27. September 2014

Kompetenzbereiche

Gestern habe ich mir noch einmal die erste Halbzeit vom Aston Villa gegen Arsenal vom vergangenen Wochenende angesehen, das ich neulich nur in einem Stream und abgelenkt verfolgen konnte. Ich habe es auf dem Arsenal Player geschaut, einem mustergültigen Clubkanal, der nicht nur jedes einzelne Spiel in voller Länge archiviert, sondern auch eine Menge zusätzlichen Zeugs.

Nach dem 3:0 bei Aston Villa gab es auch ein Interview mit Mesut Özil. Er antwortet auf Deutsch, und er hatte gute Gründe, sich selbstbewusst zu zeigen. Das erste Tor erzielte er selbst, das zweite bereitete er vor, das dritte erzwang die ganze Mannschaft, erzielt wurde es von Cissoko - ein Eigentor, mit dem der Verteidiger aber nur Oxlade-Chamberlain zuvorkam, der andernfalls ziemlich sicher eingesendet hätte.

Es ist eine interessante Erfahrung, ein Spiel zu sehen, von dem ich schon weiß, worauf es zuläuft: auf drei Tore innerhalb von vier Minuten Mitte der ersten Halbzeit, die ein Spiel entschieden, das davor keineswegs eine klare Tendenz gehabt hatte. Ich sah dann aber doch ein paar Vorzeichen. Unwillkürlich wird der Blick zielgerichtet, er sucht nach ähnlichen Aktionen, nach Passfolgen, die vielleicht schon das erwartete Ereignis markieren - aber nein, es ist nur ein Ansatz ein paar Minuten früher, ein erster Versuch, den Pass in die Tiefe zu spielen, ein Lauf in einen Raum, der dann beim Treffer eine Rolle spielen wird.

Fußball wird so, ohne den Live-Druck des Unvorhersehbaren, zu einem Spiel, das aus unglaublich viel Stückwerk besteht. Bis sich dann plötzlich eine Konstellation ergibt, die etwas öffnet. Im konkreten Fall hatte Arsène Wenger auf die Kritik an Özil reagiert und ihn wieder einmal zentral aufgestellt. Wilshere wechselte dafür auf die Bank, Sanchez ebenfalls, für ihn kam Cazorla. Es war wirklich auffällig, wieviel besser Özil in dieser Rolle war. Er kam oft weit nach hinten, um Bälle zu holen, er spielte aber auch gemeinsam mit Welbeck einen Ansatz frühen Pressings. Vor allem aber spielte er fast nur interessante Pässe. Sein Gefühl für den Raum ist unvergleichlich. Anscheinend muss er dazu aber das ganze Spiel um sich herum haben.

Heute spielt Arsenal zu Hause gegen Tottenham. Nächste Woche gegen Chelsea. Zwei Derbys hintereinander, die auch schon eine Idee davon vermitteln werden, was dieses Jahr bringen könnte. Arsenal hat ja eine Personalsituation, die durchaus der von Hertha vergleichbar ist, wenn auch mit besseren Spielern. Die Auswahl am offensivem Personal ist riesig. Vieles hängt dabei tatsächlich von Özils Rolle ab. Er findet in Ramsey einen flexiblen Partner, versteht sich gut mit Welbeck, dazu kommt Sanchez über den Flügel, das lässt eine weitere Position für Oxlade-Chamberlain, Wilshere, Cazorla, Podolski, Walcott (noch verletzt), Joel Campbell.

Weiter hinten sieht es hingegen weniger stark aus. Arteta und Flamini wechseln einander auf der 6 ab, sogar Abou Diaby (eineinhalb Jahre verletzt) ist wieder nahe an der Mannschaft. Auch gegen Aston Villa gab es vor dem Führungstreffer eine Szene, einen zerstreut verteidigten Freistoß, die dem Spiel eine ganz andere Richtung hätte geben können. Sczeszny verhinderte das Gegentor.

"I dream of a society, where just competence comes in", sagte Arsène Wenger am Ende der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Tottenham. Ein paar Schritte in Richtung eines kompetenteren Fußballs hat Arsenal zuletzt gemacht. Mal sehen, ob heute ein weiterer gelingt.



Eingestellt von marxelinho am 27. September 2014.
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