03. Juni 2017

Zuraten und Abraten: Das Spieler-Rating 2016/17

Rune Jarstein
Es war sicher eine der wichtigsten Hertha-Personalien in der mir erinnerlichen Geschichte, dass Thomas Kraft durch den ruhigen Norweger abgelöst wurde, der seither zu einer absoluten Stütze geworden ist. Hatte eine Topsaison, mit der einzigen kleinen Einschränkung, dass er sich fast schon zu sehr als Libero anbot. Von ihm sollte die Mannschaft in der kommenden Saison auch Signale bekommen, wann das Hintenherumspielen nicht mehr der Sicherheit dient, sondern der Bequemlichkeit. Mit einem Wort: da sein, aber nicht als Ausrede. Perspektive: Führungsspieler.
 
Petr Pekarik
Eine solide Saison bekam mit seinem ersten Bundesligator einen schönen Akzent. Perspektive: Ergänzungsspieler (vor allem, wenn Hertha sich an einem 3-5-2 versuchen sollte).
 
Sebastian Langkamp
Beinahe schon ein Hertha-Urgestein inzwischen, immer noch ein passabler Innenverteidiger, der aber vor allem in der Spieleröffnung deutliche Defizite hat. Das hat vielleicht auch mit seinem Stil zu tun: immer ein wenig aufreizend aus der Hüfte. Favre hätte ihm sicher Extraschichten beim Zehenballentraining verordnet. Spezialtalent: zieht Stürmerfouls wie kein anderer. Perspektive: Wackelkandidat.
 
John-Anthony Brooks
Hat genau die Saison gespielt, die einem angeschobenen Verein wie Wolfsburg 20 Millionen wert sein mag. Alles Gute, wir sind stolz auf dich!
 
Marvin Plattenhardt
Für eine wirklich große Saison war die Mannschaftsleistung ingesamt nicht groß genug, und so richtig prägend war Plattenhardt dann auch nur ab und zu mit seinen Standards. Als linker Außendecker aber doch die beste Besetzung, die Hertha seit 1998 bisher hatte (bei allem Respekt für Michael Hartmann und Malik Fathi). Könnte vermutlich in einer mutigeren Mannschaft noch mehr zeigen. Perspektive: Stammspieler.
 
Jordan Torunarigha
Brauchte nur zwei Spiele, um den Weg für John Brooks in die große, weite Welt zu bereiten. Perspektive: Stammspieler.
 
Per-Ciljan Skjelbred
Verkörperte am deutlichsten die Probleme von Hertha im vergangenen Jahr: weder offensiv besonders wirksam noch defensiv wirklich verlässlich. Perspektive: Ergänzungsspieler.
 
Niklas Stark
Deutete an, dass er richtig wichtig werden könnte. Designierter Sechser, oder in der Mitte einer Dreierkette.
 
Allan Souza
Das letzte Spiel gegen Leverkusen hat ihn schwer beschädigt, insgesamt bekam er nicht hinreichend Gelegenheit, zu zeigen, warum er hinreichend Gelegenheiten hätte bekommen sollen. Circulus vitiosus fussballprofiensis.
 
Mitchell Weiser
Hatte eine halb gebrauchte Saison, der kleine Fitness-Dissens mit dem Coach in der Vorbereitung war irgendwie zeichenhaft. Wenn er körperlich auf Topniveau ist, ist er zweifellos der beste Fußballer bei Hertha. Perspektive: mal sehen, ob er zu halten ist.
 
Alexander Esswein
Ein Spieler zum Haareraufen. Ein paar supercoole Szenen, aber insgesamt vor allem konfus, und in einigen wichtigen Szenen (notabene vor dem Ausgleich der Bayern) auch einfach nicht spielintelligent. Wirkte nie richtig eingebunden. Perspektive: unklar.
 
Vladimir Darida
Fiel die halbe Hinrunde aus, und war den Großteil der restlichen Saison außer Form (seine Standards sind da wie ein Barometer). Kam allerdings zum Ende hin allmählich wieder in Schwung, und ließ erkennen, dass er für eine besser integrierte Hertha wichtig bleiben könnte. Umschaltspieler. Perspektive: Stammspieler (auf der Acht?)
 
Genki Haraguchi
Ein Jahr der Stagnation, wenn mas es freundlich ausdrücken will.
 
Salomon Kalou
Auf seine alten Tage und in einer Mannsschaft, die ihm nicht immer genügend Möglichkeiten zum Zusammenspiel gab, war das eine sehr anständige Saison. Perspektive: Ehrenrunde in Europa.
 
Vedad Ibisevic
Super interessante Saison, häufig grenzwertig, seine Emotionen sind ein Problem, denn sie springen ja nicht auf die Mannschaft über, sondern lassen oft das Spiel zerfleddern. Hatte zum Ende der Saison hin offensichtlich auch Probleme, das Tempo (wenn Hertha dann mal eines vorlegte) mitzugehen. Wurde dann auch manchmal eigensinnig. Seine Bilanz aber ist imposant: fehlte nur zweimal (wegen Sperre, klaro), 18 Torbeteiligungen. Perspektive: Führungsspieler in Altersteilzeit.

Valentin Stocker
Findet und findet nicht so ins Spiel, dass man das Gefühl hätte, ihm wäre das Spiel einmal auf längere Zeit anzuvertrauen. Könnte damit auch Hertha-Symptom sein, muss es aber persönlich ausbaden.

Fabian Lustenberger
Der Reserve-Skjelbred. Gute Besserung!

Maximilian Mittelstädt
Das Spiel gegen Hoffenheim sollte man ihm nicht nachtragen. Nächste Saison kann er zeigen, ob er einen anderen Weg gehen kann als Fabian Holland. Andeutungen gab es dafür.

Ondrej Duda

Wir sind sehr gespannt.

Personalbedarf: einer, der Ibisevic entlastet (schon da, guter Coup!); ein spielstarker Sechser; einer, der Langkamp herausfordert, aber auch von Torunarigha den Druck nimmt; kein weiterer mittelmäßiger Flügelspieler (vielleicht aber noch ein sehr guter, wenn Esswein jemand nimmt)



Eingestellt von marxelinho am 3. Juni 2017.
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