17. Oktober 2015

Technisches O.K.

Das Stenogramm zum Spiel bei Schalke. Eigentlich hatte ich ja gedacht, ich hätte in den letzten ein gutes, gelassenes Verhältnis zum Fußball gefunden. Milde, starke Liebe zu meinen Vereinen, eher stille Freude, wenn mal was klappt, und bei den ja doch häufigen Enttäuschungen irgendwie die Ruhe bewahren. Und dann so ein Spiel, und ich bin wieder mittendrin, und werde herumgeschleudert wie nur einer.

Hertha hat selten, jedenfalls seit ich genauer zuschaue, eine so frustrierende Niederlage erlebt wie dieses 1:2 in der Arena auf Gazprom. Eine extrem ungeschickte erste Hälfte, gekrönt von einer roten Karte gegen Ibisevic und einem absolut ärgerlichen Kopfballgegentreffer durch Höwedes (dem Ibisevic vielleicht zugeteilt gewesen wäre, wäre er noch auf dem Platz gewesen). Eine Stunde schwamm Hertha vor allem bei Flanken von S04, und von diesen ließ die Mannschaft sehr viele zu. Dabei war Hertha aber immer auch die bessere Mannschaft, technisch auf jeden Fall, aber davon allein kann man sich nichts kaufen.

Mit der Einwechslung von Baumjohann schon zur Pause kam noch mehr Qualität im Detail, aber dieses Mal brauchte es einen, ich spreche jetzt einmal ein bisschen Fandeutsch, ausgebufften Fuchs wie Kalou, der Weiser einen Ball in den Flankenfuss zusteckte, und sich dann am anderen Ende (für Höwedes auch das andere Ende!) bereithielt, um einzunicken. Wunderbarer Spielzug. Und dann noch die anderen Chancen, der Pfostenschuss von Weiser, später Lustenberger allein vor Fährmann.

Der Keeper von S04 hatte schon nach einer Stunde, bei 1:0 und einem Mann mehr, auf Zeit gespielt! Soviel zur Qualität der Breitenreiterer. Der Siegestreffer von der allerletzten Minute war dann auch ein Konter! Das muss man sich einmal ausdenken. Für Schalke wäre das Remis eine absolute Blamage gewesen, aber Hertha erwies sich als romantisch, ging noch weit in der Nachspielzeit weit nach vor, ließ sich durch einen perfekten Lochpass aufmachen. In diesem Moment hätte Brooks allerdings auch Meyer ein wenig entschiedener folgen können, denn es war klar, dass Sane nur zurücklegen kann. Er war aber erst ein, zwei Minuten im Spiel.

Pal Dardai, dessen Interviews fast immer ein Genuss sind, hatte nachher wieder einmal die beste Deutung: "Ich glaube, meine Mannschaft hat auf den Sieg gespielt." Und da musste er ganz leise lachen. Denn diese Naivität in der allerletzten Minute hat Hertha sich heute rechtschaffen erarbeitet. Die Niederlage tut weh, ist aber mit ermutigenden Erfahrungen drapiert.


Eingestellt von marxelinho am 17. Oktober 2015.
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