28. August 2014

Würfelspiel


Gute Güte, war das ein Thriller gestern zwischen Arsenal und Besiktas. Ich musste ihn in einem Hotelzimmer anschauen, bin für zwei Tage in Chisinau in Moldawien, wo ich zu einer Hochzeit eingeladen bin. Der Stream funktionierte gut, ich war voll dabei, konnte aber wegen verspäteter Ankunft nur die zweite Halbzeit sehen. In der ersten gab es wohl zwei Momente, in denen der Schiedsrichter gut auch auf Elfmeter für Besiktas entscheiden hätte können. Selbst Jack Wilshere selbst zeigte sich nach dem Spiel schuldbewusst. Sein Tackling gegen Motta hätte geahndet werden müssen.

Verschwörungstheoretiker werden aus diesem Spiel eine Menge mitnehmen können. Die Uefa möchte in ihrem Elite-Wettbewerb eben die großen Namen alle beisammen haben, können sie unterstellen. Davon abgesehen, ließ Besiktas allerdings auch erkennen, dass sie es schwer gehabt hätten im Bewerb. Die Qualität ließ nämlich doch zu wünschen übrig. Das Spiel lebte in der zweiten Halbzeit ganz und gar von dieser eigenartigen Gottesurteilslogik, die nur bei Rückspielen unter den Bedingungen der Auswärtstorregel entstehen kann. "That would have killed us", sagte auch Arsène Wenger nachher über eine Chance, die Demba Ba kurz vor Abpfiff noch hatte.

Der Mann des Spiels bei Arsenal war Alexis Sánchez. Er erzielte den Treffer, vor allem aber arbeitete er mit einer Hingabe, die ungeheuer ist. Und er ist dabei auch noch trickreich, er kann sich offensiv aus den dicksten Kalamitäten befreien, und er setzt nach, und nach, und nach. Die Fans haben dieses Ethos schon erkannt, und feiern ihn dafür. Und es scheint sich auch auf die Mannschaft zu übertragen. Jack Wilshere zeigte eines seiner besten Spiele, auch wenn seine Defensivarbeit häufig gefährlich ist.

In diesem umkämpften Spiel war auch wieder einmal deutlich zu sehen, was für ein eigentümlicher und unzeitgemäßer Fußballer Mesut Özil ist. Er spielt derzeit meist auf dem linken Flügel, eine personelle Notlösung, die niemand glücklich macht. Özil wirkt, als wäre er körperlich nicht in der Lage, mit dem heutigen Fußball mitzuhalten. Das ist schade, denn er bringt etwas in Spiele, was einmalig ist. Aber in einer Auseinandersetzung wie gestern, die vor allem verbissen geführt wird, ist er verloren. Und nun spielt er in der Premier League, der verbissensten Liga der Welt. Als er eine Viertelstunde vor Schluss ausgewechselt wurde, wirkte er bleich, als hätte er den Teufel gesehen. Er hatte aber nur eine Unmenge von Zweikämpfen gesehen, für die er nicht gemacht ist.

Sánchez hingegen ist ein Typ, der aus dieser Körperlichkeit erst die Energie zu gewinnen scheint, die ihn beflügelt. Er spielt aber auch trickreich, und kann den brillanten Pass. Aber er lässt sich vor allem niemals abschütteln. Das war es schließlich, was Arsenal überleben ließ. Mit Hingabe hat sich die ganze Mannschaft dagegen gestemmt, dass der Würfel kippte. Das war, nach dem späten Ausgleich bei Everton, schon der zweite extreme Test in dieser jungen Saison, die Arsenal ja mit einer neuen Ambition begonnen hat. Sánchez ist die Verkörperung dieser Ambition.

Nebenbei finde ich es gut, dass der Retortenclub Stiersaft Salzburg wieder einmal in der Qualifikation ausgeschieden hat. Hier noch eine Impression von gestern Abend: Ausklang des Nationalfeiertags in Moldawien.


Eingestellt von marxelinho am 28. August 2014.
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