalteam häufig sehr viel abverlangt hat. Seine ideale Position sehe ich, vor allem aufgrund von noch wahrnehmbaren Defiziten im Spiel gegen den Ball, in einem 4-1-2-3 vor dem defensiven Mittelfeldmann auf halbrechts (Beispiel Hertha: Lustenberger-Cicero-Kacar), als Interagent mit Torgefahr. Good Luck, Gojko!


Eingestellt von marxelinho am 24. Juli 2010.
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