18. Oktober 2004

Tor Tor Thorben

Im Oktober bin ich traditionell zwei Wochen in Wien, beim Filmfestival.
Dieses Mal habe ich etwas versäumt, obwohl ich dafür gut entschädigt
werde mit Kino. Während die Hertha am Samstag zum ersten Mal mit
Yildiray Bastürk begonnen hat, saß ich in einem Dokumentarfilm über
einen ungarischen Fischer, der einer Cyanidkatastrophe wegen seine
Existenzgrundlage verloren hat und deswegen nach Australien flog, um den
Vorsitzenden des Minenunternehmens damit zu konfrontieren.

Meine
Dauerkarte hatte ich einem Freund geliehen, der aus historischen Gründen
ein Fan von Bayer Leverkusen ist, einer Mannschaft, zu deren aktueller
Ausprägung (also ungefähr, seit Bernd Schneider dort spielt) ich eine
Zuneigung gefaßt habe, die ich mit vielen Fans in Deutschland wohl
teile. Augenthaler macht es nun noch leichter, Bayer Leverkusen zu
mögen. Den Medienberichten entnehme ich allerdings, daß sie kein starker
Gegner waren, sondern sich der Hertha ergeben haben.

Die wird sich in
Bielefeld ohnehin viel nachdrücklicher zu beweisen haben. Vielleicht
wird es aber doch kein ganz desaströses Jahr. Was stimmt mich
optimistisch? Den Einkauf von Bastürk fand ich ohnehin sofort eine tolle
Idee, ich rufe auch sehr gern: Yildiray! So wie ich die Nachbarn in dem
mehr oder weniger bürgerlichen Sektor, in dem wir im Olympiastadion
sitzen, mit meiner Begeisterung für Fathi nerve, und mit meiner
hartnäckigen Treue zu König Artur Wichniarek.

Immer schon war ich ein
Fan von Thorben Marx, dessen Tor sozusagen nach Plan fiel: schon die
ganze Saison hielt er sich dort bereit, wo er dieses Mal abgezogen hat.
Arne Friedrich hat den Assist geliefert - das Modul einer Hertha, die
aus Gegenwart und Zukunft besteht. Zwar hat Thorben Marx einmal auf die
Frage nach seiner Lieblingsspeise geantwortet: McDonald's. Aber er
spielt nicht wie ein Cheeseburger. Deswegen sehe ich ihm diesen Blödsinn
nach.

Ich mag die Nummer 32, und wenn ich mir nicht ein wenig seltsam
vorkommen würde in einem Jersey, würde ich mir ein Marx-Leiberl laufen.
Irgendwann ist es so weit. Ich sehe es schon kommen. Zum Thema
Einkaufspolitik lohnt sich mehr denn je der Blick nach London: Dort
wird, nach Jose Antonio Reyes, gerade ein siebzehnjähriger Spanier
namens Francesc Fabregas entdeckt, den Arsene Wenger zu Arsenal geholt
hat. Ich habe ihn schon zwei, dreimal spielen gesehen, und war baff. Und
nun zurück ins Kino!


Eingestellt von marxelinho am 18. Oktober 2004.
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